Zusammenfassung

  • Maximilian Eggestein steht wie kein Zweiter für den Aufschwung bei Werder Bremen
  • Drei seiner vier Tore erzielte der 21-Jährige per Weitschuss
  • Beim Sieg seiner Mannschaft auf Schalke spulte er die meisten Laufkilometer ab

Gelsenkirchen - So wuchtig und präzise Maximilian Eggestein seine Weitschüsse zuvor im Schalker Tor versenkt hatte, so bescheiden und zurückhaltend trat der Matchwinner nach dem 2:0-Erfolg von Werder Bremen auf. "Mich freut es, dass ich helfen konnte“, erklärte der Doppeltorschütze fast schüchtern. Und ließ dann doch seinen Humor aufblitzen: "Wir haben eine lange Heimfahrt. Da ist es wichtig, dass die Stimmung im Bus gut ist – deshalb mussten wir ja gewinnen.

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Eggestein steht zurzeit wie kein Zweiter für den Aufschwung an der Weser und für die Erfolgsgeschichte, die Werder in der Bundesliga schreibt. 17 Punkte nach acht Spielen, so gut ist Bremen seit 13 Jahren nicht mehr gestartet. Maximilian Eggestein ist dabei mit seinen 21 Jahren noch einer von den ganz Jungen im Team, er tritt außerhalb des Platzes eher ruhig und vor allem bescheiden auf – und agiert im Spiel doch mit einer Selbstverständlichkeit und einem Selbstbewusstsein, das die gesamte Mannschaft im Moment auszeichnet und solche Treffer wie die auf Schalke erst möglich macht.

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Als Max Kruse den Ball kurz vor dem Halbzeitpfiff vom Flügel zurück an die Strafraumkante gelegt hatte, fackelte Maximilian Eggestein nicht lange und stellte seine Handlungsschnelligkeit unter Beweis. Mit dem ersten Kontakt legte er sich den Ball vor, versenkte ihn dann aus 18 Metern mit rechts präzise im Tor. "Viel zu spielen war da nicht mehr möglich, da musste ich halt schnell abschließen“, erklärte der Torschütze trocken. Zu Eggesteins Stärken zählt aber auch die Beidfüßigkeit, und das demonstrierte Bremens Nummer 35 in der zweiten Halbzeit. Mit dem linken Fuß und guter Technik zirkelte er die Kugel dieses Mal ins Eck und machte den Deckel auf Werders 2:0-Erfolg beim FC Schalke. Die gut gelaunte Heimfahrt war gesichert.

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"Ich habe Maxi gesagt, dass er mehr schießen muss, weil er einen richtig guten Schuss hat." Claudio Pizarro, Werder Bremen

Es war bereits sein viertes Saisontor, drei davon erzielte Eggestein per Weitschuss. Das schaffte in der Liga sonst nur Paco Alcacer. Werders Altstar Claudio Pizarro hatte das schon geahnt: "Ich habe Maxi gesagt, dass er mehr schießen muss, weil er einen richtig guten Schuss hat.“ Bei Werder hat sich der Mittelfeldspieler mit seiner Ausbeute an die Spitze der Torjägerliste gesetzt und liefert auch in Zahlen einen Beweis dafür, warum er sich im Bremer Trikot in seinen jungen Jahren bereits als unverzichtbare Größe im Mittelfeld etabliert hat.

Dabei verlief seine Karriere nicht stromlinienförmig. Vom TSV Havelse 2011 ins Werder-Internat gekommen, startete der gebürtige Hannoveraner zunächst richtig durch. Drei Jahre später wurde er Stammspieler in der Bremer U23, im November 2014 debütierte er mit noch nicht einmal 18 Jahren unter Viktor Skripnik in der Bundesliga. Doch dann folgte die Delle, die sich letztlich sogar als Glück erwies: Alexander Nouri beorderte ihn 2016 zurück zur U23, wo ihn ein gewisser Florian Kohfeldt zum Kapitän machte. Zur Rückrunde 2016/17 kehrte er zu den Profis zurück. Und als Kohfeldt vor einem Jahr die erste Mannschaft übernahm, setzte er konsequent auf Maxi Eggestein, der sich prompt oben festspielte.

65 Partien im Oberhaus stehen inzwischen schon für den 21-Jährigen zu Buche. Immer wieder sticht Maximilian Eggestein dabei mit seiner Laufstärke heraus, ist oftmals laufstärkster Akteur seiner Mannschaft. Damit reißt er Räume, geht in die Defensivzweikämpfe, ist Anspielstation für seine Mitspieler, leitet als Aufbauspieler Chancen ein und überzeugt mit gutem Stellungs- und Passspiel. Trotz seines jungen Alters übernimmt er Verantwortung und gehört auf dem Platz schon jetzt zu den Führungsspielern.

Gefeierter Bremer: Maximilian Eggestein jubelt mit Nuri Sahin und Theodor Gebre Selassie
Gefeierter Bremer: Maximilian Eggestein jubelt mit Nuri Sahin und Theodor Gebre Selassie © gettyimages / Dean Mouhtaropoulos

Auch beim Sieg auf Schalke spulte Eggestein mit 12,4 Kilometern wieder die längste Strecke aller Bremer ab, absolvierte die meisten Sprints (28) und die meisten intensiven Läufe (83). Aber auch der Youngster erlebte eine Premiere: Zum ersten Mal schnürte er in der Bundesliga einen Doppelpack und unterstrich damit eine neue Qualität, die ihn in dieser Spielzeit noch stärker macht – Torgefahr. "Maxi hat sich noch einmal weiterentwickelt“, freut sich Frank Baumann, Bremens Geschäftsführer Sport. "Er trifft jetzt auch regelmäßig selbst und ist damit noch schwerer auszurechnen.“ Genau das lobt auch Florian Kohfeldt: "Der Gegner weiß bei Maxi nicht, ob er rauskommen muss. Entweder steckt er den Ball durch oder er schließt selbst ab – und dabei ist er auch noch variabel. Das ist einfach gut.“

Und was sagt der neue Torjäger in Grün-Weiß selbst zu seinem Premieren-Doppelpack? Er denkt – typisch Eggestein - erstmal an Schalkes Keeper Alexander Nübel, mit dem zusammen er in der U21-Nationalelf gerade die Qualifikation für die EM 2019 klar gemacht hat: "Ich habe mich bei ihm entschuldigt. Für ihn war das nicht schön.“

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte