Köln - In der Saison 1997/98 schrieb der 1. FC Kaiserslautern Bundesliga-Geschichte. Die Pfälzer wurden als Aufsteiger Deutscher Meister, eine Leistung, die bis heute einzigartig blieb. Nun aber könnte RB Leipzig das Kunststück von damals wiederholen. Die Sachsen führen ungeschlagen die Tabelle an. Im Interview mit bundesliga.de sieht der damalige FCK-Mannschaftskapitän Miroslav Kadlec Parallelen, aber auch Unterschiede zwischen den beiden Aufsteigern.

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bundesliga.de: Herr Kadlec, wie gefällt Ihnen der Aufsteiger RB Leipzig?

Miroslav Kadlec: Die Mannschaft spielt im Moment sehr stark. Sie haben den Vorteil, dass sie keine internationalen Spiele wie Europa League oder Champions League bestreiten müssen. Sie haben auch keine größeren Verletzungssorgen. Die Truppe ist noch ziemlich jung und wurde sehr gut zusammengestellt.

bundesliga.de: Worin unterscheidet sich der Aufsteiger RB Leipzig vom Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/98?

Kadlec: Die Saison ist noch lang, warten wir mal ab, wie sie sich am Ende wirklich schlagen werden. Mir fällt das Beispiel TSG Hoffenheim ein. Vor ein paar Jahren waren sie Herbstmeister und sind am Ende Siebter geworden. Keiner hat diesen Erfolg von Leipzig erwartet. Das ist eine Auszeichnung für den Trainer Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick. Wir hatten damals eine routinierte und erfahrene Mannschaft und mit Otto Rehhagel einen super Coach.

bundesliga.de: Muss man Leipzig als Meisterschaftskandidat ernst nehmen?

Kadlec: Ich denke schon. Sie scheinen die Einzigen zu sein, die dem FC Bayern München gefährlich werden können. Die anderen Kandidaten wie Borussia Dortmund, der FC Schalke 04 oder Bayer Leverkusen haben im Moment einige Probleme. Ich glaube nicht, dass von diesen Teams aktuell eine große Gefahr für die Bayern ausgeht. Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC kommen auch eher nicht in Frage. Der größte Konkurrent für den Titel könnte tatsächlich Leipzig werden.

Video: 1997/98 schafft der FCK das Wunder

"Wer Freitagabend gewinnt, ist psychologisch im Vorteil"

bundesliga.de: Wie haben Sie die Saison 97/98 mit dem FCK in Erinnerung? Wann wurde Ihnen bewusst, dass die Meisterschaft möglich ist?

Kadlec: Wir haben erst drei, vier Spieltage vor Schluss wirklich an die Meisterschaft gedacht. Vorher wollten wir erstmal die 40 Punkte klar machen, die man zur Rettung braucht. Danach haben wir einfach von Spieltag zu Spieltag weitergemacht.

bundesliga.de: Was hat den FCK in der legendären Meistersaison vor allem ausgezeichnet? Was war die besondere Stärke?

Kadlec: Wir haben immer an uns geglaubt und waren nach dem Abstieg im Jahr 1996 zusammengerückt. Wir haben nur zwei, drei neue Spieler dazu bekommen. Wichtig war auch, dass wir direkt das erste Spiel beim FC Bayern München gewonnen haben. Dadurch bekommt man dann auf einmal ein riesiges Selbstvertrauen. Wir haben zuhause nur ein, zwei Spiele verloren und waren auf dem Betzenberg eine Macht. Wir haben auch an uns geglaubt, wenn wir mal in Rückstand geraten sind und haben einige Spiele gedreht. Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt.

bundesliga.de: Der FCK konnte damals auch öfter am Freitagabend antreten, vorlegen und die Konkurrenz damit unter Druck setzen. Das hat Leipzig zuletzt in Leverkusen und beim SC Freiburg auch getan. Ist es ein Vorteil, wenn man einen Spieltag eröffnen kann?

Kadlec: Ja, klar. Wenn man am Freitagabend gewinnt, ist man psychologisch im Vorteil. Die anderen Mannschaften müssen dann erst einmal nachlegen. Das ist gar nicht so einfach, erst recht, wenn man dann auch noch die Belastung aus den internationalen Spielen in den Knochen hat.

bundesliga.de: Kann Leipzig das Kunststück, das dem FCK vor über 18 Jahren gelungen ist, wiederholen?

Kadlec: Ich hoffe, dass Leipzig weiter eine gute Saison spielt. Aber es wäre schön, wenn wir die Einzigen blieben, die als Aufsteiger Meister wurden. Daher wünsche ich mir, dass sie Zweiter werden. (lacht)

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

Video: Leipzigs Geheimnis