Köln - Der FC Ingolstadt startet von Platz 11 aus und mit 20 Punkten auf dem Konto das Unternehmen Klassenerhalt. Nach einer tollen Hinrunde haben die Schanzer früher als andere Vereine mit der Vorbereitung begonnen, in der die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl in heimischen Gefilden bleiben wird. Im Interview mit bundesliga.de spricht FCI-Stürmer Lukas Hinterseer über die großartige erste Halbserie des Aufsteigers, die Stärken der Mannschaft und die Ziele im neuen Jahr.

bundesliga.de: Lukas Hinterseer, mit welchen Gefühlen und Erwartungen gehen Sie in das Jahr 2016?

Lukas Hinterseer: Wir sind schon wieder mitten in der Vorbereitung. Die ersten Einheiten waren anstrengend, man ist müder als sonst. Aber das gehört zur Vorbereitung dazu. So soll das sein.

bundesliga.de: Wie fällt im Rückblick Ihr Fazit auf das aus Ingolstädter Sicht mit Aufstieg, Festivitäten und der starken Bundesliga-Hinrunde erfolgreiche Jahr 2015 aus?

Hinterseer: Das Jahr ist so verlaufen, wie wir uns das intern vorgestellt haben. Viele haben uns das sicher nicht zugetraut. Aber intern haben wir schon daran geglaubt. Mit dem Aufstieg und der tollen Hinrunde kann jeder im Verein zufrieden sein. Jetzt wollen wir daran arbeiten, dass dies auch im neuen Jahr so bleibt.

"Müssen unsere Chancen besser nutzen"

bundesliga.de: Der FC Ingolstadt startete furios in die Bundesliga, hatte nach acht Spieltagen bereits 14 Punkte geholt. Danach gab es in den letzten neun Spielen nur noch einen Sieg und sechs weitere Punkte. Haben sich die Gegner inzwischen auf den FCI besser eingestellt?

Hinterseer: Am Anfang waren ein paar Spiele dabei, die bis auf die Partie gegen Dortmund (0:4, die Red.) sehr knapp gewesen waren. Zu Saisonbeginn haben wir die zwei, drei Situationen besser genutzt und auch einen knappen Vorsprung über die Zeit gebracht. Danach gab es auch Spiele wie gegen Hoffenheim (1:1) oder Leverkusen (0:1), die nicht für uns gelaufen sind. Aber bis auf die Spiele gegen Dortmund und Hannover (0:4) waren alle Spiele der Hinrunde sehr ausgeglichen, sie wurden durch Kleinigkeiten entschieden.

bundesliga.de: Beantwortet das Torverhältnis von 11:18-Toren nach der Hinrunde bereits die Frage nach den Stärken und Schwächen der Mannschaft? Der FCI hat die zweitbeste Defensive der Bundesliga aber auch die harmloseste Offensive.

Hinterseer: Es wurde ja schon oft geschrieben, dass wir in der Offensive noch zulegen können. Die Defensive ist unsere Stärke. Wir sind ein Aufsteiger und machen uns keinen Druck, indem wir auf einmal Tiki-Taka spielen wollen. Wichtig ist, dass wir hinten stabil stehen. Die Null muss stehen. Wenn wir nach vorne ein, zwei gute Aktionen haben und uns ein Tor gelingt, wäre das gut. Wir können sicherlich offensiv einiges verbessern.

bundesliga.de: Das gilt nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für Sie persönlich. Sie haben das erste Tor der Bundesliga-Historie des FCI geschossen, danach aber nicht mehr getroffen, obwohl Sie alle 17 Partien bestritten haben.

Hinterseer: Bei uns steht eine stabile Defensive im Vordergrund, die fängt mit dem mutigen hohen Pressing der Stürmer vorne an. Wir sind noch nicht so weit, dass wir uns in jedem Spiel sechs oder sieben Großchancen herausspielen. Aber in den letzten Spielen lief es schon besser. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Defensivreihen in der Bundesliga besser sind. Wir müssen einfach unsere Chancen besser nutzen.

"Wir haben auch in Ingolstadt schönes Wetter"

bundesliga.de: Worauf wird es in der Rückrunde noch ankommen, um den Klassenerhalt zu schaffen? Wie wichtig wird direkt der Start gegen Mainz 05?

Hinterseer: Das Spiel gegen Mainz ist genauso wichtig wie jedes andere auch. Wir wollen uns in der Vorbereitung von der Fitness her auf ein Toplevel bringen und dann unser Ding durchziehen. Sicher hat sich der Trainer auch Gedanken über unsere Taktik und unser Offensivspiel gemacht. Wir werden auch in der Rückrunde in jede Partie alles reinpacken und das abrufen, was uns im Jahr 2015 ausgezeichnet hat.

bundesliga.de: Die meisten anderen Vereine der Bundesliga nutzen die Winterpause zu einem Trainingslager in Südeuropa, Asien, Südafrika oder Florida. Die Schanzer bleiben zuhause. Vermissen Sie die Sonne und wärmere Temperaturen?

Hinterseer: Wir haben in Ingolstadt auch schönes Wetter. Die Plätze sind hervorragend. Wir können zuhause bei unseren Familien bleiben. Das ist gut für das Klima daheim. Es passt schon gut so, wie es ist. Ich glaube, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben, zumal die Vorbereitung eh nur sehr kurz ist.

"Wir wollen die Klasse halten"

bundesliga.de: Bleibt der Klassenerhalt das oberste Saisonziel?

Hinterseer: Natürlich. Es wäre vermessen, als Aufsteiger etwas anderes als Ziel auszugeben. Wir spielen das erste Jahr in der Bundesliga. Wir wollen die Klasse halten, ob es am Ende der 15. Platz oder 10. Platz wird, ist relativ egal.

bundesliga.de: Am Ende der Saison steht die Europameisterschaft an. Welche Chancen rechnen Sie sich aus, von Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller nominiert zu werden?

Hinterseer: Ich hoffe natürlich, dass ich mit Leistung auf mich aufmerksam machen kann und im Kader bleibe. Die EM ist für jeden Österreicher eine Riesenmotivation.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski