Es ist schon eine Art Krise, eine "Punktekrise", wie Hamburgs Vorstandsboss Bernd Hoffmann unlängst erklärte. Doch nach sechs sieglosen Bundesligaspielen in Folge steht der HSV mit dem Rücken zur Wand. Zwar ist der derzeit fünfte Platz mit 24 Punkten aller Ehren wert. Doch ein erneuter Patzer und die "Rothosen" könnten den Anschluss an das Spitzenduo um Bayer Leverkusen und Werder Bremen verlieren.

Stürmer Mladen Petric, der nach gut achtwöchiger Verletzungspause wegen einer Knöchel-Operation in der Europa League gegen Rapid Wien sein Comeback gab, fordert deshalb gegen 1899 Hoffenheim (ab 15 Uhr im Live-Ticker und Liga-Radio) einen Dreier. "An Unentschieden dürfen wir uns nicht gewöhnen", sagte er im Interview mit bundesliga.de.

"Das Gefühl des Sieges spüren"

"Magier" Petric hofft, dass die Euphorie nach der erfolgreichen Qualifikation für die nächste Runde der Europa League in der Partie gegen Hoffenheim anhält. "Ich habe schon vor dem Spiel gegen Wien gesagt, dass es wichtig ist, wieder einmal das Gefühl eines Sieges zu spüren. Das haben wir geschafft. Und das müssen wir jetzt mitnehmen in die Bundesliga", so der Kroate.

Ähnlich sieht es sein Teamkollege Guy Demel. "Jeder Sieg ist wichtig, denn er bringt Selbstvertrauen. Und das macht die Beine und den Kopf locker - alles geht ein Stück einfacher", erklärte der rechte Verteidiger, der sich darüberhinaus freute, dass sich mit der Rückkehr von Petric die Personallage im Angriff entspannt hat. "Er ist für unser Spiel sehr wichtig. Mit seinen Qualitäten bindet er fast immer gleich zwei gegnerische Spieler. Und das macht es für uns leichter, weil wir dadurch mehr Platz haben", meint Demel.

Der zweite Anzug passt

Richtig gut sieht es im prall gefüllten Krankenlazarett des HSV aber noch nicht aus. Neben den langzeitverletzten Paolo Guerrero und Ze Roberto steht immer noch ein Fragezeichen hinter einem möglichen Einsatz von Eljero Elia (Knöchel), David Rozehnal (Fieber), Jonathan Pitroipa (Adduktorenzerrung) und Tunay Torun (Knie).

Nur gut, dass sich gegen Wien die Spieler aus der zweiten Reihe für weitere Aufgaben empfohlen haben. Tomas Rincon im defensiven Mittelfeld und Robert Tesche als Spielmacher verdienten sich Bestnoten.

Labbadia erwartet offensive Gäste

"Man hat deutlich gesehen, dass wir Qualität im Kader haben. Wir haben junge, talentierte Spieler, die wir bedenkenlos aufstellen können", sagte Demel. Ob Trainer Bruno Labbadia der Startelf und vor allem der erstmalig zelebrierten 4-5-1-Taktik vom Wien-Spiel vertraut, hängt wohl stark vom gesundheitlichen Zustand der rekonvaleszenten Stürmer ab.

Fakt ist, dass Labbadia "den Schwung mitnehmen" will. Er weiß aber auch, dass 1899 Hoffenheim nicht so defensiv auftreten wird wie Rapid Wien. "Hoffenheim hat seine Stärken in der Offensivbewegung. Es ist wichtig, dass wir dies unterbinden", analysierte Labbadia die Vorzüge der Kraichgauer. Von seinem Team verlangt er deshalb, dass es "in den letzten Spielen die Konzentration hochhält."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis