Für 90 Minuten ist Kapstadt am Freitag der Nabel der Fußball-Welt: Rund 200 Millionen Fußball-Fans werden die Live-Übertragung der WM-Gruppenauslosung (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) in 200 Ländern im Fernsehen verfolgen.

Sie blicken mit Spannung dem Event am "Kap der Guten Hoffnung" entgegen, das 189 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft den Startschuss zur heißen WM-Phase bedeutet. Fast 1.600 Sicherheitskräfte sollen garantieren, dass unliebsame Zwischenfälle ausbleiben, und machen das Spektakel in Anwesenheit zahlreicher Prominenz zu einem echten Härtetest für die südafrikanischen Organisatoren.

Löw: "Ich freue mich wahnsinnig auf die Auslosung"

Für Glamour im International Convention Centre (CTICC) von Kapstadt sorgt vor allem die südafrikanische Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, die FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke bei der Ziehungszeremonie assistieren wird. Die Vorzeichen für den dreimaligen Welt- und Europameister Deutschland sind klar. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw stellt einen der Gruppenköpfe dar und wurde dem Topf 1 mit den Top-Teams sowie Gastgeber Südafrika zugeteilt.

"Ich freue mich wahnsinnig auf die Auslosung. Denn dann beginnt für mich das Turnier, dann geht die WM los. Am Freitag werden wir wissen, gegen wen wir spielen, wo wir spielen und vor allem wann wir spielen. Danach können wir mit den konkreten Planungen beginnen", sagte Löw. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff orakelte: "Für uns ist alles möglich. Wir können durchaus auf drei schwere Brocken in der Vorrunde treffen."

Denn dem Vize-Europameister droht bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent (11. Juni bis 11. Juli 2010) in der Vorrunde im schlimmsten Fall gleich ein Duell mit Vize-Weltmeister Frankreich; aber auch die Schweiz mit Trainer Ottmar Hitzfeld oder Ex-Europameister Griechenland mit Coach Otto Rehhagel sind potenzielle Kontrahenten aus Topf 4. Allerdings war der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Vergangenheit bei den WM-Auslosungen das Glück meistens hold. Vor vier Jahren in Leipzig erwiesen sich in der Vorrunde Costa Rica, Polen und Ecuador nicht als Stolpersteine beim "Sommermärchen".

Mandela richtet sich in einer Videobotschaft an die Welt

Der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma und FIFA-Boss Joseph S. Blatter werden die Live-Show in Kapstadt eröffnen. Englands Fußball-Ikone David Beckham soll ebenso als "Losfee" fungieren wie der äthiopische Leichtathletik-Olympiasieger und Marathon-Weltrekordler Haile Gebrselassi, Makhaya Ntini, der erste dunkelhäutige Spieler in der südafrikanischen Kricket-Nationalmannschaft, John Smit als Kapitän des südafrikanischen Rugby-Weltmeisterteams sowie der glatzköpfige "Bafana-Bafana"-Abwehrrecke Matthew Booth.

Der 91 Jahre alte Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela wird sich in einer Videobotschaft an das Publikum wenden. Der ehemalige südafrikanische Staatspräsident war einer der Garanten für die WM-Vergabe an den ehemaligen Apartheidstaat, der 2000 im Duell mit Deutschland noch denkbar knapp für 2006 den Kürzeren gezogen hatte.

Maradona als persona non grata

Südafrika nutzt den "final draw" zur eigenen Außendarstellung, will aber gleichzeitig die Vorzüge, Attraktionen und Besonderheiten stellvertretend für ganz Afrika zum Ausdruck bringen. Im Showteil werden der mit dem Grammy ausgezeichnete Soweto Gospel Choir, die Sängerin und Songwriterin Angelique Kidjo aus Benin sowie Johnny Clegg, einer der bekanntesten Musikexporte Südafrikas, sowie die Jazzart Dance Company auftreten. Für den Höhepunkt nach der Auslosung soll das Finale mit 80 Künstlern, einschließlich des berühmten Ensembles Afrika Umoja, sorgen.

Zur erwarteten Heerschar der Prominenz zählen die Friedensnobelpreisträger Frederik W. de Klerk und Erzbischof Desmond Tutu sowie die Fußball-Weltstars Franz Beckenbauer, Michel Platini und Roger Milla. Insgesamt 2.000 Gäste und über 1.700 Medienvertreter haben sich akkreditiert. Nur das argentinische Idol Diego Maradona ist von der FIFA aufgrund seiner zweimonatigen Sperre wegen obszöner Beschimpfungen von Journalisten zur "unerwünschten Person" in Kapstadt erklärt worden. "Maradona wird keine Akkreditierung erhalten", sagte Valcke.