KSC-Trainer Edmund Becker spricht mit bundesliga.de über die Impulsivität seines neuen Kapitäns Maik Franz, warum Tim Sebastian noch etwas schüchtern ist und Edmond Kapllani in der letzten Saison nur zwei Mal ins Tor getroffen hat.

bundesliga.de: In ihrem ehemaligen Kapitän Mario Eggimann und in Tamas Hajnal verließen zwei Leistungsträger und Führungsspieler den Verein, die sie durch Antonio da Silva und Tim Sebastian ersetzen wollen. Denken Sie, dass die beiden Neuzugänge einen gleichwertigen Ersatz darstellen?

Becker: Das hoffen wir. Ob sie es tatsächlich können, wird die Bundesliga-Saison zeigen. Tamas war ein super Fußballer, hat für uns sehr viele Tore vorbereitet und erzielt. Mario war unser Kapitän, ein sehr guter Innenverteidiger und hat ebenfalls sehr viele wichtige Tore für uns erzielt, aber dieser Kapitän fehlt uns natürlich auch als Persönlichkeit. Jetzt muss sich eine neue Hierarchie herausbilden. Fußballerisch wissen wir, dass wir mit Sebastian und da Silva gute Spieler dazu bekommen haben. Die ersten Eindrücke sind auf jeden Fall sehr positiv.

bundesliga.de: Fußballerischen Ersatz haben sie nun anscheinend gefunden, aber wer kann Mario Eggimann als Führungsspieler ersetzen?

Becker: Zum Beispiel Maik Franz, Christian Eichner, Markus Miller, der in der Mannschaft immer mehr Verantwortung übernimmt und Michael Mutzel, der auch ein im positiven Sinne unbequemer Spieler ist. Aber wir wollen ja nicht lauter absolut linientreue Akteure, sondern wir wollen auch Spieler, die mal anecken und Diskussionen entfachen, um sich positiv weiterzuentwickeln. Das sind vier Spieler, die meiner Meinung nach in diese Position hineinwachsen können. Das schließt jedoch nicht aus, dass auch ein da Silva oder andere auf dem Platz Verantwortung übernehmen.

bundesliga.de: Ist Maik Franz ihr "Aggressiv- Leader", wie es Mark van Bommel beim FC Bayern ist?

Becker: Ja, das ist so. Wir brauchen genau diesen Typ. Er muss diese Dinge vielleicht noch ein bisschen besser kanalisieren, aber prinzipiell brauchen wir diesen "Aggressiv- Leader" genauso wie Bayern seinen Mark van Bommel braucht. Wenn man diese ganze Brisanz aus dem Thema herausnimmt, dann sagt doch jeder andere Trainer: "Mensch, solch einen Spieler bräuchten wir auch. Da ist endlich mal einer, der die anderen aufweckt."

bundesliga.de: Wie unterscheidet sich Antonio da Silva vom Spielertyp im Vergleich zu seinem Vorgänger Tamas Hajnal?

Becker: Da Silva ist von der Mentalität impulsiver, aber ähnlich vom Spielertyp. Er ist ein sehr guter Zuspieler und super Fußballer. Wir versprechen uns bei den Standards durch da Silva auch noch mehr Torgefahr.

bundesliga.de: Und wie würden Sie Tim Sebastian gegenüber Mario Eggimann charakterisieren?

Becker: Tim Sebastian hat schon in Rostock gezeigt, dass er ein sehr guter Innenverteidiger ist. Darüber hinaus kann er auch im Mittelfeld und als rechter Außenverteidiger spielen. Er muss nur noch ein bisschen lebhafter werden und etwas mehr aus sich herausgehen, weil auch das wichtig für unsere Innenverteidigung ist.

bundesliga.de: Denken Sie, dass Sebastian mit der Zeit seine Schüchternheit ablegt und mutiger auftreten wird?

Becker: Es ist ja positiv, dass er nicht herkommt und gleich den "dicken Max" markiert, sondern er soll und er will Leistung bringen. Und mit der Zeit glaube ich schon, dass er in eine Rolle hineinwachsen kann, die auch Mario Eggimann gehabt hat. Auch Mario hat seine Zeit gebraucht, bis er in diese Position gekommen ist. So einen Stellenwert muss man sich natürlich auch erstmal in der Mannschaft erarbeiten.

bundesliga.de: Wäre Sebastian denn derzeit auch Stammspieler?

Becker: Wir haben mit Stefan Buck und Martin Stoll durchaus Leute, die ihm diesen Platz streitig machen können. Diesem Konkurrenzkampf muss er sich stellen und dann werden wir den Besten aufstellen. Sicherlich hat Tim Sebastian den Anspruch die Position neben Maik Franz einzunehmen.

bundesliga.de: Neben Eggimann und Hajnal müssen Sie wegen einer Sprunggelenksverletzung für mindestens drei Monate auf Andreas Görlitz verzichten. Wie schwer wiegt dieser Verlust und inwieweit kann der von einem Regionalligisten geholte 19-jährige Stefano Celozzi diesen kompensieren?

Becker: Es gibt genug Beispiele, wo Nachwuchsspieler einfach ins kalte Wasser geworfen wurden und diese Aufgabe sehr gut gemacht haben. Stefano macht bis jetzt einen sehr guten Eindruck und es kann durchaus sein, dass er die Möglichkeit bekommt, von Beginn an zu spielen. Darüber hinaus haben wir noch Timo Staffeldt und Tim Sebastian, die diese Position spielen können. Dennoch ist Andreas Görlitz ohne Frage ein großer Verlust. Wir haben nicht diese Breite im Kader, sondern haben uns entschlossen, lieber ein bis zwei Spieler weniger im Kader haben - und dafür versuchen wir, für unsere Verhältnisse gute Spieler zu bekommen. Deswegen fehlt Andreas Görlitz uns unterm Strich natürlich ganz gewaltig.

bundesliga.de: Neben der Verteidigung könnte der Sturm in der kommenden Saison ein Problem darstellen. Edmond Kapllani traf in der 2. Bundesliga-Saison 2006/2007 17 Mal, in der Bundesliga jedoch in 28 Einsätzen lediglich zwei Mal. Haben sie eine Erklärung dafür?

Becker: Er hat vielleicht gedacht, dass es in der Bundesliga so weitergeht wie in der 2. Bundesliga. In der Bundesliga besteht natürlich eine ganz andere Qualität, was die Abwehrspieler anbelangt. Da muss man sich eben versuchen zu verbessern. Aber das betrifft nicht nur Edmond Kapllani, sondern alle Spieler. Sie sind gefordert, weiter an ihrer Torgefährlichkeit zu arbeiten. Joshua Kennedy hat einmal die Phase gehabt, in der er sehr gut "drin" war und gut getroffen hat, aber dann haben ihn leider Verletzungen aus dem Rhythmus gebracht. Außerdem haben wir da ja auch noch einen Sebastian Freis, der für sein Alter in der ersten Bundesliga-Saison mit acht Toren gut dabei ist. Ich hoffe, dass er sich noch weiter steigert und in den zweistelligen Bereich kommt.

bundesliga.de: Wie viele Tore erwarten Sie von Kennedy und Kapllani?

Becker: Die Leistung eines Stürmers bemisst sich nicht nur in Toren, aber egal in welcher Liga ein Stürmer spielt: der Anspruch sollte es schon sein, im zweistelligen Bereich zu liegen.

Das Gespräch führte Jean-Charles Fays