München - Robert Lewandowski, Sebastian Rode, Juan Bernat - und Michael Reschke: Drei Stars hat der FC Bayern München in diesem Sommer schon verpflichtet, für weitere Transfercoups soll der vierte Neuzugang sorgen, der nach 35 Jahren als Funktionär in Diensten von Bayer Leverkusen am 1. Juli seinen neuen Job als Technischer Direktor des Rekordmeisters angetreten hat. bundesliga.de beleuchtet die Hintergründe seines Wechsels.

Bei Bayer hatte sich Reschke - ohne nach außen hin groß aufzufallen - über Jahrzehnte hinweg stetig nach oben gearbeitet. Der 56-Jährige war einst als Jugendtrainer nach Leverkusen gekommen, wurde dann erst Nachwuchsleiter und stieg vor etwa zehn Jahren sogar zum Manager der Lizenzspielerabteilung auf. Zu den Kernaufgaben gehörte dabei die Zusammenstellung des Kaders in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Rudi Völler.

Reschke ist dementsprechend erfahren, verfügt branchenintern über einen exzellenten Ruf und ist national wie international bestens vernetzt. "Durch seine große Erfahrung im Aufbau eines erfolgreichen Scoutings, in der Abwicklung von Transfers und sein großes Netzwerk wird er für die Bayern sehr wertvoll sein", ist sich Völler absolut sicher, dass sein ehemaliger Mitarbeiter auch in München erfolgreich sein wird. Dort arbeitet er nun eng mit Sportvorstand Matthias Sammer zusammen, der sich zuvor ausdrücklich für die Verpflichtung stark gemacht hatte.

"Riesige Herausforderung" 

Beide kennen und schätzen sich schon lange und sollen gemeinsam nicht nur den ohnehin gut aufgestellten Profikader, sondern auch die Bereiche Junior Team, Scouting und Transfers optimieren. "Das ist eine riesige Herausforderung. Meine Güte, wir sprechen von einem der besten Clubs der Welt. Da in mitverantwortlicher Position arbeiten zu dürfen, ist ein Geschenk, eine einmalige Chance", sagte Reschke dem "kicker".

An ebenso spannenden wie schwierigen Aufgaben mangelt es ihm sicher nicht. Denn nach einigen auf internationaler Bühne eher mäßigen Spielzeiten haben sich die Bayern in den vergangenen fünf Jahren eindrucksvoll in der europäischen Spitze zurückgemeldet. Um dieses hohe Niveau dauerhaft zu halten, braucht man neben Weltklassespielern und einem Startrainer allerdings auch ein erhebliches Maß an Weitsicht, um die erforderlichen Weichenstellungen vorzunehmen. Die Devise lautet vorangehen statt der Musik lediglich hinterherzulaufen.

Hier kommt der neue Mann im Hintergrund ins Spiel: Der Technische Direktor soll einerseits möglichst schon heute die Topstars von morgen entdecken, schneller als die Konkurrenz sein und Transfers nach München zu halbwegs erschwinglichen Konditionen einfädeln, andererseits aber auch dafür sorgen, dass es immer wieder eigene Talente in den Kader schaffen. Schließlich sind Spieler mit Stallgeruch wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller nicht nur Leistungsträger, Fanlieblinge und Publikumsmagnete, sondern wichtige Identifikationsfiguren und Botschafter der Marke FC Bayern. Um sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, muss die Mischung aus externen Neuzugängen, die der Mannschaft sofort weiterhelfen, und solchen aus der eigenen Jugend, die behutsam aufgebaut werden, exakt abgestimmt sein.

Klares Konzept als Erfolgsrezept  

Aus seinem eigenen Rezept macht Reschke dabei kein Geheimnis - entscheidend ist eine klare Ausgangsbasis. "Man braucht ein festes Kaderbild, in dem alle Positionen klar besetzt sind. Die maximale Kadergröße sollte 25 Spieler nie überschreiten", erläuterte er im Interview mit "11 Freunde" und schob nach: "Es gibt immer einen Kern von Spielern, die einem die Ernte einfahren. Bei internationalen Spitzenclubs absolvieren die ersten 20 Spieler in der Regel über 95 Prozent der Nettospielzeit einer Saison. Bei deutlich mehr Spielern im Kader hat man womöglich ein hohes Investment, das in keiner Relation zu den Einsatzzeiten steht. Zudem birgt dies die Gefahr, dass Spieler unzufrieden werden."

Um solche Fehlplanungen zu vermeiden, will er mit seinem neuen Team beim FC Bayern München, zu dem außer Sammer auch die Nachwuchsleiter Wolfgang Dremmler und Michael Tarnat zählen, immer an einem Strang ziehen. Und muss das auch, denn anders als in Leverkusen, wo Reschke vieles in eigener Regie angehen durfte, ist er in München einer von mehreren Verantwortlichen. "Das Zusammenspiel zwischen Management, Trainer und Scoutingabteilung muss passen. Es muss in jeder Sitzung immer klare, verlässliche Aussagen hinsichtlich eines Spielers geben. Die feste Überzeugung muss dahinterstecken. Kein Wischiwaschi", erklärte er im "kicker".

Wie die anderen drei aktuellen Neuzugänge des Rekordmeisters hat sich auch Reschke viel vorgenommen: "Mein Ziel ist es, so zu arbeiten, dass Karl-Heinz Rummenigge und die Bayern-Spieler in einigen Jahren aus Überzeugung sagen: Die Entscheidung, ihn damals zu holen, war gut!" Vielleicht wird der ehemalige Leverkusener dann ja erneut in einem Atemzug mit Lewandowski und Co. genannt - die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht.

Stefan Missy