Köln - In einem hektischen Spiel war Marwin Hitz der Fels in der Brandung. Der Keeper des FC Augsburg rettete seinem Verein mit mehreren tollen Paraden den 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Köln. In der 58. Minute wehrte er sogar einen Foulelfmeter des Kölner Anthony Modeste ab, der bei der Ausführung genau auf der Stelle leicht weggerutscht war, die Hitz vorher ein wenig mit seinen Stollen traktiert hatte. Nach dem Abpfiff nahm der Torwart auch zu dieser Aktion Stellung.

Frage: Marwin Hitz, lassen Sie uns das Gespräch mit der Situation vor dem Elfmeter der Kölner beginnen. Was haben Sie da mit dem Elfmeterpunkt gemacht?

Marwin Hitz: Das war keine so gute Aktion von mir und ich würde sie nicht noch einmal so machen. Ich habe versucht, den Schützen ein bisschen zu irritieren, auf dem Rasen ein bisschen hin und her gemacht und bin auf der linken Seite vom Elfmeterpunkt rumgestampft. Ich wusste aber auch noch gar nicht, wer schießen wird. Es war ein sehr intensives Spiel mit vielen Situationen.

Frage: Verleitet einen diese Intensität des Spiels zu so seiner Aktion, die ein wohlerzogener junger Mann normalerweise nicht macht?

Hitz: Ja, da kommt schon vieles zusammen. Das muss ich ehrlich sagen. Wenn man in einem vollen Stadion denkt, dass es kein Elfmeter war, dann muss man irgend etwas versuchen. Es war nicht die beste Aktion, aber es ist auch keine Schande, ein bisschen mit dem Rasen zu spielen. Mir wurde auch schon so oft auf den Fuß getreten bei einem Eckball. Damit muss man leben. Es waren aber in de Spiel keine bösen Fouls dabei, und am Ende gab es den richtigen Sieger.

Frage: Dann kommen wir nun lieber zum Positiven.

Hitz: (lacht) Vielen Dank.

"Die Spiele sind eng"

Frage: War Ihnen irgendwann klar, dass Sie in diesem Spiel, auch wenn es 180 Minuten gedauert hätte, keinen Ball mehr reinbekommen.

Hitz: Es war schon ein sehr hektisches Spiel und immer viel los im Sechzehner. Da kann man nie sagen, dass kein Ball mehr reingeht. Aber irgendwann weiß man schon, dass es heute für die Kölner schwer wird. Wir hatten auch immer einen Spieler, der den Kölner Schützen noch gestört hat. Sie kamen nie frei zum Schuss. Dann bekommt man schon das Gefühl, dass man es heute gut macht. Aber in einer Schlussphase und wenn dann auch noch der gegnerische Torwart im Strafraum auftaucht, weiß man ja, was passieren kann...

Frage: Sie spielen auf eine Situation in der letzten Saison an, als Sie selbst ein Tor in der Nachspielzeit erzielten. War das Spiel purer Abstiegskampf, wie ihn Augsburg seit einigen Jahren nicht mehr erlebt hat?

Hitz: Nein. Bis zur 70. Minute war es von uns schon ein gutes und aus meiner Sicht auch fußballerisch ansehnliches Spiel. Es war kein typischer Abstiegskampf. Danach war es ein Riesenkampf um drei Punkte. Wir müssen jetzt eben auf diese Weise das eine oder andere Spiel gewinnen. Es ist klar, dass man nicht jedes Mal 4:0 gewinnen kann (wie es der FCA vor zwei Wochen in Stuttgart getan hat, die Red.). Die Spiele sind eng.

"Ich musste alles riskieren"

Frage: Für Sie fing die Partie schmerzhaft an. Sie sind bei einem Freistoß gegen den Pfosten geknallt. Wie haben Sie die Partie durchgehalten?

Hitz: Stimmt, das war ein fieser Freistoß, der um die Mauer geschossen wurde. Ich musste alles riskieren und bin dann gegen den Pfosten geknallt. Klar spürt man dann die Schulter. Aber es ist meiner Meinung nach nichts kaputt. Deshalb konnte ich weiterspielen. Wenn man richtig warm und im Spiel drin ist, spürt man die Schmerzen nur ganz leicht.

Frage: Wie viele Freistöße hat Raul Bobadilla schon im Training gegen Sie auf die Art verwandelt, wie er hier in Köln das Siegtor geschossen hat?

Hitz: Noch keinen. Ich stelle mich nie ins Tor, wenn er schießt. (lacht) Der Ball war stark geschossen, ich habe es direkt gesehen, dass er reingeht.

"Verteidigen wieder richtig gut"

Frage: Sehen wir jetzt wieder langsam den FCA der vergangenen Saison?

Hitz: Das weiß ich nicht. Das vergangene Jahr ist geschehen. Wir sind wieder der FCA, den man sehen will und der auch uns Spaß macht.

Frage: Die Mannschaft hat nun drei Spiele in Folge nicht mehr verloren und blieb dabei ohne Gegentor. Was macht die Truppe besser als in den ersten zwölf Spielen der Saison?

Hitz: Der erste Punkt ist, dass wir wieder richtig gut verteidigen. Wir wissen, dass wir vorne immer einen Ball reinmachen können, weil wir in der Offensive viel individuelle Qualität haben und gute Freistöße schießen können. Ich hoffe, dass wir so stabil weiterspielen.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski