München - Jürgen Klopp bekommt seinen "Wunschspieler": Der kroatische Nationalspieler Ivan Perisic verstärkt den Deutschen Meister Borussia Dortmund in der kommenden Saison. Perisic kommt mit vielen Vorschusslorbeeren ins Revier: Experten vergleichen den vielseitigen Mittelfeldspieler, der es in Belgien zum Torschützenkönig und "Spieler des Jahres" brachte, bereits mit einem jungen Michael Ballack.

Auch sein kroatischer Vorgänger im "Pott", der Ex-Schalker Ivan Rakitic, beschrieb seinen Kollegen in der Nationalelf als "Phänomen" und "Voll-Granate", dessen Marktwert beim BVB "explodieren" werde.

Durchbruch in Belgien und "Mister Europe"

Doch auch "Phänomen" Perisic fing mal klein an. Seine ersten Schritte im Fußballgeschäft tätigte er in seiner Heimatstadt Split. Bei HNK Hajduk machte er Kroatiens Junioren-Nationaltrainer auf sich aufmerksam - 17 Mal spielte er danach für die U-Nationalteams seines Landes und netzte dabei drei Mal ein.

Anstatt seine Laufbahn in der Profiabteilung in Split weiterzuführen, zog es den Mittelfeldmann ins Ausland: 2009 wechselte er nach Frankreich zum FC Sochaux, der ihn ohne Profieinsatz zum belgischen Club KSV Roeselare verlieh. Dort startete er voll durch: Acht Tore in 19 Spielen machten ihn zum unumstrittenen Stammspieler und riefen den traditonsreichsten Club Belgiens auf den Plan.

Der FC Brügge sicherte sich noch im selben Jahr Perisics Dienste. Hier absolvierte er 50 Pflichtspiele und zeigte sich erneut torgefährlich: 16 Mal netzte er für die Belgier ein und bereitete 14 Tore vor. Vor allem in der Europa League traf Perisic regelmäßig: In acht Spielen knipste er vier Mal und erhielt von der Presse den Spitznamen "Mister Europe".

Torschützenkönig und Spieler des Jahres

Seine mit Abstand beste Saison war allerdings 2010/11: Der Offensiv-Allrounder wurde mit 22 Ligatoren (zehn Assists) Torschützenkönig und wurde von seinen Kollegen zum "Spieler des Jahres" in Belgien gewählt. Nicht umsonst gilt Perisic als Jürgen Klopps absoluter "Wunschspieler".

"Er ist beidfüßig, schnell, strategisch nicht unbegabt und hat einen starken Kopfball", schwärmte der Erfolgscoach des BVB schon vor der Vollzugsmeldung. Auch Kroatiens Nationalcoach Slaven Bilic ist von Perisics Fähigkeiten vollends überzeugt.

"Er bringt einfach alles mit. Ivan ist ein Super-Techniker, beidfüßig und auch kopfballstark. Sein größtes Plus aber ist die Vielseitigkeit. Ivan kann auf links, rechts oder zentral im Mittelfeld spielen", so Bilic in der "Bild". Bisher ist Perisic zwei Mal für die A-Nationalmannschaft mit dem Schachbrettmuster aufgelaufen.

Vielseitigkeit als großes Plus

Beim BVB kommt Perisic also nicht nur auf allen Positionen in der offensiven Dreier-Reihe in Frage, sondern auch im zentralen Mittelfeld als Nachfolger von Nuri Sahin, der den Verein in Richtung Real Madrid verlässt.

Für Nationalmannschaftskollege Ivan Rakitic (jetzt FC Sevilla), der es Perisic vormachte und im "Pott" durchstartete, hätte Borussia keinen besseren Transfer tätigen können: "In Dortmund wird er eine ganz große Karriere machen. Glückwunsch an den BVB - sie haben wieder eine absolute Voll-Granate an Land gezogen!", meinte Rakitic in der "Sport Bild".

Einer wie der "Capitano"

Als "Typ wie Michael Ballack, nur deutlich schneller" beschreiben Experten Perisic aufgrund seiner Torgefährlichkeit. Höchste Zeit also, dass Perisic seine Talente endlich auch in einer europäischen Top-Liga beweist, weiß auch der 22-jährige selbst: "Ich hatte in Brügge zwei tolle Jahre, doch nun bin ich bereit, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen", so Perisic im belgischen "Het Nieuwsblad".

Der BVB setzt sein Jugendkonzept mit dem jungen Mittelfeldspieler konsequent fort und hat mit Ilkay Gündogan (20, 1. FC Nürnberg), Moritz Leitner (18, FC Augsburg), Julian Koch (20, MSV Duisburg) und Chris Löwe (22, Chemnitzer FC) und eben Perisic ausschließlich junge, talentierte Kräfte für die Saison nach der Meisterschaft verpflichtet.

"Sein Marktwert wird explodieren!"

Die Erwartungen an Perisic, dessen Vertrag beim BVB bis 2016 datiert ist, sind dabei besonders hoch - auch, weil für den Kroaten eine Ablösesumme (über deren Höhe Stillschweigen vereinbart wurde) bezahlt werden musste. Mit den zukünftigen Einnahmen aus der Champions League ist dies für den BVB aber zu bewerkstelligen.

Zumindest Rakitic hat keinen Zweifel, dass sich das Investment in den 1,87 Meter großen Rechtsfuß in jedem Fall auszahlen wird: "Ivan wird so in der Bundesliga einschlagen, dass sein Marktwert innerhalb von nur einer Saison explodieren wird!"

Und wenn jemand dazu beitragen kann, dass Dortmund finanziell von Erfolgen in der Champions League profitiert, dann ist "Mister Europe" sicher der richtige Ansprechpartner dafür.

Christoph Gschoßmann