Köln - Seit Mittwochabend ist das Transferfenster für das Jahr 2016 geschlossen. Einige Vereine haben in den letzten Stunden noch interessante Spieler verpflichtet. Im Interview mit bundesliga.de spricht Michael Frontzeck, Ex-Trainer u.a. von Borussia Mönchengladbach und Hannover 96, über das neue Personal.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, das Transferfenster ist nun für dieses Jahr geschlossen. Wie gespannt haben Sie die letzten Entwicklungen am Mittwoch verfolgt?

Michael Frontzeck: Ich habe die letzten Transfers nicht so intensiv verfolgt und sehe die Sache auch etwas skeptisch. Ich weiß nicht, ob es so günstig ist, dass Transfers noch während der Saison möglich sind. Das sehe ich so genauso wie Dieter Hecking. Letztendlich bist du als Trainer darauf angewiesen mit deinem Kader zu arbeiten. Wenn Transfers aus der Not geboren werden, weil Verletzungen passiert sind, ist es gut, wenn man noch reagieren kann. Auf der anderen Seite wird auch viel spekuliert, es herrscht Unruhe. Ich als Trainer wäre eher dafür, die Transferperioden zu verkürzen. Es nimmt etwas Überhand.

"Freiburg macht viel mit Sinn und Verstand"

bundesliga.de: Die Bundesliga-Vereine haben sich in dieser Transferperiode etwas zurückgehalten. Spricht das dafür, dass die Vereine ihre Hausaufgaben schon vorher gut erledigt haben?

Frontzeck: Ja. Die Bundesliga macht den Wahnsinn, den einige Länder vorantreiben, nicht mit. Die Transfers sind überschaubar und werden im Rahmen der Möglichkeiten der Vereine abgewickelt. Sie arbeiten gut. Das spricht für die Bundesliga.

bundesliga.de: Dann lassen Sie uns auf einige Spieler zu sprechen kommen, die in den letzten Tagen noch gewechselt sind. Beim SC Freiburg war der Fall eingetreten, den Sie angesprochen hatten. Der Verein musste aufgrund von Verletzungen einiger Spieler noch nachlegen und verpflichtete den früheren Stuttgarter Georg Niedermeier.

Frontzeck: Freiburg ist grundsätzlich ein Club, der viel mit Sinn und Verstand macht. Sie haben einen Plan und verlieren auch nicht die Nerven, wenn sie mal absteigen. Dann sind sie ein Jahr später eben wieder zurück. Das gefällt mir sehr gut. Ich denke, dass Niedermeier gut zum Sport-Club passt.

"Leipzig hat die Chance auf Papadopoulos wahrgenommen"

Neuzugang von RB Leipzig: Kyriakos Papadopoulos
Neuzugang von RB Leipzig: Kyriakos Papadopoulos

bundesliga.de: RB Leipzig hat Kyriakos Papadopoulos aus Leverkusen geholt. Könnte das damit zusammenhängen, dass die Mannschaft in den ersten beiden Pflichtspielen viele Gegentore bekommen hat?

Frontzeck: Das werden die Verantwortlichen Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl besser einschätzen können als ich. Leipzig hat in Hoffenheim (beim 2:2, die Red. / >>> Alle Infos zum Spiel im Matchcenter TSG-RBL) ein attraktives Spiel gezeigt. Ich vermute, dass sie nicht auf dieses Spiel bezogen reagiert haben, sondern eine Chance gesehen haben, einen guten Spieler zu bekommen. Die haben sie wahrgenommen.

bundesliga.de: Philipp Wollscheid ist nach eineinhalb Jahren in England zurück in der Bundesliga und spielt jetzt für den VfL Wolfsburg. Martin Hinteregger wechselte zum FC Augsburg. Olympiasieger Douglas Santos heuerte beim Hamburger SV an. Wie bewerten Sie diese Transfers?

Frontzeck: Wolfsburg hat mit Dante einen Innenverteidiger verloren. Dieter Hecking kennt Wollscheid aus gemeinsamen Zeiten in Nürnberg. Das ist eine gute Sache. Auch Hinteregger und Santos sind gute Transfers. Grundsätzlich gilt, dass wir nicht über gute oder schlechte Transfers sprechen müssen. Die Verantwortlichen vor Ort denken sich ganz sicher etwas bei den Transfers.

"Solche Spieler werden bei vielen Clubs gesucht"

bundesliga.de:Der SV Werder Bremen holte dagegen keinen Verteidiger, sondern mit Serge Gnabry einen Stürmer. Was zeichnet Gnabry aus?

Frontzeck: Er hat wirklich ein gutes Turnier bei Olympia gespielt. Er ist ein attraktiver, schneller Spieler. Solche Spieler werden bei vielen Clubs gesucht. Ich denke, dass er sicherlich eine große Perspektive hat.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski