München - Die Lücke, die Olivier Occean im Angriff der SpVgg Greuther Fürth hinterlassen hat, ist nicht groß. Sie ist sehr groß. Immerhin war der Kanadier, der in der kommenden Saison für Mit-Aufsteiger Eintracht Frankfurt auf Torejagd gehen wird, mit 17 Treffern und neun Vorlagen erfolgreichster Scorer des "Kleeblatts" in der vergangenen Zweitliga-Saison.

Ganz schön gewaltige Fußstapfen, in die gleich zwei neue Stürmer treten sollen. Djiby Fall und Franck Ohandza heißen die beiden Spieler, die in der kommenden Saison die Spitze des Fürther Angriffs bilden sollen. Wobei sich die Hoffnungen der Franken vorerst ausschließlich auf Fall konzentrieren werden, da der 21-jährige Ohandza derzeit noch an den Folgen eines Wadenbeinbruches, den er sich Mitte Mai zugezogen hatte, laboriert.

Torjäger in der Warteschleife



Daher steigt der Kameruner erst Mitte August ins Training ein, zuerst bei der U 23, über die er sich an den Profikader heranarbeiten soll. Dass er Torjägerqualitäten mitbringt, stellte er bei seinem thailändischen Club Buriram United, der Ohandza für ein Jahr an Fürth ausleiht, unter Beweis.

Mit 23 Toren in 25 Partien gewann der kompakte Stürmer (70 kg bei 1,76 m Körpergröße) den "Goldenen Schuh" als bester Torjäger der Thai Premier League, und hatte somit großen Anteil daran, dass Buriram im vergangenen Jahr Meister und Pokalsieger wurde.

Zahlreiche Erfahrungen



Sofort-Hilfe soll und kann Djiby Fall leisten. Der 1,86 m große und 80 kg schwere Senegalese "ist das, was wir gebraucht haben", sagt Fürths Präsident Helmut Hack. Heißt: kopfballstark, ballsicher und erfahren. Besonders in letzterer Kategorie hat der 27-Jährige einiges vorzuweisen.

In den vergangenen neun Jahren spielte er - inklusive seiner Heimat und Deutschland - in acht verschiedenen Ländern! "Er hatte in drei Jahren mehr Vereine als ich in meiner ganzen Karriere", scherzt Trainer Mike Büskens über Fall, der auch daraus einen Vorteil zieht: "Ich hatte die Chance, in vielen Ländern zu spielen. Diese Erfahrungen helfen mir."

Durchbruch in Odense



Begonnen hat die Reise des Wandervogels im Alter von 18 Jahren, als er seine senegalesische Heimat in Richtung Frankreich verließ, wo er in der Jugendakademie des AJ Auxerre unterkam. Von dort ging es erst zum französischen Club AS Vitre und dann, mit 21 Jahren, nach Dänemark zum Randers FC.

Nach einem Jahr in Europas Norden zog es Fall in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo er aber für Al Ain FC nur auf drei Einsätze und ein Tor kommen sollte. Folglich verabschiedete sich der zweifache Nationalspieler des Senegal nach nur einem Jahr und kehrte nach Dänemark zurück.

Nachdem er für Randers in der Saison 2006/07 bereits 14 Mal in 30 Partien getroffen hatte, gelangen ihm für Odense BK 2008/09 in 31 Spielen sogar 19 Tore und Fall wurde zum besten Spieler der dänischen Superliga gewählt.

Über Moskau nach Molde



Solche Ehren machten größere Clubs auf das kopfballstarke Talent aufmerksam. Am Ende holte Lokomotive Moskau den damals 24-Jährigen in die russische Hauptstadt. Durchsetzen konnte er sich bei LOK jedoch nicht. In 15 Einsätzen blieb er torlos.

Daher liehen die Russen den Rechtsfuß nach Norwegen aus, wo er erneut großen Erfolg hatte. Bei Molde FK avancierte er mit 16 Treffern zum Torschützenkönig in der Tippeligaen. Danach ging es, erneut als Leihgeschäft seitens Lokomotive Moskau, wieder zurück nach Odense. Diesmal war er für den Boldklub in zehn Partien aber nur zwei Mal erfolgreich.

"Entspricht unserem Anforderungsprofil"



Anfang 2012 wechselte Fall schließlich zum belgischen Erstligisten Sporting Lokeren, für den er in acht Ligaspielen fünf Tore erzielte und belgischer Pokalsieger wurde, ehe es ihn zur SpVgg Greuther Fürth zog, bei der er einen Vertrag bis 2015 unterzeichnete.

Im Frankenland hofft man nun, dass Djiby Fall an seine erfolgreichen Spielzeiten in Dänemark und Norwegen anknüpfen und mit seinen Treffern den Klassenerhalt in der Bundesliga sichern wird. "Wir haben den Spieler gefunden, der genau unserem Anforderungsprofil für diese Position entspricht", sagt Präsident Hack. Klingt so, als wäre die Lücke, die Occeans Abgang gerissen hat, bereits geschlossen.

Gregor Nentwig