Dortmund - Eine Halbzeit, die an die richtig starken Zeiten der Borussia erinnerte. Und ein Sieg, den man vor allem für den Trainer geholt hat. Marcel Schmelzer fand nach dem 3:0-Erfolg des BVB über Paderborn lobende Worte für die Mannschaft, vor allem aber für Jürgen Klopp. Ein Gespräch mit dem Dortmunder Außenverteidiger über Dosenöffner und Offensivpower, Schockzustände und große Ziele.

Frage: Marcel Schmelzer, nach dem Sieg hat der BVB nur noch einen Zähler Rückstand auf Hoffenheim. Ist Platz 7 jetzt das große und erreichbare Ziel?

Marcel Schmelzer: Wir wollen dem Trainer einen super, super Abschied hier aus Dortmund bereiten. Und damit ist nicht nur Platz 7 in der Bundesliga (Tabelle) gemeint, sondern auch der Pokal in Berlin. Das wird schwer genug, aber für sieben tolle Jahre mit Jürgen Klopp sollten wir uns jetzt den Arsch im Endspurt auch richtig aufreißen.

Frage: Sie sprechen den Abschied von Jürgen Klopp an. Wie ist die Mannschaft mit seiner Ankündigung umgegangen?

Schmelzer: Das kann man sich sicher vorstellen. Wenn man sieben Jahre miteinander verbringt und eine super Zeit, vor allem auch eine sehr erfolgreiche Zeit, zusammen erlebt hat, dann ist das ein extremer Schock. Der ist auch sehr schwer zu verarbeiten. Aber wir wussten, dass wir für 90 Minuten irgendwie den Kopf ausschalten müssen. Es bringt einfach nichts, wenn wir auch noch in dieser Zeit darüber nachdenken. In diesen 90 Minuten geht es einfach darum, alles zu tun, damit die drei Punkte in Dortmund blieben. Für alles andere haben wir außerhalb des Spiels noch genug Zeit.

Frage: Am Ende hat das ganze Stadion den Trainer mit Sprechchören gefeiert...

Schmelzer: Ganz ehrlich: Ich hatte Gänsehaut! Es ist einfach vollkommen gerechtfertigt. Jürgen Klopp hat über sieben Jahre eine super Arbeit geleistet. Dass ihm das dann auch von den Fans und vom Publikum so gedankt wird, das ist mehr als gerechtfertigt.

Frage: Vor dem Spiel und auch in der ersten Halbzeit wirkte die Stimmung noch eher verhalten.

Schmelzer: Es war eher ruhig, was sicher etwas damit zu tun hatte, dass der Trainer seinen Abschied bekannt gegeben hat. Allerdings war es auch in den letzten Heimspielen zumindest von den Seiten nicht mehr ganz so stimmungsvoll wie zu früheren Zeiten. Nur die Südtribüne gibt immer Vollgas, das kennt man nicht anders. Aber vielleicht haben wir mit dem Sieg über Paderborn auch ein Signal in die Richtung gegeben, dass uns die Zuschauer insgesamt wieder ein bisschen mehr unterstützen.

Frage: Spielerisch hat der BVB gegen Paderborn zumindest nach dem Führungstor endlich wieder eine überzeugende Leistung abgeliefert.

Schmelzer: Wir haben unseren Plan komplett durchgezogen. Uns war klar, dass es gegen Paderborn sehr schwer wird. Das ist ein Gegner, der erst einmal konsequent hinten steht und versucht, die Null zu halten. Aber wir sind nicht durchgedreht, sondern sind geduldig geblieben und haben uns Chancen herausgespielt. Trotzdem hat es dann den Dosenöffner gebraucht.

Frage: Sie meinen den Treffer von Henrikh Mkhitaryan kurz nach der Pause?

Schmelzer: Der Treffer war richtig schön herausgespielt und es freut mich besonders für Micki, dass er getroffen hat. Er hat insgesamt ein Klassespiel gemacht. Nach der Führung hat der Gegner geöffnet und dann hat man auch endlich mal wieder unsere Klasse in der Offensive gesehen. Es haben vorne alle aufgedreht, das hat schon ein bisschen an die richtig starken Zeiten erinnert.

Frage: Sie selbst zeigen auch seit einigen Wochen eine konstant starke Leistung auf der Außenbahn.

Schmelzer: Für mich ist es immer wichtig, dass ich die komplette Vorbereitung absolvieren kann. In der Hinrunde bin ich durch den Handbruch insgesamt sieben Wochen ausgefallen. Da hat mir natürlich der Rhythmus gefehlt. Jetzt in der Rückrunde bin ich total drin. Ich habe mit Ausnahme von Hannover jedes Spiel machen können. Das ist extrem wichtig für mich und meinen Körper. Ich fühle mich jetzt einfach fit.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte