München - Chance für Kevin Großkreutz, Verzicht auf große Experimente: Bundestrainer Joachim Löw setzt in der EM-Qualifikation weiterhin fast ausschließlich auf seine WM-Helden. Als einziger der "jungen Wilden" darf sich der Dortmunder Großkreutz bei den Länderspielen am 8. Oktober gegen die Türkei und vier Tage später in Kasachstan bewähren.

Auf Lewis Holtby und Andre Schürrle verzichtete Löw dagegen in seinem 22-köpfigen Aufgebot mit 17 WM-Teilnehmern. Die Mainzer Shootingstars sollen im November gegen Schweden zu ihrem Debüt kommen.

Großkreutz kann sich anbieten

"Grundsätzlich sind zuletzt einige junge Spieler durch hervorragende Bundesliga-Leistungen in den Fokus gerückt. In Absprache mit Rainer Adrion haben wir entschieden, dass sie im Zuge des Neuaufbaus der U 21 dort zunächst mal 90 Minuten internationale Spielpraxis sammeln sollen. Bei Kevin Großkreutz ist der Fall anders, denn er ist für die U 21 nicht mehr spielberechtigt", sagte Löw.

Der Dortmunder Mittelfeldspieler erhalte "aufgrund seiner guten Leistungen in den vergangenen Monaten die Chance, sich für weitere Einladungen anzubieten und die Abläufe im A-Team besser kennenzulernen".

Nachricht kommt auf der Massagebank

Für Großkreutz selbst ist die Berufung "ein Riesending", wie auch BVB-Coach Jürgen Klopp mit einem Schmunzeln bestätigte: "Kevin hat es auf der Massagebank erfahren. Daraufhin war er so verkrampft, dass kein Masseur der Welt noch eine Chance gehabt hätte."

Auch Michael Zorc nahm die Nachricht mit Freude auf. "Für Kevin, aber auch für uns, weil unsere Leistung offensichtlich auch beim DFB gesehen wird. Kevin steht als Beispiel dafür", sagte der Sportdirektor des BVB.

Ohne Ballack und Kießling

Neben dem 22 Jahre alten Großkreutz, der kurz vor der WM gegen Malta sein erstes Länderspiel absolviert hat, holte Löw den zuletzt angeschlagenen Abwehrspieler Jerome Boateng (Manchester City) zurück. Ansonsten vertraut der Bundestrainer den Spielern, die zum Start der EM-Qualifikation gegen Belgien (1:0) und Aserbaidschan (6:1) im Kader standen. Verletzt fehlt Stefan Kießling von Bayer Leverkusen. Auch Kapitän Michael Ballack steht weiter nicht zur Verfügung.

"Es ist in unserer aktuellen Situation nicht erforderlich, große Veränderungen vorzunehmen. Wir vertrauen besonders auf die bewährten Kräfte, die bei der WM dabei waren und im September bei den Siegen in der EM-Qualifikation die Erwartungen erfüllt haben", sagte der Bundestrainer.

Gegen Türkei und Kasachstan

Am 8. Oktober wird der WM-Dritte Deutschland zunächst in Berlin von den Türken gefordert. Vier Tage danach folgt die "Spätschicht" in Astana bei den Kasachen. Das Spiel wird erst um 23 Uhr Ortszeit angepfiffen. Die Partie gegen die von Guus Hiddink betreuten Türken bezeichnete Löw als "echten Höhepunkt. Nicht nur fußballerisch steckt in der Partie viel Brisanz, sondern auch von der Atmosphäre im Stadion her."

Die DFB-Auswahl trifft sich am Montagabend in Berlin. Am Dienstag wird das Team von Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue für den dritten Platz bei der WM in Südafrika mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Zudem erhält Löw das Bundesverdienstkreuz.

Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft:

Tor: Manuel Neuer (Schalke 04), Rene Adler (Bayer Leverkusen), Tim Wiese (Werder Bremen)

Abwehr: Holger Badstuber (Bayern München), Jerome Boateng (Manchester City), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Sascha Riether (VfL Wolfsburg), Heiko Westermann (Hamburger SV)

Mittelfeld: Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund), Sami Khedira (Real Madrid), Toni Kroos (Bayern München), Marko Marin (Werder Bremen), Thomas Müller (Bayern München), Mesut Özil (Real Madrid), Lukas Podolski (1. FC Köln), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Christian Träsch (VfB Stuttgart)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (Bayern München), Miroslav Klose (Bayern München)