Stuttgart - Der Tanz des VfB Stuttgart auf drei Hochzeiten geht weiter: Nach dem Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinales haben die Schwaben in allen Wettbewerben noch viele Chancen. Und das, obwohl noch lange nicht alles rund läuft bei den Kickern vom Neckar.

Wer es von den insgesamt 20.200 Zuschauern in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena in den ersten 45 Minuten noch nicht gemerkt hatte, der wurde in der Pause von Fredi Bobic netterweise aufgeklärt: "Hier gibt es keinen Preis für Schönspielerei. Wir müssen das durchziehen und eine Runde weiterkommen", sagte der Sportdirektor des VfB Stuttgart unmissverständlich. Am Ende hatten es die Schwaben tatsächlich durchgezogen und den tapferen aber spielerisch limitierten Zweitligisten aus Bochum mit 2:0 niedergekämpft.

Fazit aus Sicht des VfB am Ende eines kühlen Mittwochabends: Halbfinale im DFB-Pokal, weiterhin ein heißer Tanz auf drei Hochzeiten mit Meisterschaft und Europa League - die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ist in dieser Spielzeit ohne Frage der Meister des positiven Resultats. Effizienz pur möchte man sagen.

VfB nach wie vor verunsichert



Denn attraktiv anzusehen ist das Spiel des VfB Stuttgart derzeit sicher nicht. Auch gegen die Bochumer waren die VfB-Profis von der ersten Minute an alles andere als Rastellis am runden Leder. Weiterhin ist deutlich zu spüren: Die Niederlagenserie von fünf Partien zu Beginn der Rückrunde hat Spuren hinterlassen und hängt nach wie vor in den Klamotten.

Labbadia hatte in den letzten Wochen jede Menge Aufbauarbeit zu leisten, um vor allem seine Defensive zu stärken. Das ist ihm gelungen: 1:0 in Hoffenheim, 2.0 bei KRC Genk, 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg und nun 2:0 gegen Bochum - die letzten Partien zeigen, dass sich die Stuttgarter gefangen haben. Sie sind wieder stabil in der Spur.

Ibisevic trifft endlich wieder



Neben der neuen Stabilität machen beim VfB aber auch andere Dinge Hoffnung. Vor allem die sportliche Genesung von Torjäger Vedad Ibisevic ließ die Verantwortlichen nach dem Bochum-Sieg aufatmen. Nach wettbewerbsübergreifend 823 Spielminuten traf der Bosnier endlich wieder ins Tor. Das dürfte Ibisevic Auftrieb für die Bundesliga geben, dort stagniert er seit Längerem bei zehn Saisontreffern.

Unter den letzten Vier im DFB-Pokal - für die schwäbischen Spieler und Verantwortlichen ist das ein Erfolg, der keine Selbstverständlichkeit ist. Dennoch ging am Mittwochabend der Blick bereits nach vorne. "Wir stehen jetzt im Halbfinale und damit unter den vier besten Teams. Das ist eine schöne Sache. Selbstverständlich ist das Endspiel unser Ziel. Es ist auch egal, gegen wen es nun geht", sagte Kapitän Serdar Tasci. VfL Wolfsburg, der SC Freiburg und Branchen-Primus FC Bayern München heißen nun im Halbfinale die möglichen Widersacher, ein Heimspiel heißt selbstredend das Wunschprogramm. Näheres am Sonntag, dann ist Auslosung.

Schwere Aufgaben in der Liga



Einen Tag zuvor beginnt für den VfB wieder der Alltag. Und zwar von der stressigsten Sorte. Die schwere Auswärtsaufgabe in Leverkusen steht auf dem Programm. Danach wartet mit dem Hamburger SV ein weiteres kompliziertes Heimspiel. Grund genug für Labbadia, die Euphorie zu bremsen.

"Das Ergebnis war sehr gut, aber ich war mit einigen Dingen nicht so zufrieden. Die Einstellung war da, aber wir haben über die ganzen 90 Minuten keine Ruhe am Ball gehabt", analysierte der VfB-Coach kritisch. Labbadia weiß genau: Noch ist nicht alles Gold, was glänzt im Schwabenland. Pokal-Erfolge hin oder her.

Aus der Mercedes-Benz Arena berichtet Jens Fischer