Er trank Kaffee und keinen Tee - doch ansonsten präsentierte sich Steve McClaren typisch englisch: Höflich, diszipliniert und zurückhaltend humorvoll stellte sich der neue Trainer des VfL Wolfsburg am Mittwoch in der VW-Arena vor und ließ dabei keinen Zweifel an seinem bedingungslosen Willen zum Erfolg.

"Der Absturz vom 1. auf den 8. Platz in der vergangenen Saison war für den Verein eine riesige Enttäuschung. Ich bin hierher gekommen, um den Verein wieder nach oben zu führen und zurück ins internationale Geschäft zu bringen", sagte der neue Coach des Ex-Meisters bei seinem ersten offiziellen Termin zweieinhalb Wochen nach seiner Verpflichtung.

Hoffen auf Dzeko-Verbleib

Frisch und gut erholt aus dem Ägypten-Urlaub zurückgekehrt begann der 49-Jährige sein neues Engagemant als erster englischer Coach in der Bundesliga mit einem großen Wunsch in Bezug auf VfL-Stürmerstar Edin Dzeko: "Ich würde ihn gerne behalten. Er ist ein Weltklasse-Stürmer, der für den Erfolg immens wichtig ist ", erklärte McClaren wohlwissend, dass der Top-Torjäger den Verein über eine Ausstiegsklausel noch bis Montag zu einer vereinbarten Ablösesumme verlassen kann.

"Wenn man sich anschaut, wie die Preise für die besten Stürmer in den letzten Jahren in die Höhe gegangen sind - zum Teil 70, 80 oder 100 Millionen Euro verlangt werden - kann man froh sein, wenn man einen Angreifer auf diesem Niveau hat", sagte der neue VfL-Trainer.

Weitere Personalentscheidungen will McClaren in den kommenden Wochen gemeinsam mit VfL-Manager Dieter Hoeneß fällen. "Wir werden in den kommenden Tagen unsere Ausrichtung und Philosophie besprechen. Danach wird es um mögliche Verstärkungen der Mannschaft gehen", sagte der frühere englische Nationalcoach, der in der abgelaufenen Saison in den Niederlanden Twente Enschede zur ersten Meisterschaft geführt hatte.

"Deutsche und die englische Mentalität ähnlich"

Sollte nicht doch noch ein Wechsel von Dzeko eine große Lücke im Angriff der "Wölfe" reißen, wäre vor allem die Defensive verstärkungsbedürftig. "Die Mannschaft hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie viele Tore schießen kann. Aber sie hat auch viele Gegentreffer kassiert. Das ist sicherlich ein Problem, an dem wir arbeiten müssen", sagte der ehemals zweitklassige Fußballprofi.

Verständigungsprobleme sieht McClaren dabei keine: "Alle, die ich beim VfL bisher getroffen habe, sprechen sehr gut Englisch - in jedem Fall besser als mein Deutsch." Als erster englischer Coach in der Bundesliga sieht sich McClaren auch ein wenig als Pionier. "Englische Trainer sind ja in der Geschichte des Fußballs ohnehin nicht weit gereist. Ich habe mich die letzten zwei Jahre in den Niederlanden sehr wohl gefühlt und freue mich nun auch auf diese ganz neue Herausforderung."

Anders als in Enschede, wo er fern von Frau und Kindern allein wohnte, wird McClarens Familie den Umzug nach Deutschland mitmachen. Eingewöhnungsprobleme erwartet er aber auch sonst nicht: "Die deutsche und die englische Fußball-Mentalität sind ja ähnlich. Und Disziplin, die Voraussetzung für erfolgreichen Sport ist, ist in beiden Ländern eine wichtige Tugend."