David Beckham, Landon Donovan, Cuauhtemoc Blanco. Sie sind die Stars der Major League Soccer, wegen ihnen sind die Fans des runden Leders am Donnerstagabend in Scharen zum All-Star Game der MLS nach Toronto geströmt.

Doch der Held dieser Partie zwischen den besten Spielern der amerikanischen Profiliga und dem englischen Premier-League-Club West Ham United war ein anderer, einer, für den Toronto Heimat bedeutet: Dwayne De Rosario.

Entscheidung vom Punkt

Der offensive Mittelfeldspieler vom amtierenden MLS-Champion Houston Dynamo sorgte mit seinem Treffer vom Elfmeterpunkt in der 70. Minute des All-Star Games für den 3:2-Sieg der MLS-Auswahl, nachdem er selbst im Sechzehner zu Fall gebracht wurde.

Zuvor traf Dean Ashton zwei Mal für die "Hammers". Erst brachte er die Engländer in Minute 26 in Führung, in der 67. Minute erzielte er den 2:2-Ausgleich. Dazwischen trafen Christian Gomez (27.) und Blanco (45.) für die MLS-Auswahl. Auch wenn Mexikos 97-facher Nationalspieler zum MVP - dem wertvollsten Spieler - der Partie gewählt wurde, den Siegtreffer hätte kein anderer erzielen können als De Rosario.

"Für mich ist ein Traum wahr geworden", freute sich der Siegtorschütze. "Ein Tor in einem Spiel mit dieser Bedeutung zu erzielen, ist großartig. Diese Partie gab uns die Chance, der Welt zu zeigen, wie gut unsere Liga wirklich ist."

Beinahe nur Zuschauer

Dabei wäre er beinahe nicht einmal dabei gewesen beim großen Stelldichein der Stars des Fußballs in Nordamerika. Bei der Wahl der Startelf durch Fans, Spieler, Trainer und Medien fiel der nur wenige Meilen vom BMO Field, dem Austragungsort des diesjährigen All-Star Games, aufgewachsene De Rosario dursch Raster.

Auch zu den fünf Profis, die All-Star Coach Steve Nicol nominieren durfte, zählte er nicht. Doch zum Glück hat auch der Commissioner der MLS zwei Stimmen, sozusagen das letzte Wort. Und Don Garber wollte wohl einfach nicht auf den "Local Hero" verzichten - eine gute Entscheidung!

Fußball im Tiefschlaf

Ebenso steinig wie die Ernennung zu seinem dritten All-Star Game war der Beginn der Karriere des heute 30-jährigen De Rosario. Denn als er 1997 seine Profilaufbahn begann, lag der Fußball in Kanada noch im Tiefschlaf.

"Es war wie eine tickende Zeitbombe. Wann würde Toronto Fußball endlich ernst nehmen", erinnert sich De Rosario, der seinen ersten Profivertrag bei den Toronto Lynx unterschrieb. "Die Lynx taten ihr Bestes, den Fußball in meiner Heimatstadt voranzubringen. Doch das war schwer, zumal es hier damals nicht einmal ein echtes Fußballstadion gab."

Zwischenstation Zwickau

Wie sich die Zeiten ändern sollten - für Toronto und seinen Fußballbegeisterten Sohn. Den zog es nur wenige Wochen nach Vertragsabschluss mit den Lynx über den "großen Teich". In die 2. Bundesliga. Bis 1999 spielte De Rosario beim FSV Zwickau. Doch er kam nur auf zwölf Einsätze und ging schließlich zurück nach Nordamerika.

Den Durchbruch schaffte er schließlich bei den San Jose Earthquakes, bei denen er 2001 anheuerte. Mit den Kaliforniern, aus denen 2006 nach einem Umzug in den Süden schließlich Houston Dynamo wurde, gewann De Rosario vier Meisterschaften.

Feste Größe in Nordamerika

51 Tore schoss er in rund 200 Spielen in der MLS. 2001 und 2007 wurde er zum MVP der Meisterschaftsrunde gekürt und in den vergangenen drei Jahren wurde er in die MLS "Best XI" gewählt und als Kanadas Spieler des Jahres ausgezeichnet. Da wundert es wenig, dass er mit 49 Länderspielen zu den "Big Boys" bei den "Ahornblättern" zählt.

Vergangene Nacht schloss sich der Kreis da, wo für De Rosario alles angefangen hat. Daheim. Sozusagen vor der Haustür. In einem echten und hochmodernen Fußballstadion. Mit dem wohl wichtigsten Tor seiner Karriere. Und Beckham, Donovan und Blanco gratulierten.

Sebastian Stolz