Marc Wilmots war von 1996 bis 2000 und von 2001 bis 2003 als Spieler für den FC Schalke 04 aktiv
Marc Wilmots war von 1996 bis 2000 und von 2001 bis 2003 als Spieler für den FC Schalke 04 aktiv
Bundesliga

"Mit Felix Magath ist alles möglich"

Er war dabei, als der FC Schalke 04 seinen bislang letzten großen Titel gewann. Im DFB-Pokalfinale 2002 wurde Marc Wilmots in der 75. Minute eingewechselt - und erlebte den 4:2-Triumph gegen Bayer 04 Leverkusen hautnah mit.

Heute ist Wilmots, der beim sensationellen UEFA-Cup-Sieg der Schalker 1997 gegen Inter Mailand den entscheidenden Elfmeter verwandelte, Co-Trainer der belgischen Nationalmannschaft.

Schalke gibt Anlass zur Freude

Das sportliche Schicksal seines Ex-Clubs verfolgt der frühere "Eurofighter" aber natürlich weiterhin aufmerksam, weiß über das Geschehen in der Bundesliga bescheid. Und momentan geben ihm die "Knappen" viel Anlass zur Freude.

Im Interview mit bundesliga.de lobt Wilmots vor dem Freitagsspiel gegen den VfB Stuttgart (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio!) Schalke-Trainer Felix Magath in den höchsten Tönen und gibt seine Prognose zum Titel-Dreikampf ab.

bundesliga.de: Herr Wilmots, Ihr Ex-Club Schalke 04 steht in der Bundesliga auf dem 2. Platz. Sie verfolgen das Geschehen in der Bundesliga noch, wie schätzen Sie die Mannschaft ein?

Wilmots: Ich war beim Spiel Gladbach gegen Schalke und muss sagen, dass ich wirklich überrascht über die Arbeit von Felix Magath bin. Das ist Wahnsinn, er schafft es, mit wenigen großen Namen Schalke auf den 2. Platz zu führen. Jetzt träumen natürlich viele schon, dass er es schafft, schon im ersten Jahr die Meisterschaft zu holen. Aber schon ein Platz in der Champions League wäre ein riesiger Erfolg. An den Titel glaube ich noch nicht - aber mit Felix Magath ist alles möglich! Das freut mich vor allem für die Fans, sie haben eine tolle Mannschaft, die sich immer voll reinhängt und kämpft.

bundesliga.de: Felix Magath hat letzte Saison mit Wolfsburg die Meisterschaft gewonnen, jetzt ist er in Schalke erfolgreich. Kann ein Trainer wirklich so viel ausmachen?

Wilmots: Auf jeden Fall, ein Trainer kann sehr viel verändern. Vor allem konditionell muss eine Mannschaft topfit sein - und jede Mannschaft, die Magath trainiert hat, war fit und konnte 90 Minuten marschieren. Das ist dann auch eine mentale Stärke. Sein 4-4-2 ist auch das beste System, die Mannschaft steht kompakt, macht hinten keine Fehler. Es kann kein Zufall sein: Überall wo Felix Magath ist, ist auch der Erfolg. Dazu gehört auch, dass er immer das gleiche Trainerteam um sich hat und sich voll darauf verlassen kann. Jeder weiß genau, was Magath will, dieser einen Linie müssen alle folgen.

bundesliga.de: Kennen Sie andere Trainer, wo das so ist?

Wilmots: Es ist ein bisschen wie bei Dick Advocaat (belgischer Nationaltrainer, Anm. d. Red.). Auch er hat immer Erfolg - und immer eine klare Linie. Ich sehe auch keinen anderen Weg, um erfolgreich zu arbeiten.

bundesliga.de: Sie haben schon gesagt, dass bei Schalke momentan die ganz großen Namen fehlen. Ist das für die jungen Spieler vielleicht sogar ein Vorteil?

Wilmots: Absolut, es gibt viele junge Leistungsträger, was auch sehr positiv für die Schalker Zukunft ist. Felix Magath hatte nicht so viele Möglichkeiten, in Spieler zu investieren, aber er hat gesagt: 'Kein Problem, ich mache einfach etwas anderes'. Und das klappt. Von vielen der Spieler wie Schmitz, Matip oder Moritz hatte ich vorher noch nie gehört. Aber es läuft - und das ist perfekt.

bundesliga.de: Schalke steht auf dem 2. Platz, weil Bayer 04 Leverkusen am Wochenende zum ersten Mal verloren hat. Kam es für Sie überraschend, dass Bayer im Moment auch mal eine Leistungsdelle hat?

Wilmots: Es ist normal, dass eine junge Mannschaft wie Leverkusen auch mal ein Spiel verliert. Die Frage ist jetzt, wie das Team darauf reagiert. Bayer hat in drei Spielen zwei Punkte geholt, das ist für einen Titelkandidaten natürlich nicht genug. Aber jede Mannschaft hat über die Saison so eine Situation. Jetzt muss es wieder vorwärts gehen.

bundesliga.de: Leverkusen und auch Schalke sind nicht im Europapokal vertreten, der FC Bayern hat die Doppelbelastung mit der Champions League. Kann das ein Vorteil, vor allem für Schalke, sein?

Wilmots: Das ist absolut ein Vorteil. Der FC Bayern hat einen Kader der für diese Doppelbelastung ausgerichtet ist. Aber wenn Robben und Ribery nicht spielen haben sie trotzdem Probleme. Wenn die beiden nicht dabei sind, ist es nicht die gleiche Mannschaft.

bundesliga.de: Für Schalke geht es am Freitagabend gegen den VfB Stuttgart, eine der formstärksten Mannschaften im Moment. Wird dieses Spiel schon zeigen, wie weit es die Schalker diese Saison bringen können?

Wilmots: Stuttgart ist sehr gut drauf seit dem Trainerwechsel. Das ist eine Kontermannschaft, die mit Cacau auch einen sehr erfolgreichen Stürmer hat. Für Schalke 04 ist das ein sehr wichtiger Test: Wenn sie dieses Spiel gewinnen, dann geht es Richtung Champions League.

Das Gespräch führte Matthias Becker