Köln - Nach zwei Jahren dramatischen Abstiegskampfs hat der Hamburger SV bislang konstant gepunktet und sich im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Vor dem letzten Hinrundenspiel gegen den FC Augsburg spricht HSV-Stürmer Michael Gregoritsch über das bisherige Abschneiden, Trainer Bruno Labbadia und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Michael Gregoritsch, vor dem letzten Hinrundenspiel gegen den FC Augsburg steht der HSV im Mittelfeld der Tabelle sorgenfrei da. Hat die Mannschaft in etwa die Entwicklung genommen, die Sie sich bei Ihrem Wechsel im Sommer erhofft haben? Wie bewerten Sie das erste halbe Jahr?

Michael Gregoritsch: Wir haben aktuell 22 Punkte – noch steht aber ein wichtiges Heimspiel gegen Augsburg an. Auf diesem Spiel liegt mein ganzer Fokus. Wir wollen es mit aller Macht für uns entscheiden. Vorher möchte ich deshalb auch noch kein sportliches Fazit ziehen. Allgemein kann ich jedoch sagen, dass ich mich sehr wohl in Hamburg fühle und von dem gesamten Team sehr gut aufgenommen wurde. Ich habe hier genau die richtige Umgebung und ein passendes Umfeld gefunden, um mich sportlich weiterzuentwickeln.

bundesliga.de: Mit Ausnahme der Spiele in München und Berlin hat der HSV auf einem konstant guten Niveau gespielt, Dortmund und Gladbach geschlagen und in Wolfsburg gepunktet. Spiegelt der 9. Platz das Leistungsvermögen der Mannschaft angemessen wider?

Gregoritsch: Wie bereits gesagt, wissen wir erst nach dem kommenden Spiel wo wir in der Winterpause wirklich stehen. Fest steht, dass wir außer gegen Bayern München in keinem Spiel die klar schlechtere Mannschaft waren, im Gegenteil. Gleichzeitig hat uns aber auch jede Mannschaft gefordert. Uns wurde kein Punkt geschenkt. Die Bundesliga ist stark und ausgeglichen. Wir befinden uns aber auf einem guten Weg.

"Freue mich über das Vertrauen"

bundesliga.de: Sie selbst haben sich in den letzten drei Jahren in Deutschland Schritt für Schritt weiterentwickelt und über die Stationen Hoffenheim, St. Pauli und Bochum den Sprung in die Bundesliga geschafft. Wie lehrreich waren die Jahre, wie gut vorbereitet sind Sie die Bundesliga angegangen?

Gregoritsch: Jede meiner Stationen hat mich nach vorne gebracht, ich konnte überall viel dazu lernen. Ob ich gut auf die Bundesliga vorbereitet angekommen bin, müssen andere beurteilen. Ich selber versuche jeden Tag an mir zu arbeiten, um mich zu verbessern. Dafür ist das Niveau des Trainings und der Teamkameraden, die ich hier in Hamburg habe, eine sehr gute Vorrausetzung.

bundesliga.de: Sie haben 15 der 16 Punktspiele bestritten und standen zehn Mal in der Startelf. Sehen Sie sich schon als Stammspieler? Wie würden Sie Ihren Stellenwert in der Mannschaft beschreiben?

© gettyimages / Stuart Franklin

Gregoritsch: Stammspieler oder nicht, das ist nicht relevant. Wir sind eine funktionierende Mannschaft und ich sehe und fühle mich als Teil von dieser. Ich freue mich, dass mir so häufig das Vertrauen geschenkt wurde, werde aber auch alles dafür geben, dass es so bleibt oder sich sogar noch ausweitet.

bundesliga.de: Inwieweit hilft es Ihnen, dass Ihr Trainer Bruno Labbadia früher selbst Stürmer war? Was erwartet er von Ihnen?

Gregoritsch: Es ist immer gut einen Trainer zu haben, der sich in deine Situationen hineinversetzten kann. Bruno Labbadia merkt man an, dass er mit jeder Faser ein Vollprofi als Spieler war und auch als Trainer ist. Er hat so viel Erfahrungen in dem Bereich, dass er jeden unserer Spieler täglich besser machen kann. Er erwartet von mir, wie von jedem Spieler, taktische Disziplin, aber auch Eigeninitiative und Mut.

"Sind gut auf Augsburg vorbereitet"

bundesliga.de: Am Samstag empfängt der HSV den FC Augsburg, der sich Aufschwung befindet und in Hamburg schon oft gepunktet hat. Was für ein Spiel erwarten Sie? Wie anspruchsvoll wird die Aufgabe?

Gregoritsch: Augsburg wird eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Sie haben ein gutes, eingespieltes und erfahrenes Team, das gerade in den letzten Wochen noch einmal zusammengerückt ist und über die mannschaftliche Geschlossenheit und durch hohe Einsatzbereitschaft Erfolgserlebnisse feiern konnte. Wir sind aber sehr gut auf diese Aufgabe vorbereitet und werden am Samstag nochmal 90 Minuten alles raus hauen, was in uns steckt. Es wird als Sieger vom Platz gehen, wer die größere Willensstärke an den Tag legt, noch einmal an die Grenzen zu gehen. Wir sind uns dessen bewusst und gehen das Spiel deshalb wie ein Endspiel oder Finale an.

bundesliga.de: Was ist für den HSV in dieser Saison insgesamt drin?

Gregoritsch: Bis zur Winterpause noch drei Punkte.

bundesliga.de: Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft an. Rechnen Sie sich noch Chancen aus, den Sprung in den EM-Kader von Österreich zu schaffen? Gab es schon einmal Feedback von Nationaltrainer Marcel Koller?

Gregoritsch: Chancen sind immer da. Primär gilt es für mich, beim HSV gute und konstante Leistungen zu bringen und mich hier weiterzuentwickeln. Ob es dann für nächsten Sommer reicht, lasse ich auf mich zukommen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski