Gdansk - Kein Gehirnjogging, keine komplizierte Rechenschieberei, stattdessen eine klare Ansage vom Bundestrainer: Gegen Dänemark nicht verlieren ist gleich "Heim"-Viertelfinale in Danzig. Diese einfache Formel hat Joachim Löw der deutschen Nationalmannschat für ihr letztes EM-Gruppenspiel am Sonntag gegen Dänemark in Lwiw (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) eingehämmert.

Löw fordert gegen "Danish Dynamite" eine Punkt-Landung, damit im Viertelfinale ein "Heimspiel" auf dem Programm steht und damit auch im Falle des Halbfinaleinzugs eine weitere Reise in die Ukraine nach Donezk vermieden würde.

Ausruhen verboten



Tor-Gigant Mario Gomez, mit drei Treffern bislang der herausragende Akteur im deutschen Team, sieht in der Gruppen-Konstellation sogar einen besonderen Reiz: "Ich finde es gut, dass wir uns nicht ausruhen können. Wir wissen, dass wir noch einen Punkt brauchen. Diesen Punkt wollen wir uns unbedingt holen, wir wollen auch das letzte Spiel in der Gruppe gewinnen", sagte der gefeierte Münchner und fügte warnend hinzu: "Wir haben noch gar nichts erreicht."

Mit welchem Personal Löw, der Donnerstagabend unweit des deutschen EM-Quartiers in Danzig das 4:0 von Welt- und Europameister Spanien gegen Irland live auf der Tribüne verfolgte, gegen die Dänemark antritt, ist aber völlig offen. Klar ist, dass der gesperrte Jerome Boateng auf der rechten Abwehrseite der Viererkette ersetzt werden muss.

"Philipp Lahm könnte nach rechts, dafür Marcel Schmelzer links spielen. Oder Lars Bender spielt rechts. Auch eine Dreierkette und eine andere offensive Anordnung wäre möglich, weil Dänemark sehr defensiv spielt", sagte Löw. Er ließ damit wie vor den Spielen gegen Portugal und die Niederlande Raum für Spekulationen. Den Namen Benedikt Höwedes, vor Turnierbeginn neben Boateng für diese Position vorgesehen, nannte der Bundestrainer nicht. Er wäre aber eine weitere Option.

Olsen glaubt nicht an Experimente



Dänemarks Trainer Morten Olsen glaubt nicht an Überraschungen: "Die Deutschen sind noch nicht durch, deshalb glaube ich nicht, dass Löw experimentieren wird. Er geht auf Nummer sicher", sagte er.

Offen ließ die sportliche Leitung auch, ob Lukas Podolski gegen die Dänen sein Jubiläum feiert. "Er wird mit Sicherheit die 100 Länderspiele vollbekommen, ob schon im nächsten Spiel müssen wir abwarten", sagte Löw-Assistent Hansi Flick am Freitag mit Blick auf diese Baustelle.

Lob für "denfensive" Außenspieler



"Prinz Poldi" und auch WM-Torschützenkönig Thomas Müller hatten trotz des optimalen EM-Starts der DFB-Auswahl Kritik einstecken müssen. Flick versicherte aber, dass man mit der Leistung von Podolski und auch von Müller auf den Außen vor der Abwehrreihe bislang sehr zufrieden sei.

"Wir haben mit unseren Flügelspielern sehr intensiv über die Defensive gesprochen, und beide haben das sehr gut umgesetzt. Lukas hat Philipp Lahm stark unterstützt. Thomas war in der ersten Hälfte immer wieder Initiator von gefährlichen Angriffen", sagte Flick. Die Diskussion um diese beiden Spieler ist damit erst mal im Keim erstickt.

Unabhängig vom Personal will Löw den Rückenwind der ersten beiden Spiele nutzen und das nächste Etappenziel auf dem Weg zum EM-Titel erreichen, wobei für ihn der Gruppensieg eine wichtige Rolle spielt: "Wir haben es selbst in der Hand, alles klar zu machen. Der Gruppensieg wäre wichtig, weil wir dann in Danzig bleiben können. Das wäre wahrscheinlich ein Vorteil im Viertelfinale. Aber wir brauchen erst noch einen Punkt gegen die Dänen", sagte er.

"Wichtigeres als Statistiken"



Deutschland kann nebenbei noch eine historische Bestmarke aufstellen: Noch nie seit der Einführung des Gruppenmodus hat die DFB-Auswahl eine EM-Vorrunde mit drei Siegen abgeschlossen. Das interessiert Löw aber höchstens am Rande, und auch für seine Spieler sind solche Details nicht sonderlich wichtig, ebensowenig wie die Rechenspiele in der deutschen Gruppe B.

"Wir wollen auch das dritte Spiel gewinnen, dann müssen wir nicht rechnen", sagte Podolski und betonte, dass es "Wichtigeres als Statistiken" gibt. Und Kapitän Lahm machte ebenfalls klar: "Wir haben eine hervorragende Ausgangsposition. Wir können mit einem Punkt alles klar machen, das wollen und werden wir uns nicht entgehen lassen."

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Neuer - Bender, Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil, Podolski - Gomez