München - So richtig zum Proben ist der FC Bayern bei seiner Generalprobe nicht gekommen. Drei Tage vor dem Champions-League-Kracher beim SSC Neapel handelte der Rekordmeister die Partie gegen Hertha BSC im Schnelldurchlauf ab. 13 Minuten reichten den Münchnern, um mit drei Toren davonzuziehen.

Anschließend ließen die Münchner Ball und Gegner laufen und kamen sogar noch zum vierten Treffer. In der Abwehr rührten die Münchner erneut Beton an: Nur drei mickrige Torchschüsse ließ die Defensive um Kapitän Philipp Lahm zu. Im Interview spricht der 27-Jährige über , das Champions-League-Duell mit Neapel und das Erfolgsgeheimnis von Jupp Heynckes.

Frage: Herr Lahm, zum dreizehnten Mal in dieser Saison stand die Null in einem Pflichtspiel. Hätten Sie sich das vor der Saison so ausgemalt?

Lahm: Dass man so oft zu Null spielt, kann man sich im Vorhinein nicht vorstellen. Gegen Hertha ist es wieder gelungen, wobei wir kurz vor Schluss eine riesen Torchance zugelassen haben - die erste richtig große seit langem.

Frage: Was haben Sie und Ihr Team gegen die Hertha anders gemacht als beim Remis in Hoffenheim?

Philipp Lahm: Wir waren wieder von Anfang an auf dem Feld, das war besser als in den letzten Spielen. Wir haben sofort Druck gemacht, aggressiv gespielt. Wenn wir in Führung gehen, wird es schwer, gegen uns zu bestehen.

Frage: Jerome Boateng hat seine Außenverteidiger-Rolle sehr offensiv ausgelegt. Haben Sie ihn phasenweise hinten vermisst?

Lahm: Nein, wir sind gut abgestimmt zwischen Offensive und Defensive. Da schalten sich dann eben auch die Außenverteidiger ins Offensivspiel ein - das gehört zum modernen Fußball

Frage: Fällt Ihnen in der Bundesliga eine Mannschaft ein, die den FC Bayern gefährden könnte?

Lahm: Wenn wir unsere Leistung bringen, wird es schwer, uns zu schlagen. Ich sehe den FC Bayern am Ende des Jahres ganz oben.

Frage: Was ist das Erfolgsgeheimnis von Jupp Heynckes?

Lahm: In erster Linie die Erfahrung, die er hat - mit Spielern, mit der Mannschaft und wie er sie einstellt. Er hat den Mix gefunden zwischen Defensive und Offensive.

Frage: Es werden bereits Vergleiche zum FC Barcelona gezogen. Wie beurteilen Sie das?

Lahm: Es ist schwer, diese Mannschaften zu vergleichen. Barcelona ist Champions-League-Sieger und immer noch das Maß aller Dinge. Damit braucht man uns im Moment noch nicht vergleichen.

Frage: Wenn Barca das Maß aller Dinge ist, was ist dann Neapel für eine Herausforderung?

Lahm: Eine große, vor allem in Neapel! Sie sind gut drauf, physisch sehr stark, sehr laufbereit und haben in der Offensive sehr viel Qualität.

Frage: Karl-Heinz Rummenigge hat gesagt, Napoli sei momentan die beste italienische Mannschaft. Sehen Sie das auch so?

Lahm: Neapel hat in den letzten Wochen sehr gut gespielt, den AC Mailand geschlagen und in der Champions League vier Punkte gesammelt. Mit ihren Fans im Rücken wird das eine sehr schwierige Aufgabe für uns.

Frage: Sie spielen in dieser Saison wieder mit Franck Ribery auf der linken Seite. Fühlt sich das bereits wieder so an wie in der Saison 2007/08?

Lahm: Es ist ein Unterschied für mich, ob ich links oder rechts spiele, das braucht ein paar Wochen. Wir spielen jetzt schon wieder zusammen auf einem sehr guten Niveau. Wir verstehen uns gut, wir spielen gerne zusammen und haben Spaß auf dem Feld. Und wie Franck momentan in der Defensive mitarbeitet, ist sensationell. Wenn am Ende wieder zwei Titel herausspringen, hätte ich nichts dagegen.

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer