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Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in einer der Top-5-Ligen Europas
Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in einer der Top-5-Ligen Europas - © IMAGO/O.Behrendt
Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in einer der Top-5-Ligen Europas - © IMAGO/O.Behrendt
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Eta und Co.: Die Pionierinnen der Bundesliga-Historie

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Marie-Louise Eta wird am Samstag mit ihrem ersten Spiel als Cheftrainerin von Union Berlin nicht nur Bundesliga- sondern auch europäische Fußballgeschichte schreiben. Eine Cheftrainerin bei einem Ligaspiel gab es bislang in keiner der Top-5-Ligen. Die 34-Jährige reiht sich damit in eine Runde von Pionierinnen ein, die bereits vor ihr die Bundesliga-Historie prägten.

Dass Eta Steffen Baumgart bei Union Berlin beerben wird, hat europaweit für Aufsehen gesorgt. So sprach beispielsweise die renommierte französische Sportzeitschrift "L'Équipe" mit dem ehemaligen Unioner Mittelfeldspieler Lucas Tousart, der Eta aus seiner Zeit bei den Eisernen noch bestens kennt. Der 28-Jährige sieht die gebürtige Dresdnerin sehr gut gewappnet für die Aufgabe.

"Sie hatte einen guten Draht zu den Spielern und wir mochten sie sehr", so Tousart, der anfügt: "Egal, ob Frau oder Mann - letztlich kommt es auf die Qualität an. Und die besitzt sie." Der aktuelle Profi von Stade Brest lobt die aufgeschlossene Art in der Bundesliga. "In meiner Zeit in Deutschland waren eigentlich in allen Mitarbeiterstäben auch Frauen - viel mehr als in Frankreich. Ich weiß nicht, wie es in Frankreich aufgenommen würde, aber mein Gefühl ist, dass die Menschen in Deutschland dem offener gegenüberstehen."

Planänderung bei Union?

Die Feuerprobe für Tousarts These gibt es direkt in einem enorm wichtigen Spiel. Gegen den VfL Wolfsburg am Samstag könnten die Eisernen mit einem Sieg den Klassenerhalt schon fast unter Dach und Fach bringen. Die erste auf ihrem Gebiet zu sein, kennt Eta bereits aus der Vergangenheit bestens. Sie war bereits die erste Co-Trainerin bei einem Bundesligisten, als sie 2023/24 an der Seite von Marco Grote den drohenden Abstieg der Köpenicker verhindern konnte.

Eigentlich war vorgesehen, dass Eta nach einem Jahr als U19-Cheftrainerin im Sommer das Unioner Frauenteam übernimmt, aber der Plan könnte durchaus noch einmal ins Wanken kommen, sollten die Berliner einen starken Endspurt hinlegen. 

"Wir werden den Fokus auf das Spiel gegen Wolfsburg legen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre es nicht sinnvoll, das auszuschließen. Grundsätzlich haben wir einen Plan, wie es danach weitergeht. Aber wenn wir uns am Ende erneut Gedanken machen müssen, ist das gut für sie. Ob wir dann mit ihr weitermachen, wird sich zeigen", erklärte Geschäftsführer Profifußball Horst Heldt unlängst.

rste Managerin in der Bundesliga: Britta Steilmann war 1994 sogar bei "Wetten, dass..?" zu Gast - IMAGO/BeckerBredel

Premieren im Ruhrpott und im Norden

Sollte Eta wirklich von der Interims- zur Dauerlösung werden, wäre es der nächste große Meilenstein in der Geschichte von Frauen in der Bundesliga. Bereits vor mehr als 35 Jahren sorgte Britta Steilmann für ein Novum. Die heute in den USA lebende Unternehmerin war bereits Ende der Achtziger Jahre Managerin der SG Wattenscheid 09 und stieg mit dem Ruhrpottclub 1990 in die Bundesliga auf, wo sich der Club aus dem Bochumer Stadtbezirk Wattenscheid drei Jahre halten und im ersten Jahr unter anderem den FC Bayern mit 3:2 bezwingen konnte.

Mittlerweile ist die SG eher eine sportliche Randnotiz, aber Steilmann ging als erste Managerin eines Bundesligisten in die Geschichte ein.

Als der HSV Mitte der Nullerjahre sportlich an große Zeiten anknüpfte, hatte Katja Kraus daran großen Anteil. Die ehemalige Torhüterin und Europameisterin von 1995 war von März 2003 bis März 2011 als Vorstandsmitglied für die Bereiche Marketing und Kommunikation zuständig. Sie war die erste Frau im Vorstand eines Bundesligisten. 

Krüger und Steinhaus-Webb gehen voran

Kathleen Krüger spielte bis 2009 selbst für die Frauen des FC Bayern München, wurde dann Assistentin des Sportdirektors Christian Nerlinger und später von Matthias Sammer. Die ehemalige Mittelfeldspielerin wusste auch neben dem Feld zu überzeugen und wurde 2012 die erste Teammanagerin bei einem Bundesligisten - und dann auch noch beim Rekordmeister. Seit Sommer 2024 ist Krüger als Senior Leading Expert Sport Strategy & Development im Vorstandsbereich des FC Bayern München tätig.

Sogar auf dem Rasen mischte Bibiana Steinhaus-Webb lange Jahre mit. Die ehemalige Schiedsrichterin leitete am 10. September 2017 als erste Frau als Hauptschiedsrichterin ein Spiel in der Bundesliga. Im Berliner Olympiastadion trennten sich Hertha BSC und Werder Bremen 1:1. Zuvor war sie bereits seit 2007 als Schiedsrichterin in der 2. Bundesliga aktiv.

Bis zu ihrem Karriereende im September 2020 leitete sie insgesamt 23 Bundesliga- und 92 Zweitligaspiele. Auch international gab es für die Polizistin einige Höhepunkte. So leitete Steinhaus-Webb 2011 das WM-Finale der Frauen zwischen Japan und den USA sowie das Finale der Women’s Champions League 2017 zwischen Lyon und PSG.

Wiegmann: "Eta ist eine Wegbereiterin"

Etas Vorgängerinnen als Pionierinnen der Bundesliga standen jeweils unter besonderer Beobachtung. Auch am Samstag wird es im Stadion An der Alten Försterei sicherlich kein Spiel wie jedes andere. So hat sogar die Nationaltrainerin der englischen Frauennationalmannschaft, Sarina Wiegman, die als zweifache Europameisterin mit den "Lionesses" in England Legendenstatus innehat, Etas Entwicklung genau im Blick.

"Es ist großartig, sie ist eine Wegbereiterin. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Glückwunsch an sie und an Berlin", so die Niederländerin. Auch Bayern-Coach Vincent Kompany sieht Eta als fantastisches Vorbild. "Das eröffnet Möglichkeiten für jüngere Frauen, die das Gefühl haben, ich kann auch Trainerin werden. Das öffnet Türen!", so der Belgier vor dem Champions-League-Rückspiel der Bayern gegen Real.

Von der Champions League ist Union derzeit ein gutes Stück weg. Erstmal gilt es, am Samstag einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen. Und unabhängig davon, wie die Partie gegen Wolfsburg ausgeht, hat Eta ihren Platz in der Liste der Pionierinnen der Bundesliga-Historie sicher. Und die Geschichte zeigt, dass auf weitere folgen werden.