Hannover - "Wir hatten durch das Pokal-Aus eine negative Stimmung", so Tayfun Korkut über die Tage nach dem 0:2 beim Zweitligisten VfR Aalen. "Die Mannschaft wollte die Pokalpleite vergessen machen. Und das ist ihr gelungen. Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute Druck gemacht. Daher war der Sieg natürlich ein wenig glücklich, aber hoch verdient", so der Coach von Hannover 96.

Bis zur 88. Minute mussten sich die 96-Fans gedulden, bis Alexander Madlung mit einem Eigentor die Partie gegen Eintracht Frankfurt entschied - zu einem Zeitpunkt, als sich die 42.200 Zuschauer bereits mit einem Remis abgefunden hatten. Beide Mannschaften hatten defensiv gut gestanden und nur wenig Chancen zugelassen. Und wenn sich dann doch einmal Chancen ergaben wie durch Hiroshi Kiyotake (49. Minute) oder Joselu sieben Minuten später, die allein vor Felix Wiedwald auftauchten, parierte der Eintracht-Keeper hervorragend.

Mit nur sieben Treffern auf Kurs Europa

Nur sieben Treffer konnten die Anhänger der Roten in der aktuellen Saison bejubeln. "Aber damit haben wir 16 Punkte geholt und dabei fünf Mal zu Null gespielt", freut sich Korkut. "Auch das ist eine Qualität." "Man könnte sagen, wir sind Meister der Effizienz", so 96-Kapitän Christian Schulz. Immerhin haben sich die Minimalisten aus Hannover auf Europa-League-Rang sechs festgesetzt. Und das trotz massiver Verletzungsprobleme.

Mit Andre Hoffmann, Marius Stankevicius, Miiko Albornoz, Christian Pander, Leon Andreasen sowie Kapitän Lars Stindl fehlten gegen Frankfurt gleich sechs Stammspieler, dazu musste Ceyhun Gülselam eine Gelbsperre absitzen.

Dickes Lob für Startelf-Debütant Hirsch

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Bei der Verkündung der Ersatzspieler hatten selbst eingefleischte 96-Fans ihre Probleme mit den Namen. Auf der Bank saßen Stefan Thesker (23, sieben Minuten Bundesliga) und die U-23-Spieler Fabian Pietler (20) und Florian Ballas (21), die im Oberhaus noch gar nicht auf dem Platz standen.

Dazu stand Maurice Hirsch nach zuvor gerade mal 18 Minuten Bundesliga-Luft beim 1:0 in Dortmund erstmals in der Startelf. "Die Mannschaft hat es mir einfach gemacht. Wir haben einen guten Teamgeist und deswegen ist es auch nicht so schwer, in das Spiel reinzukommen. Meine Mitspieler haben mir direkt viele Bälle gegeben, sodass ich mir schnell die Sicherheit holen konnte", freute sich der 21-Jährige. Und erhielt ein dickes Lob vom Kapitän. "Er war auf jeden Fall viel besser als ich in meinem ersten Bundesliga-Spiel", so Schulz. "Er hat frech gespielt, für meine Begriffe dann und wann zu frech", hätte sich Korkut "gewünscht, er hätte ein wenig einfacher gespielt. Aber im Großen und Ganzen hat er seine Sache gut gemacht."

"Ohne Druck nach Berlin"

Jetzt "kommt uns die Länderspielpause sehr gelegen", blickt der Coach voraus. "Da werden einige Verletzte wieder zum Kader stoßen. Dann werden auch wieder mehr Tore fallen." Doch zuvor muss Hannover am Freitag in die Hauptstadt zu Hertha BSC. "Wir können völlig unbeschwert nach Berlin fahren. Wir haben 16 Punkte auf dem Konto. Das ist richtig gut zu diesem Zeitpunkt der Saison", blickt Sportdirektor Dirk Dufner voraus. "Und ohne Druck spielen zu können, ist etwas Angenehmes. Wir werden alles versuchen, einen Dreier zu holen."

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs