Köln - Den klassischen, geraden Weg in den Profifußball hat Michael Esser nicht gerade beschritten. Im Gegenteil. Als Kind aussortiert, mit 20 starkes Übergewicht und ein Vollzeitjob als Klempner - doch stoppen konnte das den gebürtigen Westfalen nicht. Heute steht er beim SV Darmstadt 98 in der Bundesliga im Tor. Und überzeugt jede Woche mit überragenden Leistungen.

Michael Esser ist einer der Shootingstars in dieser Saison. Bei den Lilien zeigt der 29-jährige Woche für Woche Topleistungen und gehört zu den besten Keepern der Bundesliga. Mit 21 gefangenen Flanken ist er sogar die Nummer eins in dieser Kategorie. Immerhin 44 Torschüsse hat er in 14 Ligaspielen bereits abgewehrt, der viertbeste Wert der Bundesliga.

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Dabei war seine Hoffnung auf eine Bundesliga-Karriere eigentlich schon mit 14 ausgeträumt. Damals wurde der heute 1,98 Meter große Torwart in der C-Jugend des VfL Bochum aussortiert - weil er zu klein war. Statt Profifußball kickte Esser bis 21 beim SV Sodingen in der Landesliga - und wog zwischenzeitlich 115 Kilogramm. "Ich kam eben aus dem Mallorca-Urlaub und hatte noch etwas Trainingsrückstand. Der Trainer hat dann auch ganz klar gesagt: »So spielst Du bei mir nicht!« Also habe ich eben gehungert", berichtet er in einem Interview bei 11Freunde.

Erst mit 21 wieder nach Bochum

Sein Geld verdiente er damals als Klempner. Nach einer abgeschlossenen Lehre als Anlagenmechaniker arbeitete er ganztags auf dem Bau. Abends ging es dann zum Training. Erst 2008 holte Bochum ihn zurück, zunächst für die zweite Mannschaft, ab 2012 spielte er bei den Profis. Und kam dort auf immerhin 24 Spiele in der 2. Bundesliga.

Im Sommer 2015 kam schließlich der Wechsel zu Sturm Graz nach Österreich, wo er Stammkeeper und sogar schnell Kapitän wurde. Und damit das Interesse der Lilien auf sich zog, die ihren Torwart Christian Mathenia nach Hamburg ziehen lassen mussten. Heute ist Mathenia am Böllenfalltor fast schon vergessen. Esser hält das Tor der Lilien so gut es geht sauber. Dass Darmstadt schon 27 Gegentore kassiert hat, liegt sicherlich nicht an den 29-Jährigen.