1,94 Meter Gelassenheit. Mit seinen 21 Jahren hat Sebastian Prödl von Werder Bremen schon die Ruhe weg, auch bei der ersten Begegnung mit der Bremer Presserunde am Sonntag. Mal pariert er knapp, mal begegnet er den Fragen sehr ausführlich.

Er weiß, was er will. In die Runde der mitgereisten Journalistenschar eingeführt zu werden, ist kein unwichtiger Schritt für jeden Neuzugang, doch der lockere Hüne meistert ihn problemlos.

Vertretung für Mertesacker

Prödl steht in Schruns im Mittelpunkt des Interesses. Nicht nur, dass er wenige Wochen nach der EURO ins Heimatland zurückgekehrt ist und Team Austria auch noch einen neuen Teamchef vorstellt. Plötzlich ist er auch Anwärter auf die Vertretung des verletzten Per Mertesacker.

An seiner Einstellung habe sich nichts geändert, sagt er dazu nur: "Viel lernen und immer 100 Prozent geben." Durch Franco Foda, den deutschen Trainer von Sturm Graz, kennt er die hiesigen Trainingsmethoden, dennoch werde auf die Fitness in der Vorbereitung mehr Wert gelegt als in Österreich. Was abseits der konkreten sportlichen Situation besprochen wurde, lesen Sie hier:

Stichwort Stellenwert:

Durch die EURO habe ich, wie Martin Harnik, eine ganz gute Position im österreichischen Fußball. Das war auch der Grund für meinen Wechsel, es wurde Zeit, den nächsten Schritt zu machen. Diesen Sprung traue ich mir zu, ich habe schon viel gemeistert, war Kapitän bei der U20-WM und habe mit 21 die EURO gespielt. Sicher ist es großartig, wenn man aus Österreich kommt und das erste Mal mit all den großen Namen trainieren kann. Ich darf aber nicht zu lange beeindruckt von Werder sein, jetzt muss ich mich auf meine Leistung konzentrieren.

Stichwort Kopfballtore:

In Graz hat das schon ganz gut geklappt und wenn hier die Eckbälle weiter so gut kommen, wird es mit meiner Größe auch hier weiter klappen. Nach einer langen Flaute habe ich das in Graz mit dem Co-Trainer mal sehr intensiv trainiert: erst klassisch am Kopfballpendel, dann hat er Flanke um Flanke rein gehauen und ich habe das Timing geübt.

Stichwort Andi Herzog:

Andi hat mich damals wenige Tage nach der Kontaktaufnahme durch Werder angerufen und mir von Bremen vorgeschwärmt und sofort zum Wechsel geraten. Noch bevor ich etwas sagen konnte, hat er mir schon Tipps für Wohnviertel gegeben. Am Osterdeich und Schwachhausen zum Beispiel.

Stichwort Einleben:

Derzeit wohne ich in Bremen noch im Hotel, während der Vorbereitung ist das Einrichten der Wohnung schwer zu koordinieren. Ich habe ja zwei Mal am Tag Training, da wird es schwierig mit dem Elektriker und den Möbelpackern. Bald kommen aber meine Eltern für drei, vier Tage und werden mir helfen.

Stichwort Ziele:

Man muss sich nur die letzten fünf Jahre ansehen, Werder war immer ein Anwärter. Ich würde schon gerne einen Titel holen. Persönlich setze ich mir erst mal kleine Ziele: Das Einfinden in die Mannschaft hat schon geklappt, nun will ich im Herbst meine Einsätze bekommen, dann sehen wir weiter. Über kurz oder lang will ich mich hier natürlich durchsetzen. Ich habe einen Vierjahresvertrag bekommen - Werder hat sich dabei etwas gedacht und ich mir natürlich auch.

Stichwort Interessen:

Man weiß nie, was wird als Fußballer, deshalb war es mir wichtig, die Matura, also unser Abitur, zu machen. Obwohl ich gleichzeitig Profi wurde, ist mir das mit Note 2 gelungen. Ich war auf einer sportorientierten Schule, wo wir auch Sportkunde hatten. Unser Sportlehrer war Turner, hat es aber bald aufgegeben, unsere Fußballklasse fürs Gerätturnen zu begeistern. Seit meinem 14. Lebensjahr spiele ich Golf, mache es aber zu selten, um ein Handicap zu haben. Ob ich gern Ski und Snowboard fahre? Was soll ich sagen? Ich bin Österreicher...