Mönchengladbach - Das Bad in der Menge, es gehört nicht gerade zu seinen Lieblingsdisziplinen. Die Feierlichkeiten mit dem Publikum überlässt er normalerweise seinen Spielern, er selbst hält sich dabei meist vornehm im Hintergrund. Anders nach dem Spiel am Sonntag gegen Hoffenheim. Sichtlich genoss Lucien Favre diesmal die Ovationen der Fans in der Nordkurve. Schließlich gab es auch eine Menge zu Feiern.

Die Zuschauer hatten gleich dreifach Grund, ihren Trainer hochleben zu lassen. Da war zum einen der souveräne 3:1-Sieg gegen 1899 Hoffenheim, dann die Einstellung eines Uralt-Rekordes und natürlich Favres 57. Geburtstag. Während tausendfach "Happy birthday to you" von den Rängen schallte, konnte der Schweizer seine Rührung nicht mehr verbergen.

"Die Fans sind wirklich fantastisch. Seit ich hier bin haben sie mich und die Mannschaft immer perfekt unterstützt. Es ist ein großer Vorteil für mich, dass sie richtig etwas von Fußball verstehen. Sie bringen uns wirklich viel", war er nach dem stimmungsvollen Ständchen voll des Lobes für die Anhängerschaft.

Auf Weisweilers Spuren

Favre hatte die Fohlenelf im Februar 2011 in fast aussichtsloser Abstiegsnot übernommen, in der Relegation den Klassenerhalt geschafft und das Team seitdem kontinuierlich nach oben und bereits zwei Mal ins internationale Geschäft geführt. Borussia spielt derzeit so erfolgreich, dass mittlerweile auch diverse Vereinsrekorde bröckeln. Durch den Erfolg gegen Hoffenheim ist die Elf vom Niederrhein seit 17 Pflichtspielen ungeschlagen und hat damit die Marke aus der Saison 1970/71 eingestellt.

Trainer damals: Legende Hennes Weisweiler, den Favre, damals selbst noch Spieler, Anfang der 1980er Jahre persönlich kennenlernen durfte. "Er war damals bei Grasshoppers Zürich. Er war ein Top-Trainer mit viel Charisma, ein Gentleman. Ich hatte einen guten Kontakt, als ich ihn zwei, drei Mal getroffen habe", erinnert er sich.

Dass er zumindest statistisch nun auf Weisweilers Spuren wandelt, nimmt Gentleman Favre höchstens wohlwollend zur Kenntnis. "Sie wissen, Rekorde bedeuten mir nicht so viel. Aber für die Borussia ist es natürlich gut. Wir wollen die Serie nun fortsetzen und auch das Spiel in der Europa League in Limassol gewinnen."

Perfektionist und Taktikfuchs

Wichtig seien ihm vor allem die 20 Punkte, die sein Team inzwischen in der Bundesliga auf dem Konto hat und damit nach wie vor Anschluss zur Tabellenspitze hält. Favre, der akribische Arbeiter, Perfektionist und Taktikfuchs hat Borussia Mönchengladbach einen attraktiven Spielstil verpasst, der auf Ballbesitz, sicherem Aufbau- und schnellem Kombinationsspiel basiert und bei Bedarf auf überfallartige Konter wechselt. Dies hat zuletzt auch der FC Bayern zu spüren bekommen.

Favre, der einst unter Johan Cruyff beim FC Barcelona hospitiert hatte, sei für den Verein ein "absoluter Glücksfall", hat Manager Max Eberl einmal gesagt. Mittlerweile ist der frühere Schweizer Nationalspieler nach Jürgen Klopp der Trainer mit der zweitlängsten Amtszeit in der Bundesliga. Ob er auch in dieser Kategorie Hennes Weisweiler, der die Fohlen knapp elf Jahre lang betreute, "gefährlich werden" kann, bleibt abzuwarten.

Fest steht, Favre macht sich über solche Dinge wenig Gedanken. Für ihn zählt immer nur das nächste Spiel. An seinem Geburtstag wollte er immerhin ein wenig Feiern und sich ein bis zwei kleine Gläschen Rotwein gönnen. Doch sehr wahrscheinlich hat er sich währenddessen schon wieder auf den kommenden Gegner vorbereitet.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann