Leipzig - Naby Keita war wohl die größte Sensation der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Still und leise kam der Guineer im vergangenen Sommer aus Salzburg zu RB Leipzig, wo er sich zu einem Weltklasse-Spieler entwickelt hat. Seine Spielübersicht, seine feine Technik und seine Dribblings gaben die RB-Fans entzückt. Im Exklusiv-Interview mit Bundesliga.de spricht Keita über den zweiten Platz seines Teams hinter dem FC Bayern München, wie es dazu kam, dass sein Verein eine solche Saison spielen konnte und er verrät, dass er sich bereits auf die Champions League besonders freut.

>>> Alle Infos zu Deinem Club findest Du in der Bundesliga-App

bundesliga.de: Naby Keita, als Sie im vergangenen Sommer aus Salzburg nach Leipzig kamen, hätten Sie je für möglich gehalten, dass Ihre Elf soweit vorne stehen würde?

Keita: Natürlich nicht. Es ist wie in einem Traum. Aber wir gehen damit sehr gut um. Wir genießen unsere tolle Saison. Mit jedem Spiel haben wir ein Stück an Selbstvertrauen gewonnen. Unser Ziel Nummer eins war es, den Klassenerhalt so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen, um nie ernsthaft zittern zu müssen. Das ist uns bestens gelungen. Mit dem zweiten Platz sind wir selbstverständlich höchst zufrieden. Aber wir wollen uns in keinem Fall ausruhen. Wir werden weiterhin Gas geben, um in Zukunft so lange es geht auf dieser Erfolgswelle zu schwimmen.

bundesliga.de: Leipzig ist Vize-Meister geworden. Wäre es eine Enttäuschung gewesen, wenn RB am Ende nur Siebter oder Achter gewesen wäre?

Keita: Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht unser Wunsch-Szenario gewesen, weil wir gespürt haben, dass wir auf einem sehr guten Weg waren und wir den zweiten Platz natürlich so lange wie möglich verteidigen wollten. Wir sind nach wie vor ein Aufsteiger und unser Weg war es, dass wir bis zum Schluss weder an den Meistertitel noch an die Champions League gedacht haben, sondern wir haben versucht, Wochenende für Wochenende unser Potenzial abzurufen und möglichst viele Spiele zu gewinnen. Das ist uns bestens gelungen.

>>> Die rasante Entwicklung von RBL ist noch nicht am Ende

bundesliga.de: Ist es Ihr Ziel, mit RB Leipzig die Champions League zu entdecken, Teil von diesem tollen Projekt zu sein?

Keita: Absolut. Das wäre großartig, aber untereinander haben wir bis kurz vor Saisonende nicht über die Champions League gesprochen. In der Kabine war sie kein Thema. Wir haben es geschafft, uns auf die Bundesliga zu fokussieren. Unsere Bescheidenheit und dass wir bis zur letzten Minute fleißig geblieben sind, waren ausschlaggebend.

Video: RB Leipzig im Taktik-Check

bundesliga.de: Die KO-Phase in der Champions League unter anderem mit den Achtel- und Viertelfinals verlief extrem torreich und spektakulär. Macht sie Lust?

Keita: Klar, aber wir bleiben bodenständig. Wir freuen uns auf die kommende Spielzeit. Dass wir uns direkt für die Champions League qualifizieren konnten, ist fantastisch für unseren Klub. Unsere Mannschaft ist jung, hungrig und weiterhin ambitioniert.

bundesliga.de: Kommt sie trotzdem nicht zu früh für diese junge Mannschaft?

Keita: Klar wird es dann mit den vielen englischen Wochen eine große Umstellung, aber wir freuen uns riesig darauf, die Champions League zu entdecken. Davon träumt jeder Fußballer und wir werden alles unternehmen, um gut abzuschneiden.

bundesliga.de: Was ist in Ihren Augen das Erfolgsrezept von RB Leipzig?

Keita: Der Zusammenhalt auf allen Ebenen und der Spaß im Training. Wir kommen jeden Tag mit einem Lächeln zum Training. Unsere Spielweise bereitet auch eine Menge Spaß und zeichnet sich durch unsere Spielfreude aus. Wir agieren gern sehr hoch mit einem hohen Pressing auf den Gegner, wir sind technisch stark und erfolgshungrig. Wir haben fast nur Spieler, die noch nie einen Titel gewonnen haben. Dementsprechend sind wir alle sehr motiviert.

>>> Die Senkrechtstarter der Saison 2016/17

bundesliga.de: Herrschte in der kleinen Schwäche-Periode nach den zwei Niederlagen in Dortmund (0:1) und gegen Hamburg (0:3) am Anfang der Rückrunde gar keine Panik, dass es abwärts gehen könnte?

Keita: Keine Sekunde. Das spricht auch eindeutig für die Moral unserer Truppe. Alle im Verein, ob die Verantwortlichen oder der Trainer, sie haben jederzeit betont, dass eine solche Phase einfach zu unserer Entwicklung gehört und dass das Wichtigste sei, bloß nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wir sind gemeinsam stark geblieben. Dieser Zusammenhalt und Teamspirit sind die große Stärke in unserer Mannschaft.

bundesliga.de: Inwieweit hat Ralph Hasenhüttl in dieser Situation die Mannschaft beruhigt?

Keita: Ob in guten oder in schlechten Zeiten, der Trainer spricht regelmäßig mit uns. Er legt sehr viel Wert auf die Kommunikation. Er hat immer ein offenes Ohr. Auch nach den zwei Niederlagen sprach er ruhig und besonnen zu uns, dass wir einfach weiter arbeiten müssten, dass es gar keinen Grund gab, die Ruhe zu verlieren, dass es ein völlig normaler Lernprozess unserer jungen Mannschaft ist.

bundesliga.de: Sie könnten mit einer Vertragsverlängerung zum bestbezahlten Spieler von RB Leipzig aufsteigen. Ehrt Sie so etwas?

Keita: Über solche Sachen mache ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken. Ich konzentriere mich nur auf unsere Spiele und meine Leistung. Das ist das Wichtigste. Ich bin ein junger Spieler, der sich nie um die Gerüchte kümmert oder die Zeitungen liest. Erst einmal freue ich mich auf einen wohlverdienten Urlaub und dann auf die kommende Spielzeit.

Das Interview führte Alexis Menuge