München - Marcos Lopez, 38, ist Spaniens bekanntester Fußball-Analyst. Er hat den A-Trainer-Schein und war von 2011 bis 2012 Sportdirektor beim AS Rom unter Trainer Luis Enrique. Derzeit arbeitet er für diverse spanische Medien als Experte. Im zweiten Teil des Interviews spricht er über Thiagos Ursprünge, Guardiolas Charakter und Dortmunds Neuzugänge.

bundesliga.de: Thiago ist zum aktuellen Champions-League-Sieger gewechselt, jetzt sind die Münchner der große Gegner auf internationaler Bühne. Sehen sie die Münchner in der Lage, in den nächsten Jahren eine Ära einzuläuten vor den großen Rivalen aus Spanien, England und den neuen Projekten wie zum Beispiel Paris St. Germain?

Lopez: Bayern hat diesbezüglich die richtigen Schritte gemacht. In den letzten Jahren standen sie mehrmals im Finale. Wenn man die Champions League gewinnt, ist das Allerschwerste auf dem Level zu bleiben. Mit Guardiola hat Bayern den Trainer mit der größten Leidenschaft verpflichtet, dazu die sehr guten Transfers von Mario Götze und Thiago. Ich glaube, dass Bayern mit diesen Schritten die Basis hat, um eine Ära einzuläuten.

bundesliga.de: Sie kennen Guardiola persönlich, viele sagen, er sei ein sehr angenehmer und freundlicher Mensch, allerdings etwas unnahbar. Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Lopez: Guardiola ist Leidenschaft. Er ist mit Körper und Seele ein Fußballmensch. Auf persönlicher Ebene ist es nicht einfach, an ihn ranzukommen, wenn es aber um eine professionelle Beziehung geht, muss ich sagen, dass er ein sehr korrekter Typ ist mit guten Manieren. Er ist bescheiden, hat die Fähigkeit auch anderen zuzuhören. Er ist ein spezieller Typ mit großen Werten.

bundesliga.de: Sie haben den Ursprung von Thiago angesprochen, er ist der Sohn des großen Mazinho. Hat er sich was von seinem Vater abgekupfert?

Lopez: Thiago ist elastischer und dynamischer, ebenso ein großer Techniker. Mazinho war ein defensiver Mittelfeldspieler mit guter Taktik, der ein Spiel auch lesen konnte. Der dritte im Bunde, Thiagos Bruder Rafinha (jetzt bei Celta Vigo, Anm. d. Red.) spielt wiederum ganz anders, aus diesem Grunde wäre es theoretisch möglich gewesen, dass alle drei gemeinsam in einer Mannschaft spielen.

bundesliga.de: Zu guter Letzt: Der große Rivale auf nationaler Ebene wird für viele wieder der BVB sein. Wie schätzen Sie den aktuellen Kader der Dortmunder mit deren Neuverpflichtungen ein?

Lopez: Bayern hat gegenüber dem BVB einen großen Vorteil: Sie verfügen über zwei Kader. Bayern hat keine Stammelf, sie haben einen Superkader. Dortmund hat einen sehr guten Kader, ist für keinen mehr eine Überraschungsmannschaft. Die Verpflichtung von Mkhitaryan ist ein toller Schachzug von Michael Zorc. Er wird im offensiven Mittelfeld viel bewegen. Ich sehe den Armenier eher als Kagawa- denn als Götze-Ersatz. Sokratis finde ich als Alternative sehr gut, trotzdem sehe ich als Stammformation hinten die gleiche wie letzte Saison. Bei Aubameyang finde ich, dass es ein Volltreffer ist, ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis. Ein schneller Spieler, der unglaublich viel Tempo reinbringt und perfekt in die Philosophie von Klopp passt.

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Das Gespräch führte Miguel Gutierrez