Wolfsburg - In der aktuellen Form müsste der VfL Wolfsburg eigentlich in der Champions League spielen, doch die will der Tabellenzweite der Bundesliga dann in kommenden Saison aufmischen.

Zunächst empfangen die Niedersachsen am Donnerstagabend (ab 18:45 Uhr im Liveticker) im Europa League-Sechszehntel-Finale den portugiesischen Vertreter Sporting Lissabon. Das Rückspiel findet dann eine Woche später am 26. Februar (21.05 Uhr) in Lissabon statt.

Sporting nur ein Zwischenstopp - Ziel ist Warschau

"Jeder Spieler hat das Ziel Titel zu holen", erklärte Weltmeister Andre Schürrle vor kurzem und deutete damit an, dass der VfL am 27. Mai gerne das Europa League-Finale in Warschau erreichen würde. Der Winter-Neuzugang weiß wie man Sporting Lissabon schlägt. In Diensten des FC Chelsea schoss er beim 3:1-Erfolg über die Portugiesen Mitte Dezember in der Gruppenphase der Champions League einen Treffer.

Der aktuelle portugiesische Tabellendritte scheiterte in der Gruppe G an den Londonern und am FC Schalke 04 und wurde in die Europa League "strafversetzt". Schürrle ist übrigens trotz internationaler Einsätze für den FC Chelsea spielberechtigt.

Hecking: Chancen stehen 50:50

Auf die leichter Schulter werden die Wolfsburger Sporting aber nicht nehmen. "Sie sind technisch sehr gut und haben richtig gute Spieler, vor allem Nani", weiß Schürrle. Der portugiesische Nationalspieler ist von Manchester United an Lissabon ausgeliehen und Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel. "Wir müssen höllisch aufpassen", warnt der 24-Jährige. Auch Trainer Hecking weiß um die Stärke der Portugiesen: "Das wird eine harte Nuss für uns. Die Chancen auf ein Weiterkommen stehen 50:50."

Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs bezeichnet die Aufgabe als "knifflig". Auch er weiß, dass dem VfL gleich zwei defensive Mittelfeldspieler gelb gesperrt nicht zur Verfügung stehen. Sowohl auf Luiz Gustavo als auch Josuha Guilavogui kann Trainer Hecking nicht zurückgreifen. Die erste Alternative als zweiter Sechser neben Maxi Arnold aufzulaufen, wäre Christian Träsch. "Der Trainer wird da schon eine Idee haben", blieb Arnold gelassen. Ivan Perisic wird Hecking ebenfalls fehlen. Der Kroate fällt mit einer Muskelzerrung aus.

Überragender Dost freut sich auf Europa

In der Bundesliga ist der VfL derzeit in einer tollen Verfassung. Beim 5:4-Spektakel gegen Bayer Leverkusen war Stürmer Bas Dost mit seinem Viererpack der überragende Spieler auf dem Platz. Der Niederländer blüht seit Wochen auf und hat seit Rückrundenbeginn bereits sieben Tore erzielt. Der 25-Jährige freut sich auf das Duell mit den Portugiesen. "Ich will wirklich jedes Spiel gewinnen", so Dost, der die Europa League nicht als zusätzliche Belastung ansieht, sondern als Ansporn sich mit internationalen Topteams zu messen.

Ab der kommenden Saison wollen die Wölfe dann eine Etage höher angreifen und sich mit den ganzen großen Teams messen. "Die Europa League ist wichtig für unsere Wahrnehmung, da können wir international eine Menge für uns tun", findet Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs.

Besonderes Spiel für Vieirinha

Ganz besonders freut sich Wolfsburgs einziger Portugiese im Team, Vieirinha, auf das Duell mit seinen Landsleuten. "Es gilt, hart zu arbeiten und dann bin ich sicher, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen können", erklärte der 29-Jährige, der in seiner Anfangszeit als Profi unter anderem beim FC Porto spielte. Der kleine Offensivspieler wurde zu Rückrundenbeginn von Trainer Hecking nach hinten beordert und macht in der Verteidigung des VfL keine schlechte Figur: "Ich fühle mich mit jedem Spiel als auf der Position des Rechtsverteidiger wohler."

Am Donnerstag müssen die Wölfe aber erst einmal den ersten Schritt Richtung Achtelfinale gehen. Die Bilanz von Sporting auf deutschem Boden ist ernüchternd. In zehn Gastauftritten holten die Iberer nur ein Unentschieden und neun Niederlagen. In zwanzig Spielen gegen Bundesligaclubs gab es nur zwei Siege (der letzte in der Champions League mit 4:2 gegen den FC Schalke). Die Wolfsburger traten in ihrer überschaubaren Europapokal-Geschichte erst einmal gegen ein portugiesisches Team an. Im UEFA-Pokal besiegten die Wölfe in der Saison 2008/09 Sporting Braga mit 3:2. Edin Dzeko und Zvedjan Misimovic waren die Torschützen. Ein paar Monate später wurde der VfL Deutscher Meister und qualifizierte sich für die Champions League. So oder so ähnlich haben sich die Verantwortlichen der Wolfsburger das in dieser Saison auch vorgestellt.

Alexander Barklage

Video: Bas Dost in herausragender Form