Frankfurt - Marco Fabián, seit vergangenem Winter unter Vertrag bei Eintracht Frankfurt, zählt in seinem Heimatland Mexiko zu den großen Stars der Branche. Vor dem Gastspiel von Bayer 04 Leverkusen in Frankfurt spricht Fabián im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über das Aufeinandertreffen mit seinem Landsmann und Freund Chicharito, über mexikanische Fußballer in der Bundesliga und über seine Anpassung an das neue Umfeld.

bundesliga.de: Herr Fabián, vor der Saison machte man sich wegen der vielen Nationalitäten Sorgen um den Zusammenhalt im Team. Waren der Sieg gegen Schalke und die gute, wenn auch nicht mit Punkten belohnte Leistung in Darmstadt der Beweis, dass Fußball eine universelle Sprache ist?

Marco Fabián: Das kann man so sagen. Gerade das Spiel gegen Schalke 04 hat gezeigt, dass man an der Aufgabe, erfolgreich Fußball spielen zu wollen, nicht scheitern muss, nur weil die Spieler unterschiedliche Sprachen sprechen. Erfolgreicher Fußball ist eine Frage der gemeinsamen Arbeit und gerade auch der non-verbalen Kommunikation auf dem Platz. Genauso haben der Trainer und sein Trainerteam die Mannschaft eingestellt.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison musste die Eintracht über den letzten Spieltag hinaus um den Klassenerhalt zittern. Ist die Mannschaft diesmal stärker?

Fabián: Es ist keine Frage, dass wir nicht noch einmal in eine solche nervenaufreibende Situation kommen wollen wie in der Vorsaison. Deshalb ist es uns sehr wichtig möglichst frühzeitig eine Punktzahl zu erreichen, die uns Sicherheit für den weiteren Saisonverlauf gibt. Und der Schlüssel dazu liegt vor allem in unseren Heimspielen. Mit unseren Fans im Rücken  wollen wir eine Macht sein.

bundesliga.de: Sie persönlich sind ein hervorragender Fußballer, auf Youtube finden sich ganze Sammlungen Ihrer schönsten Treffern. Bei der Eintracht konnten Sie Ihre volle Leistungsstärke bisher aber noch nicht in gewohntem Maße zeigen...

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Fabián: In den ersten sechs Monaten bei der Eintracht musste ich mich an das neue Umfeld anpassen, und ich war noch auf der Suche nach meiner Form und nach meiner Rolle im Team. Selbstverständlich habe ich versucht die Dinge, die in Mexiko gut gelaufen sind, auch hier in mein Spiel zu übernehmen. Sehr gerne hätte ich bereits den einen oder anderen Treffer erzielt oder auch vorbereitet. Das hat bisher leider noch nicht geklappt. Ich hoffe aber, dass es nun bald soweit ist. Wobei es mir wichtiger ist, dass am Ende die Mannschaft erfolgreich abschneidet, als dass ich selbst ein Tor erziele.

bundesliga.de: Sie sind ein Spieler mit vielfältigen Möglichkeiten, können links oder rechts, im zentralen Mittelfeld oder direkt hinter den Spitzen spielen. Wo können Sie Eintracht am besten helfen?

Fabián: Stimmt, in der Vergangenheit habe ich auf mehreren Positionen Erfahrung sammeln können, und ich denke, dass ich es überall ganz gut gemacht habe. Das war in der Vereinsmannschaft nicht anders als in "El Tri", der mexikanischen Nationalmannschaft. Müsste ich mich für eine Position entscheiden, wäre es wohl die Zehner-Position. Grundsätzlich aber entscheidet natürlich der Trainer. Und dort, wo er mich sieht und einsetzt, möchte ich die bestmögliche Leistung zeigen.

bundesliga.de: Am Samstag empfängt die Eintracht Bayer Leverkusen, wo mit Javier "Chicharito" Hernandez ein Landsmann von Ihnen spielt. Gibt es regelmäßigen Kontakt zwischen Ihnen?

Fabián: Zu Chicharito habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Er ist nicht nur ein Freund unter mehreren, sondern er ist mein bester Freund, mit dem ich mich regelmäßig austausche. Genau genommen ist Chicharito sogar wie ein Bruder für mich. Wir sind zusammen aufgewachsen, wir sind in derselben Mannschaft zusammen groß geworden und haben gemeinsam viele Spiele für die mexikanische Nationalmannschaft bestritten. Und jetzt hat uns das Schicksal sogar beide nach Deutschland, in die Bundesliga geführt. Da er nach seiner Verletzung an der Hand am vergangenen Wochenende gegen den HSV bereits wieder spielen konnte, wäre es großartig, wenn wir uns am Samstag erstmals in unserer Karriere als Spieler gegnerischer Teams auf dem Platz gegenüberstehen würden.

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bundesliga.de: Lassen Sie uns über die Unterschiede zwischen der Bundesliga und der mexikanischen Liga, der Liga MX sprechen...

Fabián: In der Bundesliga ist alles hervorragend organisiert, die Vereine sind allesamt top aufgestellt. Alleine das würde die Bundesliga bereits zu einer der besten Ligen weltweit machen. Aber auch, was das Spiel selbst betrifft, ist die Bundesliga top: Die physische Komponente des Fußballs in der Bundesliga liegt auf höchstem Niveau, und doch sind die Spieler technisch sehr beschlagen. Diese Mischung findet sich nur in den absoluten Top-Ligen. In der mexikanischen Liga ist die Physis noch nicht so ausgeprägt wie in der Bundesliga. Aber auch bei uns sind die Spieler technisch sehr gut ausgebildet, so dass ich überzeugt bin, dass weit mehr Mexikaner über das Rüstzeug verfügen, in der Bundesliga bestehen zu können.

bundesliga.de: Woran denken Sie, wenn Sie Namen wie Javier Hernández, Pável Pardo, Ricardo Osorio oder Aarón Galindo hören?

Fabián: Das sind allesamt Spieler, die in der Bundesliga ihre Fußspuren hinterlassen haben oder sogar noch hier spielen, wie Chicharito. Pável Pardo und Ricardo Osorio hatten großen Anteil daran, dass der VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister wurde. Und Aarón Galindo war vor mir der erste Mexikaner bei der Eintracht. Wenn ich all diese Namen höre, ist das für mich eine zusätzliche Motivation, vielleicht irgendwann einmal auch in dieser Reihe genannt zu werden. Diese Spieler sind der Beweis für das, was ich gerade bereits gesagt habe: Die Unterschiede zwischen der mexikanischen Liga und der Bundesliga sind nicht so enorm, als dass Mexikaner nicht eine gute Rolle in der Bundesliga spielen könnten.

bundesliga.de: Welche Erlebnisse der jüngsten Vergangenheit geben Ihnen das Gefühl zu sagen "Es ist sehr gut, dass ich hier in der Bundesliga bin"?

Fabián: Ich habe mich vom ersten Tag an in Deutschland und bei der Eintracht sehr wohl gefühlt. Aber ich wusste, dass ein gewisser Anpassungsprozess notwendig sein wird und ich ein wenig Zeit brauchen würde, bis ich ganz angekommen bin in Deutschland und in der Bundesliga. Ich denke, dass dieser Prozess Mitte der vergangenen Rückrunde abgeschlossen war. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich verinnerlicht, was in der Bundesliga verlangt wird, und die Mannschaft wiederum wusste, was Sie von mir erwarten kann. Der Trainer und meine Mitspieler wissen, dass sie jederzeit auf meine Leistungen bauen können. Die neue Saison hat nun gerade erst begonnen, und ich werde nun alles daran setzen, dass ich in den kommenden Monaten bei der Vergabe der Startplätze eine reelle Chance habe.

Video: Fabián im Skype-Chat mit Chicharito

bundesliga.de: Sie sind der Lieblingsspieler vieler mexikanischer Fans. Hat ein solcher Star selbst auch einen Lieblingsspieler?

Fabián: Es ist ein großartiges Gefühl, dass man den Menschen mit dem, was man macht, so viel Freude bereiten kann. Das motiviert mich immer an mir zu arbeiten, um mich weiterhin zu verbessern und meine Leistungen zu bringen. Denn so kann ich den Fans für ihre Unterstützung etwas zurückgeben. Einen Lieblingsspieler oder ein Vorbild im klassischen Sinne habe ich allerdings nicht. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht sehr genau darauf schaue, was die besten Spieler, die den modernen Fußball so nachhaltig verändert haben wie Messi und Cristiano Ronaldo Woche für Woche zeigen.

bundesliga.de: Was empfinden Sie, wenn Sie auf der Tribüne eines deutschen Stadions mexikanische Fans mit der Flagge Ihres Heimatlandes erblicken?

Fabián: Das ist für mich eine sehr große Freude. Es zeigt mir, dass ich im Ausland nicht vergessen bin, sondern dass meine Landsleute mich überall auf der Welt unterstützen. Das mag durch ihre Präsenz im Stadion geschehen oder gerade auch durch die sozialen Medien, wo  sehr, sehr viele Fans meine Karriere verfolgen. All das motiviert mich noch mehr, und ich versuche noch mehr aus mir herauszuholen.

bundesliga.de: Was sagen Sie mexikanischen Fans, die Sie persönlich treffen?

Fabián: Der persönliche Kontakt auf der Straße ist hier eher die Ausnahme. Durch die sozialen Medien aber stehe ich in regelmäßigem Kontakt zu meinen Fans und spreche ihnen dort immer wieder meinen Dank dafür aus, dass Sie an mich denken und mir mit ihren Nachrichten zeigen, welch großen Anteil sie an meinem Leben und an meiner Karriere nehmen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter