Als Hannover 96 am vergangenen Bundesligaspieltag gegen 1899 Hoffenheim unglücklich 0:1 verloren hatte und die Entscheidung der Vereinsführung anstand, die Saison mit Andreas Bergmann zu beenden oder einen neuen Trainer zu verpflichten, konnte sich der Coach auf seine Mannschaft verlassen.

"Wir möchten Bergmann behalten. Da spreche ich für alle", sagte Abwehrchef Christian Schulz im Anschluss an die Partie. "Wenn man die beiden Spiele unter seiner Leitung gesehen hat, gibt es keinen Grund, etwas zu ändern", stimmte Nationalkeeper Robert Enke in die Lobeshymnen mit ein. Bei seiner Bundesligapremiere auf der 96-Bank hatte Bergmann einen 2:0-Sieg in Nürnberg gefeiert.

Offenbar hatten die Club-Verantwortlichen den gleichen Eindruck wie die Spieler. "Andreas Bergmann ist im Moment die beste Lösung für 96. Er hat eine Idee hinter seiner Arbeit und kann die Mannschaft weiterentwickeln", erklärte Sportdirektor Jörg Schmadtke - und drückte dem Trainer einen Vertrag bis zum Saisonende in die Hand.

Pokalerfolge mit St. Pauli

Bergmann hatte schon vor seiner Zeit in Hannover, wo er seit dem 1. Juli 2007 für die U23 verantwortlich war und bevor er zum Profitrainer aufstieg, einen beachtlichen Erfolg vorzuweisen. In der Saison 2005/06 erreichte er mit der Regionalligamannschaft des FC St. Pauli das Halbfinale um den DFB-Pokal, wo er mit 0:3 gegen den FC Bayern ausschied.

Dass er mit seinen 50 Jahren dennoch ein recht unbekanntes Gesicht im Fußballgeschäft ist, stellt für den Coach keinen Nachteil dar. Unverbraucht stürzte er sich in das Abenteuer Bundesliga als Hecking seinen Posten räumte und packte die Chance beim Schopfe.

"Angsthasenfußball ist das Schlimmste!"

Innerhalb kurzer Zeit sorgte er bei den Profis für einen Stimmungsumschwung und hatte auch bei den Fans gleich gute Karten, die ihn trotz der Niederlage gegen Hoffenheim feierten. Die Anhänger erfreuten sich an der offensiven Spielweise ihrer Mannschaft - ein Leitmotiv des neuen Übungsleiters: "Angsthasenfußball ist das Schlimmste! Ich gehe lieber mit 0:4 vom Platz, wenn ich dabei alles probiert habe. Auch wenn das nackte Ergebnis nach außen dann nicht so gut ankommt."

In der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt versuchte Bergmann weniger die taktischen Vorgaben seines Vorgängers zu ändern - sein Augenmerk legte er eher auf den zwischenmenschlichen Bereich. "Er hat sofort eine Begeisterung reingebracht", sagt Arnold Bruggink zum Stimmungsumschwung bei den "Roten".

Der Anzug bleibt im Schrank

"Ich habe wohl den Nerv der Mannschaft getroffen", glaubt Bergmann, der den Spaß und die Leichtigkeit zurück ins Team brachte. "Wir fahren nicht ins Bergwerk, sondern zu einem Bundesligaspiel" - mit solchen Sätzen kam er bei den Spielern offenbar an.

Dass er trotz des unverhofften Aufstiegs unverfälscht bleibt, darauf achtet Bergmann mit Sorgfalt. "Wenn ich in Nürnberg mit Anzug und Krawatte rumgelaufen wäre, hatten meine Freunde gesagt: 'Jetzt ist er durchgedreht'", so der Coach. Also setzte er sich mit Turnschuhen, Jeans und T-Shirt auf die Bank.

Die zweiwöchige "Probezeit" empfand Bergmann nicht als besonders belastend. "Ich habe das für mich nicht so als Druck aufgebaut. Und selbst wenn man sich für einen anderen Trainer entschieden hätte, wäre ich in kein Loch gefallen."

Johannes Fischer