München - Fußball ist einfach. Die Regeln sind überall auf der Welt bekannt. Das Spiel gleicht einer Sprache, die oftmals ohne Worte auskommt. Ganz ohne geht es dann aber doch nicht, schon gar nicht, wenn man seine Gegner verwirren will: "Mit Didi (Didier Ya Konan, Anm. d. Red.) spreche ich auf dem Platz französisch, so verstehen uns die Verteidiger nicht", erklärte Winterneuzugang Mame Diouf nach seinen ersten Einsätzen für Hannover 96.

Das Sprachkonzept fruchtet: Beim erzielte das Duo beide Tore und hievte Hannover 96 auf den 5. Rang der Tabelle - einen Europa-League-Platz. Vor allem der Ivorer Ya Konan blüht nach einer durchwachsenen Hinrunde (15 Einsäze, ein Tor) wieder auf.

Ya Konan in guter Form



In den letzten sechs Spielen schoss er drei Treffer und bereitete eines vor. Dabei traf er ausschließlich gegen die Topteams (FC Bayern, Gladbach, Borussia Dortmund). "Ich habe den Anspruch, dass wir uns in der Bundesliga wieder für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren", ließ Ya Konan verlauten.

Sportdirektor Jörg Schmadtke weiß um die ansprechende Leistung und Stärke der Mannschaft. Nach der Partie war er dennoch erleichtert: "Es ist eng in der Tabelle. Der Sieg war gut und wichtig, um die Ausgangssituation für uns zu verbessern. Es ist noch ein langer Weg, es sind noch sechs wichtige Spiele und von den fünf Teams, die um die drei Plätze kämpfen, werden zwei rauskippen", analysierte er: "Im Gegensatz zu den anderen haben wir unser Heimspiel gewonnen."

"Wenn nicht zuhause, wo sonst?"



Dass die angestrebten Ziele sechs Spieltage vor dem Ende der Spielzeit realistisch sind, haben die Hannoveraner ihrer Heimstärke zu verdanken. 96 ist seit 15 Partien in der heimischen Arena ungeschlagen. Zuhause sammelte Hannover 30 der insgesamt 41 Punkte. "Wir erwarten von uns, dass wir zuhause gewinnen und Punkte holen. Wenn nicht zuhause, wo sonst?", fragte Kapitän Steven Cherundolo.

In der Tat feierte die Mannschaft um Trainer Mirko Slomka in der laufenden Saison nur zwei Auswärtssiege. Die letzten drei Partien in fremden Stadien gingen allesamt verloren. Auffällig: Die Stärken der Hannoveraner (Standards, Konter) kommen in der AWD-Arena viel häufiger zur Geltung. Traf 96 bei Standards zuhause ganze 14 Mal, gelang es auswärts nur drei Mal. Zudem werden die Konter häufiger und effektiver abgeschlossen (25 Torschüsse und zwei Tore mehr als auswärts).

Sensation in der Europa League?



Grund genug zur Freunde, dass das Rückspiel des Europa-League-Viertelfinals gegen Atletico Madrid in Hannover stattfindet. Nach dem unglücklichen 1:2 im Hinspiel braucht 96 mindestens ein Tor, um sich den Traum vom Halbfinale zu erfüllen: "Wir haben gute Chancen, weil wir zuhause spielen. Ich hoffe auf unsere Heimstärke, aber uns muss bewusst sein, dass wir auf einen starken Gegner treffen", sagte Innenverteidiger Mario Eggimann.

"Wir haben zuhause immer tolle Europa-League-Abende erlebt. Und ich hoffe, wir können die Serie auch fortsetzen", erklärte Keeper Ron-Robert Zieler gegenüber dem "NDR". Ein erneuter Heimsieg, der Ausbau der Serie in der eigenen Arena und der Einzug ins Halbfinale - Fußball kann so einfach sein.

Sebastian Schramm