München - Auf den ersten Blick klaffte im defensiven Mittelfeld des FC Bayern München eine Lücke. Trainer Pep Guardiola reagierte auf den Ausfall von Kapitän Philipp Lahm mit einem zusätzlichen Spieler für die Offensive. "So viele hatten wir, glaube ich, noch nie auf dem Feld", sagte Manuel Neuer. Guardiolas Rechnung ging beim 4:0-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim voll auf und zeigte, dass die Bayern auch die schweren Verletzungen wichtiger Spieler nicht aus der Bahn werfen.

"Wir nehmen das leider zur Kenntnis, wenn sich bei uns jemand verletzt, wie jetzt letzte Woche Philipp Lahm", betonte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. "Trotzdem wird nicht gejault. Dann muss eben der Nächste einspringen." Gegen die TSG tat dies Rafinha, der von der Rechtsverteidiger-Position ins defensive Mittelfeld rückte und so versuchte Lahms Lücke zu schließen.

Rafinha füllt Lahms Fußstapfen

Doch die Fußstapfen des voraussichtlich noch bis Februar fehlenden Lahm sind groß. Vor allem wegen seiner Pass- und Ballsicherheit war er in dieser Saison bis zu seinem Knöchelbruch ein wichtiges Element im Spiel der Bayern. Die durchschnittlich 89 Prozent angekommener Pässe und 83 Ballkontakte pro Spiel sprechen für sich.

Sein Vertreter Rafinha zeigte gegen Hoffenheim, dass er durchaus in der Lage ist, Lahms Ausfall zu kompensieren. So brachte es der Brasilianer ebenfalls auf 83 Ballkontakte, spielte hinter Xabi Alonso die zweitmeisten Pässe zum Mitspieler und seine Laufleistung von 11,15 Kilometern reichte an den durchschnittlichen Wert Lahms von 11,17 Kilometern heran.

"Es ist bitter, dass uns wichtige Spieler fehlen", stellte Neuer fest, der Lahm als Kapitän vertrat. "Trotzdem kompensieren wir das ganz gut." Gegen das aggressive Pressing der Kraichgauer hatten die Bayern in den ersten 20 Minuten dennoch ihre Probleme. Ungenauigkeiten im Spiel nach vorne führten zu einer ungewöhnlich hohen Fehlpassquote. Mittelfeldstratege Xabi Alonso war mehr damit beschäftigt, seine Nebenleute zu dirigieren, als selbst entscheidende Impulse am Ball zu setzen.

"Viele Spieler müssen nach hinten arbeiten"

Als Alonso schließlich in der 23. Minute Mario Götzes Traumtor einleitete, nahm das Spiel aus Sicht der Bayern seinen gewohnten Gang. Auch weil die Offensivspieler ihre Defensivaufgaben besser erfüllten. "Jeder weiß worum es geht und dass auch viele Spieler nach hinten arbeiten müssen", erklärte Neuer. So ließ sich selbst Götze phasenweise auf die Sechserposition zurückfallen.

Und was war mit den nominellen Sechsern im Kader? Mit Bastian Schweinsteiger, Sebastian Rode und Pierre-Emile Hojbjerg saßen drei davon zunächst auf der Bank. Rode kam in der 59. Minute für Thomas Müller in die Partie, Schweinsteiger feierte in der 77. Minute sein umjubeltes Comeback und ersetzte Götze. Und beide Einwechselspieler nahmen mehr oder weniger positionsgetreu die Rollen ihrer Vorgänger im offensiven Mittelfeld ein. Nicht zufällig entsprang der Treffer zum 4:0-Endstand einer Co-Produktion von Schweinsteiger und Rode.

Rode betreibt Eigenwerbung

Während sich Schweinsteiger wegen seiner langen Pause bis zu seinem ersten Startelfeinsatz wohl noch etwas gedulden muss, betrieb Rode Werbung in eigener Sache - nicht zuletzt mit seinem ersten Treffer für die Bayern. "Ein Tor sieht immer gut aus", freute sich Rode, der im Training immer vollen Einsatz zeigt und dafür regelmäßig von Guardiola gelobt wird. "Ich sehe mich als Teil einer sehr, sehr guten Mannschaft und ich muss dazu beitragen, dass auch die Jungs in der ersten Elf immer Vollgas geben", sagte Rode. "Solange man immer mit einem Lächeln ins Training kommt, kann man bessere Leistungen abrufen."

Die gilt es bereits am Dienstag in der Champions League bei Manchester City wieder auf den Rasen zu bringen. Obwohl die Bayern bereits als Gruppensieger feststehen, nehmen sie die Partie ernst. Für Trainer Guardiola ist es zudem die Möglichkeit, weitere taktische Varianten zu erproben, etwa eine defensivere Ausrichtung mit Rode von Beginn an. Der Neuzugang ist jedenfalls heiß auf ein mögliches Startelf-Debüt in der Königsklasse. "Das wäre schon ein geiler Moment", sagte Rode mit einem strahlenden Lächeln - die beste Voraussetzung, um sich im Training diesen Moment zu verdienen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz