München - Betont locker präsentierte sich Pep Guardiola vor seinem letzten Champions-League-Heimspiel als Trainer des FC Bayern München. Keine Spur von besonderer Anspannung oder gar Angst davor, es könnte zugleich der letzte Auftritt der Münchner in der diesjährigen Königsklasse sein. "Wir sind bereit", stellte Guardiola klar. Vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid ist bei den Bayern die Zuversicht groß, die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen.

Gute Stimmung herrschte bereits beim Abschlusstraining am Montagnachmittag an der Säbener Straße. Auch weil Franck Ribery nach überstandenen Rückenproblemen wieder in den Kreis der Mannschaft zurückkehrte und somit für die Partie am Dienstagabend laut Guardiola "eine Option mehr" ist. Für erweiterten Handlungsspielraum in der Defensive sorgt zudem Jerome Boateng, der am Wochenende seine 99-tägige Verletzungspause beendete.

Neben den personellen Rückkehrern haben die Bayern offenbar rechtzeitig einen zuletzt verloren geglaubten Bestandteil ihres Erfolgs wiedergefunden. Nachdem Thomas Müller noch am Samstag im Rückblick auf die vergangenen Wochen "ein bisschen die Leichtigkeit" gefehlt hat, kündigt Torhüter Manuel Neuer für das Duell mit Atletico Madrid lächelnd "eine andere Leichtigkeit" an.

Nicht zu viele Gedanken ans Toreschießen

Die besteht in erster Linie darin, geduldig das Unternehmen Aufholjagd in Angriff zu nehmen. "Wir dürfen nicht die ganze Zeit daran denken, wie viele Tore wir schießen müssen", sagt Guardiola, dessen Team mindestens deren zwei für den Einzug ins Finale benötigt. "Was wir brauchen, ist eine gute Verteidigung", betont der Katalane, der vor allem die Konter von Atletico fürchtet und diese daher mit aller Macht unterbinden will.

Das ernüchternde Halbfinal-Aus vor zwei Jahren bei gleicher Ausgangslage gegen Atleticos Stadtrivalen Real Madrid dient dem Bayern-Trainer dabei als mahnendes Beispiel: "Wir haben aus dem Spiel gegen Real gelernt." Damals wollten die Münchner vom Anpfiff weg schnellstmöglich das 0:1 aus dem Hinspiel egalisieren und wurden dabei mehrfach ausgekontert bis es am Ende 0:4 stand.

Auch aus der Niederlage in der Vorwoche im Vicente Calderon hat Guardiola seine Lehren gezogen. "Wir haben von Atletico gelernt, dass wir auch die Zweikämpfe gewinnen müssen. Wir können uns anpassen, das ist unsere Stärke." Als die des Gegners macht er zweifellos die Abwehr aus. Ihre letzten sieben Pflichtspiele gewann die Mannschaft von Diego Simeone allesamt ohne Gegentor. "Ich bin sicher, dass wir unsere Chancen bekommen werden", sagt Guardiola.

Neuer: "Wollen Guardiola ein Geschenk machen"

Für ihn persönlich ist es die letzte Möglichkeit, mit den Bayern ins Finale der Champions League einzuziehen. "Wenn man zurückschaut, haben wir doch viel erreicht", sagt der 45-Jährige, der die Titelgewinne in der Bundesliga und im DFB-Pokal mit dem Gewinn der Königsklasse krönen könnte. Nachdem im Vorjahr ausgerechnet sein Ex-Club FC Barcelona diesen Traum beendete, ist die Motivation der Bayern im insgesamt fünften Halbfinale in Serie gegen einen spanischen Verein ohnehin besonders groß.

"Wir wollen unbedingt den Weg nach Mailand gehen", sagt Neuer und denkt dabei auch an Guardiola: "Natürlich wollen wir ihm ein Geschenk machen, aber nicht nur ihm, sondern auch allen Bayern-Fans und uns selbst." Angst, dass den Münchnern nach Real und Barca nun auch Atletico einen Strich durch die Rechnung machen könnte, hat Neuer nicht: "Ein gutes Sprichwort ist ja auch: Aller guten Dinge sind drei."

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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