Nürnberg - Nürnbergs Kapitän Raphael Schäfer war wieder einer der Ersten, der nach dem zähen gegen den Hamburger SV vor die Mikrofone trat. "Das war sicher nicht das Gelbe vom Ei", sagte der "Club"-Kapitän, der dennoch mit dem Erreichten zufrieden war. Immerhin habe man einen Punkt geholt und könne nun auch rechnerisch nicht mehr absteigen.

Manchmal, so Schäfer, seien "die Erwartungshaltungen hier schon sehr hoch". Doch so unverständlich mancher Pfiff von der Haupttribüne sein mag - auch die "Club"-Verantwortlichen ließen keinen Zweifel daran, dass sie das Spiel eigentlich unbedingt hätten gewinnen wollen. Auch wenn "die Europa League nie unser Ziel war", wie Schäfer augenzwinkernd einen Reporter beschied.

Grundsätzlich zufrieden mit dem Punkt



Der Nürnberger Ehrgeiz hat andere Gründe als etwaige internationale Ambitionen. Zwar war der "Club" schon vor der Partie so gut wie gerettet. Doch die Verantwortlichen hatten vor dem Spiel errechnet, dass sie bei weiteren Siegen in der kommenden Saison mehr Fernsehgelder einnehmen würden. Doch auch mit nur einem Punkt im Gepäck stiegen die meisten Spieler nach der ersten Enttäuschung gut gelaunt in den Mannschaftbus. Ein Mannschaftsabend war von Trainer Dieter Hecking angesetzt worden.

"Darauf freuen wir uns jetzt natürlich", bekannte Mittelfeldmann Mike Frantz, der zumindest mit dem "kämpferischen Einsatz" seines Teams zufrieden war. In der Tat konnte Daniel Didavi (65.) die überraschende Hamburger Führung durch Heung Min Son (59.) flugs ausgleichen. Im zweiten Durchgang war der "Club" das bessere von zwei Teams, die spielerisch allerdings einiges schuldig blieben.

Didavi weiter in bestechender Form



Diese Feststellung gilt allerdings nicht für Didavi. Der Mittelfeldmann erzielte gegen den HSV bereits seinen achten Saisontreffer, sieben davon hat er in den vergangenen acht Partien beigesteuert. Der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsene Mittelfeldmann zählte erneut zu den besten Spielern seiner Elf. Und auch wenn er nach Schlusspfiff betonte, dass er sich "in Nürnberg sehr wohl fühlt" - am Ende der Saison dürfte er wohl zurück zum VfB Stuttgart wechseln, der ihn nach Ablauf der Leihfrist aus nachvollziehbaren Gründen wieder in seinen Reihen sehen will.

"Für mich war es natürlich bitter, dass ich mich zu Beginn der Saison gleich verletzt habe", sagte Didavi, "als junger Spieler braucht man etwas Zeit, sich in der Bundesliga einzugewöhnen. Aber ich glaube, das ist mir gelungen."

Wohl wahr. Auch Coach Dieter Hecking war mit der Leistung seines technisch versierten Mittelfeldmannes zufrieden, mit der Punktausbeute haderte er allerdings ein wenig. "Die Hamburger haben sehr geordnet gespielt. Wir haben nicht den Druck aufbauen können, den man braucht, um so ein Spiel erfolgreich gestalten zu können."

"Grund zum Feiern"



In den nächsten beiden Spielen - am kommenden Samstag geht es nach Hoffenheim, ehe der "Club" am letzten Spieltag Bayer Leverkusen empfängt - gehe es ja nun um nichts mehr, stellte der Coach fest.

Es gibt schlimmere Feststellungen bei einem Team, das sich zwischenzeitlich doch noch mal Sorgen um den Klassenerhalt machen musste. "Wir spielen auch nächstes Jahr Bundesliga", sagte dann auch Raphael Schäfer, "das ist ein Grund zum Feiern."

Christoph Ruf