Vier Siege, 11:1 Tore und vier Plätze in der Tabelle geklettert. So manch ein "Wölfe"-Fan fühlt sich schon wieder in die Meistersaison unter Trainer Felix Magath zurückversetzt. Unter Interimscoach Lorenz-Günther Köstner haben die Niedersachsen, wie schon in der vergangenen Spielzeit, erst nach dem Murmeltiertag (2.Februar) das Gaspedal gefunden und liebäugeln sogar schon wieder mit einem Europa-League-Platz. Doch wie viel Magath steckt in Köstner?

Der 19. Spieltag scheint für die VfL-Verantwortlichen ein magischer Wendepunkt geworden zu sein. In der letzten Saison begann zu diesem Zeitpunkt die fulminante Aufholjagd des Meistertrainers Magath. Dieses Mal wurde zu diesem Zeitpunkt Schlussstrich unter das Kapitel Armin Veh gezogen - Köstner hieß nun der neue Leitwolf.

Ein Offensivfeuerwerk nach dem anderen

Der Aha-Effekt trat allerdings erst vier Spieltage später ein. Obwohl selbst die optimistischsten "Wölfe"-Fans die Titelverteidigung längst abgehakt haben werden, kann diese Saison noch einen versöhnlichen Abschluss nehmen. Schließlich haben die Niedersachsen beste Chancen, das Viertelfinale der Europa-League zu erreichen - erstmals in der Geschichte des VfL.

Das Auftreten der Köstner-Elf kann aber trotz einiger Parallelen nicht einfach so mit der Meistersaison von Magath verglichen werden. Als "Felix der Große" regierte, zündete der VfL ein Offensivfeuerwerk nach dem anderen ab. Platz 1 in der Statistikrangliste, was Schüsse, Flanken und Pässe angeht.

"Der Mannschaft die gewünschte Stabilität gegeben"

Doch die Anzahl der Zuspiele hat rein gar nichts mit der Genauigkeit zu tun. Nur Rang 17 für Magath in seiner Amtszeit - er suchte das Risiko! Ganz anders unter Köstner, der deutlich mehr auf Sicherheit im Spielaufbau achtet. Die "Wölfe" mauserten sich zur zweitbesten Manschaft in Sachen Passgenauigkeit. Manager Dieter Hoeneß weiß das zu schätzen: "Er hat der Mannschaft wieder die gewünschte Stabilität gegeben."

Ein allerdings noch eklatanterer Unterschied zeigt sich in der Zweikampfbilanz. Köstners Elf geht den Duellen am Mann häufiger aus dem Weg, belegt nur Rang 16 bei der Auflistung der eingegangenen Zweikämpfe. Unter Magath hieß es noch bestritt der VfL in der Meistersaison die meißten Zweikämpfe. Das Erfolgsrezept: Zweikampfstärke gepaart mit Spielkunst.

Die "Wölfe" kontern sich zum Erfolg

Eines hat sich jedoch auch unter Köstner nicht geändert. Die Wölfe waren und sind immer noch eine Kontermannschaft. In den letzten Spielzeiten hatten sie nie mehr als 50 Prozent Ballbesitz. Kein langes Hin- und Hergeschiebe, sondern effektiver Zug zum Tor, lautet das Motto. So lieben es die Fans.

Trotz einiger Differenzen in der Spielauslegung, der Erfolg gibt beiden Trainern Recht. 1,86 Punkte fuhr Köstner pro Partie ein und liegt damit sogar leicht über dem Schnitt des Meistermachers Magath. Die Vorzeichen stehen also gut, für eine erneute Aufholjagd.

"Trainer mit internationaler Erfahrung"

Auch wenn Titelträume natürlich utopisch sind, mit weiteren geschichtsträchtigen Erfolgen auf Europas großer Bühne und einer erneuten Qualifikation für den internationalen Wettbewerb ließe sich sicher der Großteil der "Wölfe"-Fans zufriedenstellen.

Köstner kann sich in seiner kurzen Amtszeit also ein kleines Denkmal setzen. Nach der Saison sitzt er wieder auf der Bank der zweiten Mannschaft, egal wie es am Ende ausgeht. Raum für Spekulationen gibt es keinen. "Die Sache ist geklärt", so Hoeneß.

Sollten die "Wölfe" in der kommenden Saison auch einmal vor dem Murmeltiertag aufwachen, könnte der derzeit gesuchte "Trainer mit internationaler Erfahrung" wieder ganz oben angreifen.

Norman Thalwitzer