München - Für Hertha BSC stand schon früh fest, lange wollten die Hauptstädter nicht in der 2. Bundesliga bleiben. Nach 13 Jahren Erstklassigkeit war der Abstieg im vergangenen Sommer ein sehr bitterer Moment für die Berliner, die sich ein Jahr zuvor noch für die Europa League qualifiziert hatten.

So zielten in der vergangenen Spielzeit alle Bemühungen auf den sofortigen Wiederaufstieg ab. Und die Mission hatte Erfolg. Hertha BSC schaffte in diesem Frühjahr den Sprung zurück in die Bundesliga und könnte dort auch um mehr als nur gegen den Abstieg spielen. Denn die Berliner bringen einen großen Vorteil mit zurück ins Oberhaus - eine äußerst erfahrene Truppe.

Risiko zahlt sich aus

Es war schon ein bisschen riskant, als die Hertha vor einem Jahr verkündete, dass es trotz des Abstiegs keinen "Ausverkauf" an Spielern geben würde. Wo andere Clubs ihre Abgänge vielleicht mit jungen und günstigen Akteuren zu kompensieren versuchen, gelang der Hertha ein Mittelweg.

Zwar verließen mit zum Beispiel Arne Friedrich, Jaroslav Drobny oder Cicero wichtige Spieler den Club, doch Stützen wie Adrian Ramos oder Raffael wurden gehalten. Mit Christian Lell, Andre Mijatovic, Peter Niemeyer oder auch Rob Friend kamen sogar noch bundesligaerfahrene Fußballer hinzu.

Ziel bleibt der Klassenerhalt

Auch die Verpflichtung von Markus Babbel als neuem Cheftrainer stellte sich als genau richtig heraus, denn der 38-Jährige schaffte es, die Mannschaft sofort auf Betriebstemperatur zu bringen. In den ersten zehn Spielen kassierten die Hauptstädter keine einzige Niederlage, am 5. Spieltag stand die Hertha erstmals auf dem 1. Tabellenplatz, nie war man schlechter als Rang 5.

Trotzdem gibt Sportgeschäftsführer Michael Preetz für die kommende Saison nur ein Ziel aus: "Wir müssen so realistisch sein, zu erkennen, dass es für Hertha BSC in der kommenden Saison um nichts anderes geht, als die Klasse zu halten. Dies allein hat Priorität, irgendwelche anderen Träumereien bringen uns nicht weiter."

Vielversprechende Transfers

Träumen dürfen aber die Fans, die hoffen, dass die Hertha schnell wieder an alte Erfolge wie das achtmalige Erreichen eines Top-6-Ranges während der letzten 13-jährigen Zugehörigkeit im Oberhaus anknüpfen kann.

Insbesondere da die Berliner vielversprechend auf dem Transfermarkt unterwegs waren. Mit Valeri Domovchiyski verlässt die Hauptstadt nur ein Spieler, der regelmäßig in der vergangenen Saison zum Einsatz kam. Und mit Thomas Kraft, Andreas Ottl, Tunay Torun und Maik Franz kommen teilweise international erfahrene Akteure zur Hertha.

Ob es aber zu so einer Überraschung kommen kann, wie beim 1. FC Kaiserslautern, der nach Abstieg und sofortigem Wiederaufstieg in der Saison 1997/98 gleich Deutscher Meister wurde, das bleibt fraglich. Sollte die Hertha aber an die guten Leistungen der Vorsaison anknüpfen können, dann dürfte das eine Jahr 2. Bundesliga wohl nur ein Betriebsunfall gewesen sein.

Jessica Pulter