Zusammenfassung

  • Kruse erzielt zum dritten Mal in der Bundesliga drei oder mehr Tore

  • Der 29-Jährige war an allen vier Treffern beteiligt

  • Werder Bremen schätzt den ersten Saisonsieg realistisch ein

Bremen - Der Knoten ist endlich geplatzt. Der SV Werder Bremen kann doch noch gewinnen. Und wie! Mit 4:0 besiegte die Mannschaft des neuen Trainers Florian Kohfeldt im Heimspiel Hannover 96. Mann des Spiels war ohne Frage Max Kruse, der einen lupenreinen Hattrick erzielte und das Führungstor der Bremer auch noch vorbereitete.

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Die grün-weißen Fans im ausverkauften Weser-Stadion erhoben sich von ihren Plätzen. Zwei Minuten vor dem Ende trottete Max Kruse der Seitenlinie entgegen. Der dreifache Torschütze und überragende Spieler der Partie holte sich seinen verdienten Applaus ab und wurde in der 88. Minute durch den Österreicher Florian Kainz ersetzt. Kruse hatte ein Lächeln und auf den Lippen als er von Co-Trainer Tim Borowski in Empfang genommen wurde.

Knoten beim gesamten Team geplatzt

Genauso wie beim gesamten Team platzte auch bei Max Kruse endlich der Knoten. Im achten Saisonspiel durfte der 29-Jährige wieder Tore bejubeln. Die Durststrecke von 553 torlosen Minuten legte er eindrucksvoll ad acta. Mit seinem Assist zur Bremer Führung durch Fin Bartels nach 39 Minuten leitete Kruse den allerersten Sieg im 12. Saisonspiel ein. Das 1:0 kurz vor der Pause wirkte wie ein Befreiungsschlag für die gesamte Mannschaft. "Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und endlich mal wieder richtig guten Fußball gespielt. Wir haben in der Länderspielpause viel im taktischen Bereich gearbeitet und uns den Mut erarbeitet", erklärte Kruse nach dem Spiel.

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Aber bereits vor dem Führungstreffer agierten die Bremer selbstbewusst und spielten mutig nach vorne. Es schien so, als ob Trainer Florian Kohfeldt genau die richtigen Maßnahmen ergriffen hat und vor allem das Offensivspiel der Bremer wieder neu entfachte. "Das war zwar kein Sieg, der von vorne bis hinten kerzengerade war, aber ich kann der Mannschaft ein ganz großes Kompliment machen", freute sich Kohfeldt über Werders längst fälligen ersten Saisonsieg. Kohfeldt sprach die zwei guten Torchancen der Hannoveraner kurz nach Pause an als Werder-Keeper Jiri Pavlenka einmal stark gegen Martin Harnik rettete und Salif Sanes Kopfball knapp über das Gehäuse flog.

Kruses dritter Hattrick

Doch dieses Mal sollte es für die Bremer reichen, vor allem dank Kruse. Egal ob mit links oder rechts, der Ex-Nationalspieler traf, wie er wollte. Zunächst legte ihm Philipp Bargfrede den Ball mustergültig auf. Kruse schlenzte den Ball mit links aus 15 Metern in den linken Winkel (55.). Nur vier Minuten später traf er erneut, dieses Mal revanchierte sich Fin Bartels mit einem Assist (59.). Zwölf Minuten vor dem Ende machte Kruse den lupenreinen Hattrick dann mit einem Rechtsschuss perfekt. Wieder war es Bartels, der ihm den Ball perfekt servierte. Für Kruse war es das dritte Mal, dass er in einem Bundesliga-Spiel drei oder mehr Treffer erzielte. Zuletzt traf er am 20. Mai in Dortmund beim 3:4 am 34. Spieltag der letzten Saison. Sogar vier Tore schoss Kruse am 30. Spieltag beim 4:2-Auswärtssieg der Bremer in Ingolstadt (22. April 2017). Das Offensivspektakel der zweiten Halbzeit erinnerte viele Werder-Fans an die starke Rückrunde der vergangenen Spielzeit als die Bremer elf Spiele ungeschlagen waren und vor allem das Sturmduo Kruse/Bartels brillierte.

Video: Kruses Viererpack gegen Ingolstadt

"Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich endlich getroffen habe", fielen Kruse schon einige Steine vom Herzen, dennoch mahnte er, dass dieser Sieg nur der Anfang sein kann. "Die Momentaufnahme ist schön, aber wir haben uns ja auch lange genug Zeit gelassen mit dem ersten Sieg. Der Dreier war sehr wichtig, aber wir haben erst acht Punkte, dürfen uns nicht in den Himmel loben, sondern müssen weiter hart arbeiten. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

Selbstbewusst nach Leipzig

Nach dem ersten Sieg der Saison haben die Bremer den direkten Abstiegsplatz verlassen und den SC Freiburg überholt. Die Werderaner haben auch nur noch zwei Zähler Rückstand auf den Erzrivalen HSV, der mit zehn Punkte auf Rang 15 rangiert. Mit neuem Selbstvertrauen werden die Bremer jetzt nach Sachsen reisen. In der Red Bull Arena trifft die Kohfeldt-Elf am kommenden Samstag auf RB Leipzig. "Die tabellarische Situation lässt heute Abend keine großen Freudensprünge zu. Wir befinden uns nach wie vor in einer sehr schwierigen Situation und haben noch viel zu tun. In Leipzig wird eine brutal schwere Aufgabe. Ich bin voller Respekt vor Leipzig, aber ich freue mich darauf – in Leipzig herrscht eine tolle Atmosphäre und es ist ein schönes Stadion. Zusammen mit der Mannschaft werden wir Lösungen finden. Aber der klare Favorit ist RB Leipzig," erklärte Kohfeldt seinem ersten Sieg als Cheftrainer eines Bundesliga-Clubs.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage