Thorben Marx ist den Bundesliga-Fans bisher in aller Regel als Arbeitstier aufgefallen: robust, laufstark und immer mit vollem Einsatz dabei. Dass er aber auch zum Spielgestalter taugt, hat er erst kürzlich bewiesen.

Beim 2:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FSV Mainz 05 am 4. Spieltag war "Energizer" Marx an allen Ecken und Enden des Platzes zu finden. Hinten räumte er ab und putzte aus, vorne trieb er an und baute das Spiel auf.

Führungsrolle für Marx

Und um seiner überzeugenden Vorstellung selbst die Krone aufzusetzen, spielte er in der 29. Minute aus dem Halbfeld einen wunderbaren Pass in die Spitze, den Stürmer Raul Bobadilla Sekunden später zur 1:0-Führung verwandelte.

Derlei Offensivqualitäten mögen vielleicht den einen oder anderen Fan überrascht haben, nicht aber Michael Frontzeck, der den 28-Jährigen noch aus seiner Zeit bei Bielefeld kennt und ihm als " absolut gestandenen Bundesligaprofi" eine Führungsrolle bei den "Fohlen" zutraut.

Beeindruckende Statistik

Ein Blick in die Statistik beweist, dass der VfL-Trainer diesen Anspruch zurecht stellt: Durchschnittlich stehen 64 Ballkontakte für Marx zu Buche. Dazu kommen noch eine sehr ordentliche Zweikampfbilanz (65 Prozent) und eine hohe Passgenauigkeit, die bei fast 80 Prozent liegt.

Außerdem legte er vier Torschüsse auf und gab eine Torvorlage. Grund genug also für den gebürtigen Berliner, seinen persönlichen Saisonstart positiv zu beurteilen: "Ich kann mit meinem Start zufrieden sein."

Doch trotz dieser guten Vorstellungen sind sich Spieler und Trainer einig, dass "noch Luft nach oben" vorhanden ist. "Thorben hat einen exzellenten Schuss", stellt Frontzeck fest, doch den müsse er noch öfters zeigen. Im bisherigen Saisonverlauf schoss der 1,82 Meter große Mittelfeldmotor nämlich erst zwei Mal aufs gegnerische Tor, insgesamt erzielte er erst acht Treffer in 160 Partien.

Erstes Berliner Eigengewächs

Dabei haben fehlende Offensivbemühungen schon einmal dazu geführt, dass Marx sich von seiner großen Liebe trennen musste. Nachdem er bei den Westberliner Clubs FC Stern Marienfeld und Hertha Zehlendorf das Fußballspielen gelernt hatte, wechselte er 1998 zu Hertha BSC. Dort wurde er zwei Jahre darauf der erste Spieler, der den Sprung von der vereinseigenen Jugendakademie in die Profimannschaft schaffte.

Sein Debüt für die "alte Dame", mit der er 2001 und 2002 Ligapokalsieger wurde, feierte er am 14. Spieltag der Saison 2000/01 bei Eintracht Frankfurt, wo er in der 88. Minute eingewechselt wurde.

Der Defensivallrounder spielte in den nächsten fünf Jahren noch insgesamt 79 Mal für die Berliner in der Bundesliga, ehe er 2006 in Richtung Bielefeld gehen musste. Gründe für die Trennung waren sein mangelnder Offensivdrang und fehlende Torgefahr.

"Fohlen"-Stabilisator

Nach Arminias Abstieg vergangene Saison verlängerte Marx seinen Vertrag nicht, sondern folgte Frontzeck in Richtung Mönchengladbach, wo er Stabilität im Mittelfeld bringen und dadurch helfen soll, den Traditionsverein langfristig wieder fest in der Bundesliga zu etablieren.

Um dies so gut wie möglich zu tun und Frontzecks Erwartungen an einen seiner "Eckpfeiler" zu erfüllen, hat Marx in der Sommerpause Sonderschichten geschoben und mit Spezialtraining an seinen Schnelligkeits- und Angriffsdefiziten gearbeitet. Mit Erfolg, wie seine Vorstellung samt Torvorlage gegen Mainz beweist.

Gregor Nentwig