Mönchengladbach - Jetzt kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Nach dem 3:0-Heimsieg gegen Bayer 04 Leverkusen steuert Borussia Mönchengladbach klar auf Kurs Champions League. Zur direkten Qualifikation fehlen nur noch ein Sieg oder zwei Unentschieden aus den letzten beiden Spielen.

Der Bann ist gebrochen. 26 lange Jahre konnten die Fohlen kein Heimspiel mehr gegen den rheinischen Rivalen gewinnen. Nun endete die Misere mit einem krachenden 3:0-Erfolg. Wenn die Gladbacher solche Misserfolgsserien knacken, dann richtig. Das war gegen den gleichen Gegner schon vor knapp fünf Jahren so, als die Borussia nach 26 sieglosen Partien in Folge die Werkself in der BayArena mit 6:3 deklassierte. Nun wurde dem Spuk auch endlich wieder daheim ein Ende bereitet - und wie.

Damals wie heute schwang sich Patrick Herrmann zum spielentscheidenden Mann auf. Dem Doppelpack im Sommer 2010 ließ er nun ein Tor und ein Assist folgen. "Gegen Leverkusen läuft es immer besonders gut", freute sich der Matchwinner, der schon in der ersten Halbzeit die Weichen auf Sieg hätte stellen können, jedoch am starken Gästekeeper Bernd Leno zweimal gescheitert war.

Dominante Fohlen nach Wiederanpfiff

Nach der Pause diktierte die Borussia dann das zuvor noch ausgeglichene Spielgeschehen und packte seine Chance beim Schopf. Mit dem Dreier gegen Bayer 04 haben die Gladbacher nun fünf Punkte Vorsprung auf Leverkusen bei nur noch zwei ausstehenden Partien. "Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", kündigte Granit Xhaka gewohnt forsch und selbstbewusst an.

"Wir spielen auf einem ganz hohen Niveau", meinte der Schweizer Nationalspieler. "Wir hatten uns vor der Saison gewünscht, auch gegen die Großen zu punkten. Wenn man dann zwölf Spiele ungeschlagen ist und die letzten neun Heimspiele gewonnen hat, hat man es auch verdient, in der Champions League zu spielen." Borussia Mönchengladbach ist nun mit Abstand die beste Rückrundenmannschaft (36 Punkte aus 15 Spielen) und hat dabei die härtesten Konkurrenten aus München (2:0), Wolfsburg (1:0) und nun Leverkusen (3:0) alle geschlagen.

"Wir haben eine Weltklasse-Saison gespielt, die wir jetzt noch mit einem weiteren Sieg zu Ende spielen wollen", freute sich auch Christoph Kramer, der im Sommer zurück nach Leverkusen wechselt und gegen seinen künftigen Arbeitgeber ein starkes Spiel machte. Die delikate Angelegenheit, mit einem Sieg gegen Leverkusen sich die eigene Zukunft zu erschweren, ging der Weltmeister gelassen an.

Eberl verteilt Sonderlob an Kruse

"Es war wie früher in der Schule, wenn du eine Klausur geschrieben hast. Du warst vorher etwas nervös, in der Klausur, also im Spiel, war es dann aber weg", sagte der 24-Jährige. Die Borussia hat nun – um im Bild zu bleiben – ihre Hausaufgaben erledigt. "Wir müssen das Ding jetzt seriös zu Ende spielen und wollen das auch durchziehen", gab Sportdirektor Max Eberl die Parole für die beiden letzten Spiele in Bremen und gegen Augsburg aus.

Ein Sonderlob verteilte Eberl an seinen wahrscheinlich im Sommer scheidenden Stürmer: "Max Kruse verhält sich herausragend. Nächste Woche wird der Wechsel wahrscheinlich verkündet. Wie er sich gerade auch in den letzten Wochen verhält, ist hochprofessionell. Wir können stolz darauf sein, so einen richtig guten Jungen zu haben." Kruse selbst wollte nach dem Spiel nichts sagen. Er ließ Taten sprechen, schoss das wichtige Tor zur 1:0-Führung und postete nach dem Abpfiff lieber ein Bild der feiernden Truppe aus der Kabine.

Schon am kommenden Samstag kann Mönchengladbach mit einem Sieg in Bremen den Einzug in die Champions League perfekt machen. Im Weserstadion warten die Fohlen übrigens seit sogar 27 Jahren und 24 Spielen auf einen Dreier. Ob die Marke nun auch fällt?

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski