Gelsenkirchen - Elfmeter verschossen, Siegtor gemacht, Eckfahne zerstört – Klaas-Jan Huntelaar war die prägende Figur beim 2:1-Erfolg des FC Schalke 04 über den 1. FSV Mainz 05. Im Interview nach dem Spiel rückte der Stürmer aber lieber die Mannschaftsleistung in den Vordergrund und lobte den couragierten Auftritt des jungen Teams.

Frage: Klaas-Jan Huntelaar, Sie haben die Eckfahne mit Ihrem Jubeltritt glatt zerbrochen – und die Reste wollen Sie jetzt als Andenken mitnehmen?

Klaas-Jan Huntelaar: (lacht) Na klar, die nehme ich mit nach Hause. Als Zahnstocher nach dem Essen. Nein, im Ernst: Ich nehme sie wirklich mit. Leider hat sie es nicht überlebt. Normalerweise springt die Fahne wieder zurück, wenn man gegen sie tritt. In diesem Fall bin ich genau auf ihr gelandet, als sie am Boden lag. Da ist sie zerbrochen.

"Ich mache immer weiter"

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Frage: Fast wäre Ihnen in der Schlussphase noch ein weiteres Tor aus 60 Metern gelungen, als der Mainzer Keeper mit nach vorne gegangen war.

Huntelaar: Das war knapp. Wirklich schade, dass er nicht reingegangen ist. Ich habe gesehen, dass der Torwart raus war und es versucht. Es war knapp, aber leider war er nicht drin.

Frage: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie schon nach vier Minuten den Elfmeter verschossen haben?

Huntelaar: Der Kopf ist der große Gegner. In dieser Szene habe ich vom Kopf her verloren, hinterher dann doch wieder gewonnen. Das ist doch auch das Schöne am Fußball.

Frage: Der Trainer hat angekündigt, dass Sie jetzt erstmal keine Elfmeter mehr schießen werden.

Huntelaar: (lacht) Das müssen wir nochmal diskutieren. Mal schauen… Ich mache auf jeden Fall immer weiter. In der Woche hat es im Training ganz gut geklappt, leider jetzt am Wochenende nicht. Der Trainer entscheidet, er legt den Schützen vor dem Spiel fest.

"Alle waren gut drin in der Partie"

Frage: Direkt nach dem Fehlschuss haben Sie Ihr Trikot gewechselt. Galt da das Motto: Neues Trikot, neues Glück?

Huntelaar: (lacht) Nein, nein, das war es nicht. Ich musste das Trikot wechseln, weil es kaputt war.

Frage: Schalke hat gegen Mainz über weite Strecken sehr offensiv gespielt, viel nach vorne, viel über außen – so, wie es Ihnen auch gefällt?

Huntelaar: Das Spiel war super, alle waren gut drin in dieser Partie. Wir wollten nach vorne spielen und haben sofort Druck gemacht. Man hat auf dem Platz viel Leidenschaft und Herz gesehen. Die Fans haben das honoriert mit ihren Gesängen und ihrem Beifall. Schön, dass wir dann am Ende auch noch gewonnen haben. Wir wollten nicht auch das zweite Heimspiel dieser Saison nur unentschieden spielen.

Frage: Haben Sie Julian Draxler vermisst?

Huntelaar: Jule ist ein super Spieler. Aber es steht nicht nur ein Spieler auf dem Platz, wir sind elf Spieler auf dem Platz und auch noch sieben Spieler auf der Bank. Wir haben einen großen Kader. Natürlich vermisst man ein Talent wie Jule, weil er großes Potenzial hat. Aber er hat sich entschieden, Schalke zu verlassen. Das muss man akzeptieren und dann weitermachen.

"Es geht nur Schritt für Schritt"

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Frage: Wie wichtig war dieser Sieg auch mental angesichts von jetzt sieben Spielen in 21 Tagen?

Huntelaar: Der Sieg war enorm wichtig. Wir konnten nach diesem Spieltag auf Platz fünf oder Platz 14 stehen. Und wenn du auf Platz fünf stehst, ist natürlich alles viel leichter. Das sieht man in der Bundesliga in jedem Jahr. Es stehen immer wieder Vereine unten, die man dort nicht erwartet. Und dann wird es ganz schwer, dort herauszukommen. Umso wichtiger ist es, gut anzufangen.

Frage: In den letzten Jahren hat Schalke in der Champions League gespielt, jetzt geht es am Donnerstag in der Europa League nach Nikosia. Wie groß ist die Motivation?

Huntelaar: Die Motivation ist immer groß. Europäisch dabei zu sein, hat man sich in einer ganzen Saison verdient. Wir haben es am Ende noch geschafft, was nach einer nicht so tollen Saison eine schöne Sache ist. Natürlich würden wir lieber in der Champions League spielen, aber das ist in Deutschland auch nicht so leicht. Auch in dieser Saison wird es nicht leicht sein, die Champions League zu erreichen.

Frage: Mit welchem Ziel startet Schalke in die Europa League?

Huntelaar: Wir wollen erstmal durch die Gruppe kommen. Es geht nur Schritt für Schritt, auch wenn wir wissen, dass wir weit kommen können. Dafür muss dann aber auch alles klappen. Wir haben das vor drei Jahren gezeigt, als wir es in der Europa League bis ins Viertelfinale geschafft haben. Das sollten wir jetzt wieder versuchen - wenigstens. Aber wir müssen uns erstmal auf die Gruppenphase konzentrieren, dann können wir weiter sehen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte