Nürnberg - Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp stand nach dem Spiel noch lange mit seinem Nürnberger Kollegen Dieter Hecking zusammen. Die beiden dürften dabei auch über den Dialog in der Pressekonferenz geredet haben, bei dem Klopp Hecking als "schlauen und cleveren Kollegen", bezeichnet hatte, der den BVB durch sein Lob zwei Tage vor Anpfiff noch mal zusätzlich unter Zugzwang gesetzt habe.

Hecking hatte am vergangenen Donnerstag nicht mehr und nicht weniger prognostiziert, als dass "Dortmund im Sommer Deutscher Meister ist." Nun hat der BVB nach dem dritten Sieg im Jahr 2012 Mühe, die Jubelstürme in die richtigen Bahnen zu lenken. Lieber als über die Titelverteidigung redet Klopp, der voraussichtlich zwei Wochen auf den verletzten Sven Bender (Teilabriss des Außenbandes im linken Sprunggelenk und Dehnung des Syndesmosebandes) verzichten muss, über den Torschützen zum 0:2.

Der Spaß am Fußball soll bleiben

Zumal am Freitagabend von einem Niveauunterschied zwischen beiden Mannschaften erst in der zweiten Halbzeit etwas zu spüren war, als der BVB die Partei besser in den Griff bekam und der FCN nicht mehr so entschlossen das Dortmunder Tor beackerte wie im ersten Durchgang.

Klopp durfte also zu einem Plädoyer ansetzen, das leidige Thema Meisterschaft doch bitte einmal beiseite zu legen. Zumal der BVB nicht alleine als Konkurrent der Bayern auftrete, sondern zwei andere Teams außergewöhnlich viele Punkte beisammen hätten. "Wenn du da oben mitspielen willst, musst du ja fast jedes Spiel gewinnen."

Außerdem, so Klopp, werde er schon aus einem einzigen Grund alles daran setzen, dass seine Spieler nicht bereits im Februar an den letzten Spieltag denken: "Dieser Druck würde nur den Spaß am Fußball nehmen. Und das wollen wir nicht."

Dortmund bewahrt die Spielkontrolle

Lieber lobte Klopp das gute Spiel der Nürnberger, erwähnte die "drei guten Möglichkeiten", die BVB-Stürmer Robert Lewandowski (22./34.) und Kevin Großkreutz (26.) knapp vergaben. Und freute sich, dass am Schluss dann doch ein verdienter 2:0-Sieg im Nürnberger Eiskeller zustande gekommen war, weil der Ball bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff im Netz zappelte: Nach einer sehenswerten Ballstafette über Moritz Leitner und Lukasz Piszczek traf Sebastian Kehl zur Gästeführung (48.).

Das Resultat spielte Dortmund nun in die Karten. Während der "Club" weiter wütend auf den Ausgleich drängte, bewahrte der BVB die Spielkontrolle und kam durch den eingewechselten Lucas Barrios zum entscheidenden zweiten Treffer (82.). Und das war nun wirklich eine Pointe, an der auch Klopp Gefallen fand.

Barrios nutzt seine Chance

Dass ausgerechnet der Spieler traf, der trotz einiger "ernsthafter Anfragen" beim BVB geblieben ist, fand Klopp genauso "großartig" wie die Tatsache, dass fast die komplette Mannschaft auf Barrios zustürzte, um ihm zum Tor zu gratulieren.

Darüber freute sich auch der Torschütze. "Die letzten Monate waren schwierig für mich. Aber die Leute haben mir immer wieder gesagt, dass meine Chance kommen würde. Und so war es ja auch." Auch Shinji Kagawa, der den Barrios-Treffer vorbereitet hatte, war glücklich über den "wichtigen Sieg". Der sei "bei dieser Eiseskälte besonders schön". Sprach's und ging in den vorgeheizten Mannschaftsbus. Mittlerweile zeigte das Thermometer minus 12 Grad an.

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf