Stuttgart - Luc Castaignos – nur die absoluten Experten kannten den Neuzugang von Eintracht Frankfurt. Spätestens seit der Partie in Stuttgart aber ist der Niederländer ein Begriff. bundesliga.de hat den jungen Angreifer unter die Lupe genommen.

Wenn man Armin Veh am Samstagabend Glauben schenken durfte, und da sollte man bei dem Profi-Ironiker immer ein wenig vorsichtig sein, hatte er trotz des 4:1-Erfolges beim VfB Stuttgart keine euphorisch gute Laune. Manchmal juble er, manchmal nicht, das hinge von seiner Stimmung ab – so seine nüchterne Reaktion auf die Frage, weshalb er sich bei den Treffern seines Teams nicht ausgiebiger gefreut habe. Und auch seinen jungen Stürmer Luc Castaignos, mit zwei Treffern und einem herausgeholten Elfmeter Matchwinner in der Mercedes-Benz-Arena, brachte er bei der Pressekonferenz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen.

Veh vertraut auf Castaignos

"Luc muss noch sehr viele Dinge verbessern", erklärte Veh gewohnt trocken. "Die Bundesliga ist anders als die holländische Liga". Die Frankfurter holten den 22-jährigen Castaignos vor der Saison vom niederländischen Ehrendivisionär Twente Enschede, für den er in 94 Spielen immerhin satte 37 Treffer erzielte. Vorschusslorbeeren aber sind für einen Trainer wie Veh nur heiße Luft. "Gegen die Stuttgarter hat er angedeutet, was er kann. Aber er ist noch sehr jung, genau wie unsere anderen Angreifer Seferovic, Waldschmidt oder Kadlec", so Veh.

Dass Veh aber dennoch auf Castaignos setzt, zeigt die Anfangsphase der Saison. Bereits zum dritten Mal im dritten Spiel stand der Niederländer in der Anfangsformation der Hessen. Dabei agierte der Angreifer, der auf Grund seines Spielstils gerne mit der französischen Legende Thierry Henry verglichen wird, in den ersten beiden Partien allerdings unauffällig. Gerade einmal 21 Mal hatte er in den beiden Partien jeweils den Ball, weniger als jeder andere Bundesligaspieler. Und auch sein Zweikampfverhalten ließ noch Wünsche offen. Schwache 36 Prozent seiner Duelle konnte er in seinen ersten beiden Bundesliga-Duellen für sich entscheiden. Schwache Werte, die Veh aber nicht davon abbrachten, Castaignos weiter das Vertrauen zu schenken.

Unruheherd Castaignos

In Stuttgart machte sich das bezahlt. Von Anfang an war Castaignos ein Unruheherd, die beiden VfB-Innenverteidiger Timo Baumgartl und Adam Hlousek bekamen ihn, aber auch seinen Sturmkollegen Haris Seferovic nie richtig in den Griff. Vor allem seine immense Laufstärke und Sprintgeschwindigkeit konnte Castaignos immer wieder ausspielen, lediglich der Stuttgarter Filip Kostic übertrumpfte Castaignos Spurttempo von 33,4 km/h noch. Trotz der immensen Laufstärke bewahrte Castaignos zum ersten Mal im Eintracht-Dress auch vor dem gegnerischen Tor kühlen Kopf, verwandelte zwei Mal nervenstark und holte den entscheidenden Elfmeter sowie eine Rote Karte für den Stuttgarter Keeper Przemyslaw Tyton heraus. Ein echt starker Auftritt.

Dass Castaignos die Zukunft gehören konnte, steht außer Frage. Zumal er mit seinem Sturmpartner Seferovic prächtig zu harmonieren scheint. Da sein Trainer Veh aber auch Effizienz setzt, wird sich Castaignos weiter steigern und vor allem in seiner Leistung stabilisieren müssen. "Das ist Bundesliga", sagte Veh nach der Partie in Stuttgart angesprochen auf eine Torschussstatistik von 15:6 für den VfB. Optische Überlegenheit spielt keine Rolle, im Tor müssen die Bälle landen. Und für dieses "Minimax-Prinzip" des Fußballs scheint Castaignos durchaus geschaffen. Das hat er in Stuttgart eindrucksvoll bewiesen.

Nun gilt es für Castaignos an der Konstanz zu arbeiten. Schafft er das, wird Veh in den kommenden Monaten kaum an dem jungen Niederländer vorbeikommen.

Jens Fischer