Kaiserslautern - Euphorie und Ernüchterung lagen in dieser Saison beim 1. FC Kaiserslautern nah bei einander: Nach zwei Siegen zum Auftakt träumten die Fans bereits von höheren Sphären, doch anschließend gab es nur noch ein Remis und vier Niederlagen für die Pfälzer.

Der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz spricht im Interview über die momentane Durststrecke, das große gemeinsame Ziel der Pfälzer und das Derby gegen Eintracht Frankfurt am 8. Spieltag.

bundesliga.de: Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach dem ersten Fünftel der Saison aus?

Stefan Kuntz: Wir sind zum Beispiel mit dem Auftreten unserer Mannschaft und mit der Stimmung im Fritz-Walter-Stadion sehr zufrieden. Auch die Punkteausbeute ist insgesamt zu diesem Zeitpunkt zufriedenstellend, aber wir wissen, dass wir jetzt weitere Ergebnisse folgen lassen müssen.

bundesliga.de: Zuletzt in Hamburg war Ihre Mannschaft über weite Strecken besser als der Gegner. Wie kann man so eine bittere Niederlage verdauen?

Kuntz: Wir müssen Spiele wie die Partie in Hamburg als Lernprozess begreifen und die richtigen Lehren daraus ziehen, damit im nächsten Spiel unter ähnlichen Bedingungen die Punkte mitgenommen werden können.

bundesliga.de: Einige Spieler haben zuletzt davon gesprochen, dass die Mannschaft "Lehrgeld zahlt" oder "einen Lernprozess durchläuft". Sehen Sie das auch so?

Kuntz: Wenn wir nur mal isoliert auf die Zahl an Bundesligaspielen schauen, die unsere Spieler in ihrer bisherigen Karriere aufbieten können, liegt es doch auf der Hand, dass wir insgesamt in der Bundesliga noch einige Erfahrungen sammeln müssen. Dafür muss man der Mannschaft die notwendige Zeit geben.

bundesliga.de: Wie ist momentan die Stimmung am Betzenberg und rund um den FCK?

Kuntz: Die Stimmung in unseren Heimspielen war der Wahnsinn. Wenn wir uns nun ab und an daran erinnern, wie unser Ziel lautet, nämlich Klassenerhalt, dann schaffen wir auch sicherlich auch während der unabdingbar auftretenden Durststrecken noch mehr Zusammenhalt.

bundesliga.de: Sie haben auch gegen Mainz, Dortmund und Hannover verloren. Lassen Sie die Ausrede gelten, dass diese drei Mannschaften derzeit an der Tabellenspitze stehen?

Kuntz: Nein, denn wir sehen die Möglichkeit, in jedem Spiel gegen jeden Gegner Punkte holen zu können. Mit Ausnahme des Spiels gegen Dortmund waren unsere Auftritte in Ordnung und wir hätten durchaus etwas mitnehmen können.

bundesliga.de: Marco Kurz hat beim HSV nach dem Rückstand noch zwei Stürmer eingewechselt und wollte unbedingt noch ein Tor. Werden der Trainer und Sie an dieser offensiven Philosophie festhalten?

Kuntz: Diese Entscheidungen obliegen allein Marco Kurz und er hat ein sehr gutes Händchen, die Mannschaft mit der richtigen Philosophie ins Spiel zu schicken. Er variiert in den richtigen Momenten und wir waren auch bei punktelosen Spielen insgesamt die bessere Mannschaft.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause ist Eintracht Frankfurt zu Gast. Beschäftigen Sie sich schon mit dem Spiel? Was erwarten sie?

Kuntz: Das ist das alte "Südwest-Derby". Ich habe viele intensive Erinnerungen an die Spiele gegen die Eintracht und freue mich auf ein wahrscheinlich ausverkauftes Stadion und eine Karlsberg Westtribüne, die unsere Mannschaft nach vorne und zu einem Heimsieg antreiben wird.

bundesliga.de: Ist in dieser Partie ein "Dreier" nicht schon fast Pflicht?

Kuntz: Mit solchen Formulierungen oder Ansichten kann ich nichts anfangen. Fußballergebnisse sind keine Pflichtaufgaben. Wir haben ein großes gemeinsames Ziel: Klassenerhalt und das gilt es zu erreichen.

bundesliga.de: Srdjan Lakic ist der überragende Mann im FCK-Angriff. Haben Sie solche starken Leistungen von ihm erwartet?

Kuntz: Wir sind mit Srdjan zusammen durch eine für ihn sehr schwere Zeit gegangen, in der er eine langwierige Verletzung auskuriert hat und anschließend wieder richtig in Form kommen musste. Jetzt erreichtet er langsam das Leistungslevel, auf dem er sich selbst sehen möchte und wir ihn auch. Er ist ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft und nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen.

bundesliga.de: Es gibt einige Teams, die einen nicht unbedingt so zu erwartenden Saisonstart hingelegt haben. Welche Mannschaft hat Sie am meisten überrascht?

Kuntz: Positiv ragen natürlich Mainz und Dortmund heraus. Negativ liegen im Augenblick Stuttgart und Schalke und ein wenig die Bayern hinter ihren Erwartungen zurück.

Die Fragen stellte Tim Tonner