Die Bundesliga läuft im Februar wieder auf vollen Touren. Es ist der Monat der wechselnden Tabellenführer und der letzten getätigten Transfers.

Kurz vor Schließung der Transferlisten Anfang des Monats kommt noch einmal richtig Bewegung in die Wechselbörse. Besonders kurios ist der Fall von Albert Streit. Der Schalker verhandelt gleich mit zwei Vereinen und entscheidet sich dann im letzten Moment für den Hamburger SV und gegen das zuvor favorisierte Hannover 96. "Ich habe keinen verarscht", versichert er anschließend treuherzig.

Leverkusen verstärkt sich hochkarätig

"96" reagiert schnell und lotst in letzter Minute Jacek Krzynowek aus Wolfsburg zu sich. Auch Bayer Leverkusen schlägt noch einmal zu und leiht neben Toni Kroos von Bayern München auch noch einen waschechten Europameister aus. Aus Nürnberg kommt Angelos Charisteas an den Rhein.

Dermaßen verstärkt geht die "Werkself" die schwierige Rückrunde optimistisch an. Schwierig deswegen, weil Bayer 04 sämtliche Heimspiele in der Düsseldorfer LTU Arena austragen muss, da die heimische BayArena umfangreich ausgebaut wird. Die Premiere in neuer Umgebung geht erst einmal gründlich schief. Gegen den aufstrebenden VfB Stuttgart gerät Leverkusen mit 2:4 unter die Räder.

Wirbel um Ibertsberger und Janker

Besser macht es 1899 Hoffenheim in Mönchengladbach. Zumindest sportlich. Dank eines Last-Minute-Ausgleichs von Wellington verteidigt die Rangnick-Elf durch ein 1:1 letztmals die Tabellenführung. Für große Aufregung sorgt dagegen die Gewohnheit von Ralf Rangnick, seine komplette Mannschaft direkt nach dem Schlusspfiff in der Kabine für eine erste Manöverkritik um sich zu versammeln.

Dabei waren auch die Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker. Doch die hätten eigentlich sofort zur Dopingprobe gemusst. Wie so oft im Fußball ist die Aufregung zunächst groß, lange Sperren für die Spieler stehen im Raum. Am Ende werden sie freigesprochen, der Verein bekommt eine Geldstrafe aufgebrummt.

Dämpfer für Hoffenheims Himmelsstürmer

Eine Woche später erwischt es den Herbstmeister. Die Rangnick-Truppe wird nach einer 1:4-Heimklatsche gegen Bayer Leverkusen von Hertha BSC, der zweiten großen Überraschungsmannschaft des Jahres, am 20. Spieltag entthront. Die Berliner bezwingen im Topspiel der 20. Runde ihrerseits nach zwei Treffern von Andrey Voronin Bayern München mit 2:1 und feiern den achten Heimsieg in Folge.

Doch die Hertha gibt die Führung nach einem 1:2 in Wolfsburg nach nur einer Woche an den Hamburger SV weiter. Der gewinnt das Verfolgerduell in Leverkusen, pardon in Düsseldorf mit 2:1. Zweifacher Torschütze ist Marcell Jansen, dem die Hamburger Journalisten anschließend ehrfurchtsvoll an den Lippen hängen.

Schließlich gehört der baumlange Nationalspieler zu den wenigen Kickern im HSV-Kader, die wissen wie man Meister wird. "Wir müssen unserer Linie treu bleiben und dürfen nicht abheben", empfiehlt Jansen im Interview mit bundesliga.de.

Tristesse beim Rekordmeister

Apropos Meister. Was machen eigentlich die Bayern? Die verfallen nach einem gründlich misslungen Rückrundenstart mit drei Niederlagen in vier Spielen, darunter die Pleiten gegen die direkten Konkurrenten Hamburg und Hertha, in tiefe Tristesse. Nach dem peinlichen 1:2 gegen den Aufsteiger 1. FC Köln und nur Platz 4 in der Tabelle ist "die Krise da", wie der "Kicker" vermeldet.

Noch schlechter ergeht es Werder Bremen. Während die Schaaf-Schützlinge im UEFA-Cup den großen AC Mailand ausschalten, hagelt es in der Liga bittere Enttäuschungen. Gegen Schlusslicht Mönchengladbach reichen beispielsweise auch 21:3-Chancen und 19:2-Ecken nicht zum Sieg.

Auch Schalke 04 und Borussia Dortmund wollen einfach nicht in die Erfolgsspur zurückfinden und dümpeln im Mittelmaß vor sich hin, die Borussia ist sogar immer noch sieglos im neuen Jahr. Dem VfL Wolfsburg gelingt dagegen im zehnten Anlauf der erste Auswärtssieg (2:0 in Frankfurt). So langsam pirschen sich die "Wölfe" an die internationalen Plätze heran.

Zischenspurt des FC Energie

Im Abstiegskampf verschaffen sich Energie Cottbus mit einem Zwischenspurt von sieben Punkten aus drei Spielen und einem 2:1 gegen Werder Bremen und die Frankfurter Eintracht mit einem 1:0 in Karlsruhe ein bisschen Luft. Mönchengladbach gelingt am 21. Spieltag der erste Rückrundensieg (3:2 gegen Hannover).

In der 2. Bundesliga hat sich derweil überraschend zwischenzeitlich die SpVgg Greuther Fürth an die Spitze gekämpft. Dann aber übernehmen wieder Freiburg und Mainz die Regie, während der Hinrunden-Zweite Kaiserslautern den Anschluss verliert. Bei den Münchener "Löwen" wird Weltmeister Stefan Reuter als Sportchef durch Miroslav Stevic ersetzt.

Kuriosität des Monats:

Auf diesen Tag hat Christoph Daum lange gewartet. In seinem zehnten Anlauf gelingt dem Kölner Trainer am 21. Februar der erste Sieg beim FC Bayern. Zuvor hatte Daum mit Köln, Stuttgart und Leverkusen eine Bilanz von acht Niederlagen und nur einem einzigen Remis vorzuweisen. Diesmal gewinnen die Domstädter mit 2:1 in München.

"Das war das Einzige, was mir in meiner Vita noch gefehlt hatte", meint Daum sichtlich bewegt. Möglich wird der Sieg auch durch Daums mutige Entscheidung, den Debütanten Daniel Brosinski ins kalte Wasser zu werfen. Der trifft zum 2:0 und sorgt für die Vorentscheidung.

Tobias Gonscherowski

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