Köln - Zwölf Derbys bestritt Manfred Burgsmüller zwischen 1976 und 1983 mit Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04. Sieben davon gewann er, nur zweimal musste er sich geschlagen geben. Vier Treffer gelangen dem Bundesliga-Rekordtorschützen (135 Tore) des BVB gegen die Knappen. Im Gespräch mit bundesliga.de vergleicht der 66-Jährige die Form der beiden Traditionsvereine und wagt einen Tipp.

bundesliga.de: Herr Burgsmüller, am Sonntag trifft Ihr Ex-Verein Borussia Dortmund im großen Revierderby auf den FC Schalke 04. Sie sind gebürtig aus Essen. Wem haben Sie in Ihrer Jugend die Daumen gedrückt?

Manfred Burgsmüller: Ich habe als Jugendlicher in einem Vorort von Essen gespielt und bin dann in der A-Jugend zu Rot-Weiss Essen gewechselt. Heute gibt es eine gewisse Abneigung zwischen den Fans von RWE und Schalke. Zu meiner Zeit war die noch nicht so ausgeprägt. Aber es stimmt schon: Rot-Weiss Essen ist wie ich auch eher pro Dortmund, da besteht eine Freundschaft. Der BVB war auch schon zu Benefizspielen in Essen.

bundesliga.de: Sie haben dann auch zwölf Derbys gegen Schalke auf Dortmunder Seite bestritten. Was ist von den Spielen bei Ihnen hängen geblieben?

Burgsmüller: Ach, von den Spielen selbst eigentlich weniger. Ich erinnere mich aber noch daran, dass Schalker Fans einmal vor dem Derby nachts im Westfalenstadion waren und die Tore blauweiß angestrichen haben. Es waren immer heiße Derbys, ohne dass für mich jetzt eins besonders herausgeragt hätte.

bundesliga.de: Dann springen wir direkt ins Jahr 2016 zum aktuellen Derby. Schalke hat am Wochenende verloren und ist auf Platz 7 abgerutscht. Haben die Knappen mehr Druck?

Burgsmüller: Na klar, das ist ja logisch. Manchmal funktioniert das Schalker Spiel, manchmal - wie jetzt gerade in Ingolstadt - klappt nicht viel.

© imago / WEREK

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Ursachen für die Formschwankungen?

Burgsmüller: Eine Mannschaft nur auf den jungen Spielern wie Leroy Sane, Leon Goretzka oder Max Meyer aufzubauen, wird schwer. Sie brauchen noch ein oder zwei Jahre. Es spricht dagegen kaum einer davon, dass Klaas-Jan Huntelaar, Franco di Santo oder Eric Maxim Choupo-Moting nicht mehr treffen. Ich weiß nicht, woran das liegt.

bundesliga.de: Dann haben Sie im Moment mehr Spaß, wenn Sie die Spiele von Borussia Dortmund verfolgen?

Burgsmüller: Den Jungs sieht man ja auch an, dass sie selbst Spaß bei ihren Spielen haben, erst recht, wenn man die Ergebnisse sieht.

bundesliga.de: Wie bitter ist es dann für den BVB, dass er so eine tolle Saison spielt und trotzdem nicht an den Bayern vorbeikommt?

Burgsmüller: Was will man machen? Es geht weiter. Die Dortmunder haben ihre Chance beim Spiel gegen die Bayern verpasst. Da kam zu wenig. Da hätte ich hopp oder top spielen lassen.

"Aubameyang hat ein Näschen für Tore"

© gettyimages / Dean Mouhtaropoulos/Bongarts

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihren Nachfolger im BVB-Angriff, Pierre-Emerick Aubameyang?

Burgsmüller: Der Junge ist wirklich ein Guter. Man sieht, dass er ein Näschen für Tore hat. Er ist schnell, er spielt mannschaftsdienlich. Er ist nicht darauf aus, immer selbst das Tor machen zu wollen, sondern sieht auch den besser postierten Mitspieler. Und wenn er mal nicht trifft, kommt Adrian Ramos rein und macht die Tore. Das passt super.

bundesliga.de: Ist Dortmund den Schalkern in der Qualität des Kaders überlegen oder hat die Mannschaft einfach nur einen Wahnsinnslauf?

Burgsmüller: Dortmund hat nicht nur einen Lauf, da spielen noch mehr Faktoren eine Rolle. Der Trainer spielt eine Rolle, der Manager. Wichtig ist, wie die Mannschaft zusammengestellt ist, wie die Spieler untereinander harmonieren. Beim BVB habe ich das Gefühl, dass sich die Spieler auch gut verstehen, sich mal zum Grillen treffen und viel zusammen unternehmen. Das schweißt zusammen. Das ist auch ein Verdienst von Thomas Tuchel. Wenn Schalke seine Möglichkeiten abruft, traue ich der Mannschaft noch Platz 4 zu. Da ist schon Qualität vorhanden. Aber es wird schwer.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für Sonntag?

Burgsmüller: Ich tippe auf einen 3:1-Sieg der Borussia. Aber in einem Derby, in einem Spiel kann es auch anders kommen. So wie die Mannschaften im Moment aber in Form sind, glaube ich, dass Dortmund gewinnt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski