Gelsenkirchen - In der Bundesliga abgeschlagen, bei den Anhängern in der Kritik - nach dem mageren 1:1 gegen Nürnberg setzt Schalke seine Hoffnung jetzt auf das Pokal-Halbfinale beim FC Bayern (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) . "Der DFB-Pokal ist der kürzeste Weg nach Europa", unterstreicht Christoph Metzelder die Bedeutung der Partie.

Nein, ein Träumer ist Christoph Metzelder wirklich nicht. Darum schätzt der Innenverteidiger die Situation auf Schalke auch ganz nüchtern ein. Erst die Niederlage in Gladbach, dann nur ein Punkt gegen Nürnberg - in der Bundesliga ist der Zug für den Vize-Meister des Vorjahres abgefahren. "Wir müssen uns jetzt erst mal von den unteren Tabellenplätzen richtig absetzen", schreibt Metzelder die internationalen Ränge in der Bundesliga eindeutig ab.

"Wir müssen anders auftreten!"

Auch die Qualifikation für den internationalen Fußball über Europas "Königsklasse" ist für den 30-Jährigen keine Option. "Ich bin kein Fantast zu glauben, dass wir die Champions League gewinnen." Was bleibt, ist zurzeit die Angst vor dem Absturz - und der DFB-Pokal. Doch die hohe Hürde heißt im Halbfinale wie im Vorjahr ausgerechnet FC Bayern. "Da müssen wir an unsere Leistungsgrenze gehen", fordert Manuel Neuer von seinen Mitspielern.

Und das endlich einmal über 90 Minuten - mindestens. Denn auch gegen Nürnberg ließ Schalke Konstanz vermissen und zeigte wie schon oft in dieser Saison zwei Gesichter. Die ersten 45 Minuten offenbarten Schwächen, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen und für den Auftritt bei den Bayern wenig Mut machen: Kein Esprit, keine Ideen, keine Leidenschaft, kein Druck und keine Torgefahr.

"Wir haben dem Gegner mit unserer Spielweise keinen Respekt eingeflößt", klagt Christoph Metzelder. Neuer drückt es noch drastischer aus: "Wir sind einfach nicht da gewesen! Wir müssen anders auftreten!"

Bessere zweite Hälfte macht Mut

Der Trainer freilich will seinen Spielern bei dieser Analyse nicht folgen - sei es aus Überzeugung oder aus Kalkül. Felix Magath rechtfertigt die vornehme Zurückhaltung auf dem Platz und findet es auch rückwirkend mit Blick auf DFB-Pokal und Champions League "in Ordnung, nicht Vollgas zu spielen und verhalten zu beginnen. Wir haben entscheidende Wochen vor uns."

In der Bundesliga allerdings hätte das beinahe die nächste Niederlage bedeutet, hätte sich Schalke gegen Nürnberg nach dem Rückstand nicht über die zweiten 45 Minuten von der besseren Seite präsentiert. Schalke bewies Moral - und das ist der Teil der "königsblauen" Geschichte, der Mut macht für die Partie am Mittwoch. "Wir haben uns gesteigert und wieder herangekämpft", befindet Peer Kluge.

Schalke deutete sein Potenzial zumindest an, erzeugte mehr Druck und kam auch zu mehr Torchancen. "In der zweiten Halbzeit kann man uns nichts vorwerfen. Man hat gesehen, dass wir gekämpft und ordentlich Fußball gespielt haben", meint Manuel Neuer. "Es wäre allerdings wünschenswert, wenn wir das über einen längeren Zeitraum schaffen."


Raul ist der Hoffnungsträger

Als Problem erwies sich zudem die mangelnde Chancenverwertung, die auch einen Namen trägt: Klaas-Jan Huntelaar. Der 27-Jährige vergab wiederum zwei Großchancen und wartet nun seit 1000 Minuten auf einen Treffer in der Bundesliga. Der Hoffnungsträger auch für den Auftritt in der Allianz Arena heißt daher einmal mehr Raul. Gegen Nürnberg überzeugte der Spanier mit Einsatz und Treffer Nummer elf. "Er kann in einer engen Partie den Unterschied ausmachen", glaubt Manuel Neuer.

Der Schalker Kapitän weiß, dass nicht nur das europäische Fußballgeschäft mit einem Sieg im Pokal-Halbfinale deutlich näher kommen würde. Vielmehr wäre es auch ein willkommener Weg, die Unruhe rund um den gesamten Verein etwas einzudämmen. "Die Stimmung ist bei uns nicht gut", redet Neuer nach dem Remis gegen Nürnberg auch angesichts lautstarker Pfiffe und eindeutiger Plakate nicht lange herum.

Die Schalker aber scheinen gewillt, am Mittwoch die Weichen zu besseren Zeiten zu stellen. Wie sagte doch Peer Kluge mit Blick auf die Bayern? "Wir wollen ins Finale. Und dann muss man gegen die besten Mannschaften in Deutschland gewinnen. Auch auswärts."

Dietmar Nolte