München - Der FC Bayern zieht weiterhin einsam seine Kreise. Das Team von Coach Pep Guardiola liefert Woche für Woche Topleistung ab und steht unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz. Der Erfolg hat viele Väter, einer von ihnen ist Sportvorstand Matthias Sammer.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht der 47-Jährige über die abgelaufene Hinrunde, seinen Ruf als Mahner, seinen Aufgabenbereich und eine neue mögliche Rekordsaison.

bundesliga.de: Herr Sammer, einige waren überrascht, dass ausgerechnet Sie den Bayern-Spielern vor der Winterpause den Ratschlag gegeben haben, "nichts zu tun", mancher hat das als "Gammel-Befehl" interpretiert?

Matthias Sammer:(lacht) Es ist sehr unterhaltsam, was aus ein, zwei Sätzen gemacht wird, die ganz ernst gemeint sind und einen Hintergrund haben.

bundesliga.de: Und welchen? Sie sind als derjenige bekannt, der nie ein Detail außer Acht lässt.

Sammer: Genau darum geht es. Wenn man im Leistungssport tätig ist, geht es immer um die Organisation der Leistung. Es geht um viel mehr, um den Gesamtblick rundherum. Und jetzt ist nach einer langen Vorrunde, mit Pokal- und Bundesligaspielen und denen in der Champions League, Zeit, Kraft zu schöpfen und sich – auch im Kopf - zu regenerieren. Vergessen wir an dieser Stelle nicht die WM in Brasilien mit dem sensationellen Titelgewinn der deutschen Mannschaft, in der sehr viele Bayern-Profis standen – und dazu in anderen Teams. Das war eine enorme Belastung gerade für unsere Spieler und auch den Club. Umso wichtiger ist jedes Detail.

"Ich liebe eine gesunde Streitkultur"

bundesliga.de: Der FC Bayern war in der Vorrunde besonders erfolgreich, auch, weil man auf jedes Detail achtet?

Sammer: Das sehe ich so. Und, das darf nicht aufhören, nur, weil es gut läuft. Was heute gut und erfolgreich ist, bedeutet nicht, dass es das auch in der Zukunft ist. Ständiges Hinterfragen, genaues Beobachten ist die Grundlage professioneller Arbeit. Im Übrigen arbeiten alle, die für den FC Bayern  tätig sein dürfen, so. Erfolg ist immer Teamarbeit.

bundesliga.de: Ständiges Hinterfragen ist manchmal unbequem? 

Sammer: Ich liebe die Diskussion – und, wenn Sie so wollen, eine gesunde Streitkultur. Dabei geht es immer um die Sache FC Bayern. Das ist auch und vor allem in guten Phasen notwendig. Jedes Detail zu betrachten und notfalls zu verbessern, hilft, die Dinge zu genießen.

bundesliga.de: Das scheint gut zur Art von Trainer Pep Guardiola zu passen, der scheint ähnlich zu denken?

Sammer: Alle beim FC Bayern denken so und ergänzen sich. Pep Guardiola hat unheimlich großen Anteil, dass die Mannschaft, jeder einzelne Spieler, einen unglaublichen Ehrgeiz entwickelt und sich weiter-entwickeln will. Er hat die Mannschaft mitgerissen. Es ist beeindruckend was er leistet und, wie die Nationalspieler die WM verarbeitet haben.

"Dem Trainer den Rücken freihalten"

bundesliga.de: Und Ihr Job dabei?

Sammer: Zu meinem Job gehört es auch, dem Trainer den Rücken frei zu halten. Ich kümmere mich um Stabilität im Umfeld, um den gesamten Stab im Interesse des Vereins. Meine Arbeit kann man von außen vielleicht nicht auf Anhieb verstehen. Die Position des Sportvorstands oder wie ich sie beim DFB bereits als Sportdirektor interpretiert habe, hat es im deutschen Fußball vielleicht so noch nicht gegeben. Sehen Sie mich als Bindeglied zwischen Trainern, Betreuern und Mannschaft. Ich beobachte Training und die Situation jedes Einzelnen, um die Leistung des Teams zu optimieren. Und, es geht auch darum, Perspektiven zu entwickeln und künftige Spieler zu entwickeln.

bundesliga.de: Der FC Bayern und Sie müssen mehr als zufrieden sein wie es in der Vorrunde lief. Elf Punkte Vorsprung vor dem zweiten, keine Niederlage und nur vier Gegentreffer?

Sammer: Es steht außer Frage, dass wir ganz oben stehen wollen und, dass die Deutsche Meisterschaft einen besonders hohen Stellenwert hat. Aber mehr als die Ergebnisse ist es die Art des Fußballs, die uns interessiert und, die wir fördern. Nach einem erfolgreichen Spiel steht da das Ergebnis. Aber wenn du zwei, drei Tage danach das nächste Spiel hast und dir darüber Gedanken machst – dann geht es nicht um das letzte Ergebnis, sondern um das Gefühl, das du beim Spiel hattest.

bundesliga.de: Würden Sie unterschreiben, dass die großen Prüfungen noch auf den FC Bayern warten?

Sammer: Die nächste Prüfung ist immer das nächste Spiel – egal gegen wen. Auf jedes einzelne wollen wir bestens vorbereitet sein.

bundesliga.de: Das heißt, der FC Bayern wird in der Rückrunde so weiter machen – und ohne Niederlage die Bundesligasaison 2014/15 beenden?

Sammer:(lacht) So etwas kann kein Club der Welt planen. Wie sich Pep Guardiola und wir Fußball vorstellen, hat die Mannschaft bis jetzt sehr gut umgesetzt. Daran wollen wir weiter arbeiten. Und glauben Sie nicht, dass nicht jedes Spiel in der Bundesliga, eine neue Herausforderung ist. Nicht umsonst hat sich herum gesprochen, dass die Bundesliga, eine der stärksten Ligen der Welt ist. Dem muss sich auch einer stellen, der nach der Vorrunde an erster Stelle steht. Und, bei mehr sind wir noch nicht, auch, wenn wir zur Winterpause mit sehr vielem zufrieden sind.

Das Gespräch führte Oliver Trust