Bremen - Mit seinen beiden Toren beim 3:1-Auswärtssieg bei Werder Bremen war Marco Reus der Matchwinner für Borussia Dortmund. Sieben Saisontore hat der 26-Jährige nun auf seinem Konto - persönlicher Bestwert! - und erzielte den zweiten Doppelpack innerhalb von nur sechs Tagen. Mit fünf Toren an den letzten drei Spieltagen ist Reus ligaweit der erfolgreichste Torschütze. Im Interview spricht der Nationalspieler über seine Topform, ein "vorgezogenes Weihnachtsgeschenk" der Bayern und das bevorstehende Derby am nächsten Sonntag gegen den FC Schalke 04.

Frage: Herr Reus, es war die perfekte Woche für den BVB mit zwei Bundesliga-Siegen und dem Kantersieg im Pokal. Wie haben Sie die Partie heute in Bremen gesehen?

Marco Reus: Die erste Halbzeit war sehr zerfahren. Bremen stand, genauso wie Frankfurt gestern Abend gegen die Bayern, extrem tief. Da ist es sehr, schwer Lösungen zu finden und die richtigen Laufwege zu absolvieren. Nach der 1:0-Führung haben wir nicht so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben. Glücklicherweise haben wir noch vor der Halbzeit das 2:1 gemacht, das uns Sicherheit für die zweite Halbzeit gegeben hat. Nach der Pause haben wir dann Bremen besser kontrolliert und hätten schon früher das Spiel entscheiden können.

"Ab Freitag an Schalke denken"

Frage: Sie befinden sich aktuell in Topform und haben schon so viele Tore (7) erzielt wie in der gesamten letzten Saison. Wie erklären Sie sich Ihre starken Leistungen?

Reus: Es geht so schnell im Fußball. Ich mache mir darüber wenig Gedanken und habe immer an mich geglaubt und an mir gearbeitet. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte. In ein paar Tagen geht es schon wieder weiter und wir müssen weiter fokussiert sein.

Frage: War das aus Ihrer Sicht heute Ihre beste Saisonleistung?

Reus: Heute? Nein. Es ist immer das Problem, dass man an Toren gemessen wird. Ich denke nicht so. Für mich war es wichtig, dass sich mein Spiel verbessert hat. Es ist trotzdem wichtig, dass man trifft. Das war nicht mein bestes Saisonspiel, trotz der beiden Tore.

Frage: Die Fans stimmten sich nach dem Sieg schon freudig auf das Derby gegen Schalke ein. Am Donnerstag spielt der BVB allerdings noch gegen Qäbala. Besteht die Gefahr, das Spiel in der Europa League zu vernachlässigen?

Reus: Das wäre ein großer Fehler, den wir nicht machen werden. Wir sind in der Europa League noch nicht durch. Wir wollen zuhause die nächsten drei Punkte einfahren. Ab Freitag können wir uns dann auf Schalke konzentrieren.

"Bis zu den Bayern ist es extrem weit"

Frage: Die Bayern zeigten sich am Freitag in Frankfurt von ihrer menschlichen Seite und spielten nur unentschieden. Ist der Meisterschaftskampf wieder spannender geworden oder schauen Sie nicht auf die Bayern?

Reus: Ich habe das Spiel gestern Abend auch gesehen. Das Remis der Bayern war ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. (lacht) Im Ernst: Es ist einfach schwer, wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die 25 bis 30 Meter vor dem eigenen Tor steht. Dann Lösungen zu finden, ist brutal schwer. Bis zu den Bayern ist es in der Tabelle noch extrem weit. Die Bayern sind sehr konstant, wir müssen auf uns schauen - und das klappt derzeit extrem gut zur Zeit.

Frage: Sie fangen also jetzt nicht an, von der Meisterschaft zu träumen?

Reus: Nein, auf keinen Fall.

Frage: Nach Schalkes Remis beträgt Ihr Vorsprung auf den Erzrivalen nun sechs Punkte. Eine sehr komfortable Situation vor dem Derby, oder?

Reus: Komfortabel ist die Situation sicherlich nicht. Wir wissen, wie schnell es in der Bundesliga gehen kann, man muss immer hellwach sein. Im Moment spielen wir gut und sind sehr fokussiert. Der Trainer stellt uns jedes Mal sehr gut ein. Wir haben im Moment auch sehr viel Selbstvertrauen. Wir schauen nach oben, wir sind Zweiter. Wir gewinnen momentan unsere Spiele und haben einen kleinen Lauf gestartet. Wir müssen weiter arbeiten, dass es so bleibt.

Frage: Ihr Sturmkollege Pierre-Emerick Aubameyang hat trotz vieler guter Chancen heute nicht getroffen. Müssen Sie ihn trösten?

Reus: Um Aubameyang brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Ich bin mir sicher, dass er nächste Woche wieder für uns treffen wird. Solche Spiele gibt es mal, aber Auba ist ein sehr cleverer Mensch, da sehe ich überhaupt keine Probleme.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage