Köln - In der Spielzeit 1994/1995 gelang Mario Basler ein besonderes Kunststück. Der Star von Werder Bremen wurde zusammen mit dem Mönchengladbacher Stürmer Heiko Herrlich mit 20 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga - und das als Mittelfeldspieler.

In dieser Saison liefern sich Bayern-Star Robert Lewandowski und Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang ein irres Duell um die Torjägerkanone. Beide haben bereits Rekorde aufgestellt, Lewandowski mit seinem schon jetzt legendären 9-Minuten-Fünferpack gegen Wolfsburg, Aubameyang mit seiner Serie von acht Bundesliga-Spielen vom Start weg mit mindestens einem Tor. Im Interview mit bundesliga.de spricht Mario Basler über seine möglichen Nachfolger als Torschützenkönig und wen er für den etwas besseren Stürmer hält.

bundesliga.de: Herr Basler, im Moment treffen Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang in der Bundesliga, wie sie wollen. Was denkt der ehemalige Torschützenkönig Mario Basler über seine potenziellen Nachfolger?

Mario Basler: Es sind beides überragende Spieler, die in hervorragenden Mannschaften spielen. Sie werden permanent mit Vorlagen gefüttert, sie kriegen in jedem Spiel ihre Torchancen. Und dann machen sie ihre Tore. Das ist aber auch nicht immer so einfach. Beide sind sensationelle Stürmer. Vor allem Robert Lewandowski trifft im Moment alles und wie er will. Da macht auch das Zuschauen Spaß.

"Einfach wird es nicht, 30 Tore zu erzielen"

bundesliga.de: Seit 1977 hat kein Torschützenkönig in der Bundesliga mehr die 30-Tore-Marke geknackt. Damals erzielte der Kölner Dieter Müller 34 Treffer. Ist diese 30-Tore-Marke diesmal fällig?

Basler: Möglich ist es schon, das ist ja ganz klar. Lewandowski hat jetzt zwölf Tore in acht Spielen gemacht. Wenn wir das hochrechnen, übertrifft er die Marke. Die Frage ist aber, ob sein Lauf immer so weitergeht und inwieweit er auch mal wegen der möglichen Rotation Spiele verpasst. Einfach wird es nicht, 30 Tore zu erzielen.

bundesliga.de: Ist Robert Lewandowski für Sie schon ein kompletter Stürmer, der sich auch vor einem Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo nicht verstecken muss?

Basler: Ich habe schon vor zwei Jahren, als Lewandowski zu den Bayern kam, gesagt, dass er 30 Tore machen kann. Da hat es nicht funktioniert. Vergleiche mit Ronaldo oder Messi sind schwer anzustellen, weil alle drei ganz unterschiedliche Spielertypen sind. Ich würde das nicht machen. Ich glaube, dass Robert Lewandowski im Moment der weltbeste Stürmer ist, der auf dem Markt ist.

"Lewandowski ist ein kompletter Stürmer"

bundesliga.de: Was sind Lewandowskis besondere Qualitäten?

Basler: Er bringt alles mit. Er ist schnell, er kämpft, er ist kopfballstark. Er ist fußballerisch ganz stark. Er ist der komplette Stürmer, den sich ein Trainer wünscht. Er ist immer anspielbar und macht unheimlich viele Meter im Spiel. Er weicht auch manchmal auf die Außen aus.

bundesliga.de: Ist der Dortmunder Aubameyang schon auf Lewandowskis Niveau?

Basler: Ich glaube, dass Lewandowski noch ein bisschen besser ist als Aubameyang. Aber so weit entfernt ist der Dortmunder nicht von ihm. Sein Vorteil ist seine Schnelligkeit. Wenn Lewandowski noch die Schnelligkeit von Aubameyang hätte, dann wäre er der "Übertorjäger" schlechthin.

bundesliga.de: Sie haben das Team angesprochen, dass die Stürmer mit Vorlagen füttert. Haben dann Torjäger wie der Kölner Anthony Modeste oder der Mainzer Yunus Malli, die hinter dem Spitzentrio aus Lewandowski, Aubameyang und Thomas Müller liegen, überhaupt eine Chance auf die Torjägerkanone?

Basler: Alle Stürmer haben ihre Chance. Aber ein Lewandowski oder Müller haben bei den Bayern eine Mannschaft mit einem ganz anderen Potenzial hinter sich. Trotzdem könnte auch ein anderer Stürmer Torschützenkönig werden, warum nicht?

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski