Der Name verpflichtet gewissermaßen. Müller, das ist beim FC Bayern ein Name mit ganz besonderem Geschmack. Und dann ist Thomas Müller auch noch Stürmer, wie einst der "Bomber der Nation", Gerd Müller. Aber Namensvetter Thomas Müller sieht die Sache recht unaufgeregt - was wohl auch das Beste ist.

"Mich freut es ab und zu, wenn ich mit dem Namen in Verbindung gebracht werde, aber es ist nicht so, dass es mich in irgendeiner Art und Weise nervös macht oder eine Belastung ist. Ich weiß, dass der "Bomber" unerreichbar ist und er war ja auch ein ganz anderer Spielertyp als ich", sagt Thomas Müller im Interview mit bundesliga.de.

Er gehört zu den Senkrechtstartern beim FC Bayern. In allen fünf bisherigen Pflichtspielen war der 19-Jährige mit dabei.

Mit bundesliga.de sprach er über den Saisonstart, Arjen Robben und die besondere Situation, als junger Spieler mit internationalen Stars im Konkurrenzkampf zu stehen.

bundesliga.de: Der letzte Eindruck bleibt ja meistens hängen - was für den FC Bayern gut ist, denn das Spiel gegen Wolfsburg konnte sich sehen lassen. Die drei Spiele davor waren dagegen nicht zufriedenstellend. Ist es nun ein guter oder ein schlechter Saisonstart gewesen?

Thomas Müller: Nach dem letzten Spiel kann man natürlich schon zufrieden sein. Aber jetzt gilt es die ersten drei Spiele wettzumachen. Da haben wir Punkte liegen gelassen, die wir jetzt unbedingt benötigen. Wir sind insgesamt nicht zufrieden mit der Punktausbeute. Mit dem Wolfsburg-Spiel haben wir aber gezeigt, dass wir noch am Leben sind. Jetzt gilt es die positive Stimmung in die nächsten Spiele mitzunehmen und Punkte auf das Konto zu bekommen.

bundesliga.de: Es scheint, als würde sich beim FC Bayern so etwas wie Aufbruchstimmung breit machen - was auch viel mit Arjen Robben zu tun hat. Er hat bisher zwar nur 45 Minuten gespielt, aber die waren recht beeindruckend. Wie haben Sie diesen Blitztransfer erlebt? Bis auf ein Training und den Spieleinsatz haben Sie wahrscheinlich noch nicht viel von Robben mitbekommen, oder?

Thomas Müller: Er macht natürlich einen guten Eindruck - er ist schnell, schussstark und gut im Dribbling. Ein persönlicher Kontakt kam beim ersten Training noch nicht zu Stande. Der Vorstand wollte mit ihm einfach auf die ersten drei Spieltage reagieren und er hat bewiesen, dass er zu Recht geholt worden ist.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie den Transfer aus persönlicher Sicht. Immerhin gibt es jetzt noch einen Konkurrenten mehr im Sturm.

Thomas Müller: Das ist natürlich immer ein zweischneidiges Schwert. Wenn viele Top-Stars im Kader sind, ist es für den einzelnen immer schwieriger und der Konkurrenzkampf ist größer. Aber die Mannschaft profitiert natürlich davon. Gerade bei solch anstrengenden Spielzeiten mit der Dreifach-Belastung, wie wir sie haben, kann es nicht von Nachteil sein. Da können wir jeden Mann gebrauchen.

bundesliga.de: Grundsätzlich können Sie mit den ersten Spielen persönlich ganz zufrieden sein. Sie sind in allen Ligapartien zum Einsatz gekommen.

Thomas Müller: Für mich ist es ganz ordentlich gelaufen, wobei die positive Stimmung bei den Einsätzen durch die liegengelassenen Punkte ein wenig getrübt wurde. Gegen Wolfsburg hingegen war es sehr erfreulich, dass ich über 90 Minuten dabei war und es zudem ganz ordentlich lief. Insgesamt bin ich schon froh, dass ich mich aufdrängen konnte und auf meine Spielzeiten gekommen bin.

bundesliga.de: Wie kommt man als junger Spieler in so einen Kader - mit Holger Badstuber gibt es ja gleich noch so einen Newcomer im Team?

Thomas Müller: Wir haben beide einen Profivertrag unterschrieben und sind jetzt voll dabei. Wir haben an der kompletten Vorbereitung teilgenommen und sind durch gute Spiele aufgefallen. Wenn man dann mal 30 Minuten Einsatzzeit bekommt, dann muss man sich zerreißen. Man muss zeigen, dass man unbedingt rein will. Das gleiche gilt natürlich auch in jeder Trainingseinheit. Dann kommt der Trainer auch zwangsläufig nicht mehr an einem vorbei.

bundesliga.de: Aber es ist schon so, dass ein Traum wahr wird...

Thomas Müller: Ja klar. Man konnte vor der Saison selbst auch nicht damit rechnen. Ich wusste zwar, dass ich was zeigen kann. Dass es allerdings so schnell geht, konnte man nicht erahnen. In den Spielen in der Vorbereitung lief es einfach richtig gut. Ich hatte immer meine Spiele, in denen ich nicht nur Mitläufer war, sondern auch aufgefallen bin. Das war für mich schon sehr positiv.

bundesliga.de: Ist es schwierig als 19-Jähriger in so einen Kader aufgenommen zu werden?

Thomas Müller: Bei mir war es ja so, dass ich schon letztes Jahr vermehrt bei der Profi-Mannschaft dabei war. Dadurch wird es schon leichter. Man kennt schon das ganze Umfeld. Am Anfang ist natürlich alles neu. Wenn ich an die Vorbereitung letztes Jahr denke - da schaut man sich alles ganz genau an. Für einen jungen Spieler ist es natürlich etwas Besonderes, wenn man die ganzen Stars kennenlernt. Das legt sich dann aber auch ganz schnell. Bringt man seine Leistung, sehen die anderen das ja auch und respektieren einen.

bundesliga.de: Wie sehen sie denn Ihre Chancen im Sturm? Ihr Vorteil ist, dass Sie relativ flexibel sind. Sie sind schon als "Zehner" aufgelaufen und können auch über außen angreifen.

Thomas Müller: Genau das ist auch mein Vorteil. Ich persönlich bin flexibel. Ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt und versuche mein Bestes zu geben, damit ich auch zu Recht dort spiele und wiederholt zum Einsatz komme. Ich versuche mich jetzt einfach in die Mannschaft reinzubeißen und dranzubleiben. Mein Ziel ist es natürlich regelmäßig zu spielen.

bundesliga.de: Hat es für Sie einen Vorteil, dass Ihr vormaliger Bayern-Amateure-Trainer Hermann Gerland als Bezugsperson mit zu den Profis gewechselt ist?

Thomas Müller: Wahrscheinlich schon. Man hat einfach jemanden, den man schon seit eineinhalb Jahren persönlich kennt. Über manche Dinge kann man auch mal sprechen, ohne sich gleich Gedanken machen zu müssen. Er ist schon so eine Art Bezugsperson.

bundesliga.de: Und wie ist es mit Holger Badstuber? Den kennen Sie ja auch schon länger.

Thomas Müller: Ja, den kenne ich schon seit fünf oder sechs Jahren. Es ist immer gut, wenn man einen dabei hat, den man schon länger kennt, mit dem man einfach schon etwas vertrauter ist. Aber die anderen Jungs sind ja auch alle in Ordnung.

bundesliga.de: Ihr Name, in Verbindung mit dem FC Bayern, ist natürlich etwas Besonderes. Und Sie spielen auch noch - wie Gerd Müller früher - im Sturm. Ist das für Sie eher Ansporn oder Belastung?

Thomas Müller: Mich freut es ab und zu, wenn ich mit dem Namen in Verbindung gebracht werde, aber es ist nicht so, dass es mich in irgendeiner Art und Weise nervös macht oder eine Belastung ist. Ich weiß, dass der "Bomber" unerreichbar ist und er war ja auch ein ganz anderer Spielertyp als ich.

bundesliga.de: Das nächste Spiel ist jetzt in Dortmund. Wie sehen Sie die Chancen dort zu gewinnen? Sie haben ja schon erwähnt, dass jetzt weitere Punkte folgen müssen.

Thomas Müller: Als FC Bayern fährt man überall hin, um zu gewinnen. Das war die letzten Jahrzehnte schon so und das wird sich auch in Zukunft wahrscheinlich nicht ändern. Es ist einfach schade, dass wir in den ersten drei Spielen so wenig Punkte holen konnten Aber jetzt geht es für uns los. Es gilt den Rückstand aufzuholen und deswegen fahren wir nach Dortmund um zu gewinnen. Als FC Bayern - mit dieser Mannschaft - kannst du überall gewinnen.

bundesliga.de: Wie lang wird es dauern, bis beim FC Bayern alles rund läuft?

Thomas Müller: Das ist natürlich ein Prozess über mehrere Monate hinweg, bis alle Automatismen laufen. Wenn alle Spieler fit sind und konstant zusammenspielen, werden wir unseren Rhythmus finden. Ich denke, wir kommen immer besser in Schuss, von Spiel zu Spiel. In Mainz waren wir in der ersten Halbzeit grottenschlecht. In der zweiten Hälfte hat man dann gesehen, dass wir mit Leidenschaft dabei waren. Gegen Wolfsburg hat jeder gesehen, dass wir heiß darauf sind, Fußball zu spielen. Genau das wollen wir jetzt fortsetzen und in den nächsten Spielen einfach guten, aber vor allem erfolgreichen Fußball zeigen.

Das Gespräch führte Michael Gerhäußer